Läutanlage in Radeweger Dorfkirche mit patentierter Elektronik saniert

Die Glocken singen wieder

SONJA HOLLSTEIN

RADEWEGE Langsam beginnt die 450 Kilogramm Bronzeglocke in der Radeweger Kirche zu pendeln. Immer höher schwingt sie, immer weiter öffnet sich ihr Mund, bis der neue Klöppel den Glockenrand berührt. Dann beginnt sie zu singen, klar und rein, mit vollem, tiefem Ton.

Burghard Schmid bleibt von dem ergreifend-schönen Klang der mehr als 400 Jahre alten Glocke unbeeindruckt. Kritisch betrachtet er die Geläutelektronik, die er gerade eingebaut hat. "Das gefällt mir noch nicht", sagt er und wendet sich wieder seinem Laptop-Computer zu. Burghard Schmid arbeitet bei der Berliner Firma Wolfgang Schmidt, die sich auf Glocken spezialisiert hat und ein Patent auf Geläutelektronik hält. Am Mittwoch hat der 57-Jährige die beiden Radeweger Glocken wieder zum Singen gebracht.

9000 Euro benötigte der Förderverein Dorfkirche Radewege "Kirchdach" dafür. "Wir haben rund 3000 Euro gesammelt", berichtet der Vereinsvorsitzende Steffen Wilkening. "1500 Euro hat die Kommune beigesteuert, die Kirchengemeinde beteiligt sich ebenfalls, und für den Rest haben wir einen unbefristeten und zinslosen Kredit von zwei sehr spendablen Vereinsmitgliedern bekommen."

Mit dem Geld und "vielen helfenden Händen" konnte die Geläutelektronik, die Verlegung von Stromkabeln, ein neues Joch für die kleinere der beiden Glocken, die Restaurierung des Jochs für die größere Glocke, neue Lager und neue Klöppel in den Radeweger Kirchturm eingebaut werden. Die Geläutelektronik ist dabei der Clou: Statt eines konventionellen Motors werden die Glocken mit einem so genannten Linearmotor bewegt. Der Motor, der etwa so groß ist wie ein Brockhaus-Band, funktioniert wie beim Hochgeschwindigkeitszug Transrapid und wird neben der Glocke am Gebälk montiert. Zwischen der Glocke und dem Motor befindet sich eine Platte, die starr am Glockenjoch befestigt ist. Ein elektromagnetisches Feld drückt die Platte zur Seite, die daraufhin zu schwingen anfängt und die Glocke mitnimmt. "Das ist zwar teurer, aber auch dezenter", erläutert Wilkening die Entscheidung für den Linearantrieb. "Außerdem freut sich der Denkmalschutz, weil kein klobiger Motor mit einem unübersichtlichen Kabelgewirr im Kirchturm eingebaut werden muss." Darüber hinaus ist die Anlage nach Angaben von Burghard Schmid wartungs- und verschleißarm, so dass Folgekosten eines konventionellen Motors entfallen.

Die Reparatur war dringend notwendig, da die Anlage "so marode war, dass die Glocken drohten herunterzufallen", berichtet Wilkening. "Deshalb haben wir auch unser eigentliches Ziel, die Orgel zu sanieren, zurückgestellt. Denn wenn die Glocken abstürzen, würde die Orgel ohnehin zersplittern." Das Instrument zu reparieren sei allerdings das nächste Ziel des Vereins. Mit einem zehnminütigen Geläut sollen die Glocken am 18. August offiziell angeläutet werden. Mit dabei ist dann der Bischof von Berlin und Brandenburg, Wolfgang Huber.

Der gemeinnützige Verein Kirchdach e. V. hat ein Spendenkonto bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse eingerichtet. Konto-Nummer: 3601017520; Bankleitzahl: 160 500 00.