Sektlaune vor dem Altar

Förderverein zum Erhalt der Ferchesarer Dorfkirche gegründet

NORBERT STEIN

FERCHESAR Wenn vor dem Altar in einer Kirche Sektgläser tönen, muss es für solch ein außergewöhnliches Vivat einen wenn nicht außergewöhnlichen, so doch bedeutsamen Grund geben. So war es am Donnerstagabend in der Ferchesarer Dorfkirche: Zwölf Einwohner hatten den Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche in Ferchesar gegründet. Mit dem Sekt stießen sie auf eine gute Arbeit an - auf dass möglichst viele Vorhaben gelingen.

Ziel des Vereins ist die Instandsetzung und Unterhaltung der Dorfkirche sowie die Förderung des kirchlichen und kulturellen Lebens in Ferchesar. So ist vorgesehen, regelmäßig Konzerte mit klassischer und jazziger Musik sowie Kleinkunstveranstaltungen zu organisieren. Ferner will der Verein, kulturelle Vorhaben und Projekte im Gemeinwesen und in der Region Havelland fördern.

Bevor die Mitglieder ihre Vereinssatzung einstimmig beschlossen, erläuterte Gabriele Zieme, Pfarrerin der evangelischen Reformationsgemeinde Westhavelland, weitere Möglichkeiten zur Nutzung der Kirche. Dabei machte sie ein breites Spektrum deutlich, betonte aber, dass jegliche Nutzung im Einklang mit den Normen für eine geweihte Kirche stehen müsse.

Der Förderverein wählte Bärbel Kolbatsch-Weremschuck, Sabine Rauser, Mattes Wustrow und Detlef Zemlin in den Vorstand. Dazu kommt Ralf Kuberski als "geborenes Mitglied" in seiner Eigenschaft als Vertreter der Gemeinde Ferchesar für den Gemeindekirchenrat. Wer 1. Vorsitzender des Fördervereins wird, entscheidet sich auf der ersten Vorstandssitzung.

Mit allen Aktionen, die der Förderverein in Zukunft anregt, soll vor allem Geld in die Kasse kommen - finanzielle Mittel, die für den Erhalt der Kirche unbedingt erforderlich sind. So sind vor allem Arbeiten am Dachstuhl notwendig. Ein Gutachter soll aber zunächst die 1735 errichtete Kirche in Augenschein nehmen und einen Stufenplan vorlegen, welche Maßnahmen am wichtigsten sind. Dieses Erhaltungskonzept soll möglichst schon im Herbst auf einer Mitgliederversammlung vorgestellt werden.

Die Ferchesarer Dorfkirche ist eines von 16 Gotteshäusern der evangelischen Reformationsgemeinde Westhavelland. Für all diese Kirchen stehen der Kirchengemeinde jährlich insgesamt nicht einmal 10 000 Euro für Erhaltungsarbeiten zu Verfügung. Die Ferchesarer Kirchenfreunde sind sich im Klaren darüber, dass von der Gemeinde keine spürbare finanzielle Unterstützung zu erwarten ist und man im Dorf selbst etwas für den Erhalt der Kirche tun müsse.

Über erste Arbeiten haben die Vereinsmitglieder bereits gesprochen. Sie wollen beispielsweise dafür sorgen, dass Weiden verschnitten werden, deren Äste zur Zeit die Sicht auf die Kirche mitten im Dorf versperren. Die Kirche soll Besuchern geöffnet werden. Für 2007 ist eine Jubiläumsfeier geplant: Der Glockenturm wird dann 100 Jahre alt.

Märkische Allgemeine vom 29. Juli 2006

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