Rühriger Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche lud am Sonntag zum Sommerkonzert

Turmbau zu Gortz rückt näher

PETER E. GRAMSE

Dorfkirche Gortz

GORTZ Ein Glas Holunderblütensirup mit Sekt - diesen außergewöhnlichen Willkommenstrunk konnten sich die zahlreichen Besucher in Gortz am Sonntag schmecken lassen. Der rührige Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche hatte zum Sommerkonzert geladen. Nicht nur aus Brandenburg und Umgebung, selbst aus Berlin strömten Freunde und Förderer zu dem ländlichen Fest, das, wie es sich gehört, von Petrus mit strahlendem Sonnenschein begünstigt wurde. Zu den Berliner Freunden des Fördervereins zählt auch Helmut Schmidt, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Altbundeskanzler. Der pensionierte Laborarzt bot zusammen mit seiner Frau Hannelore, ebenfalls Ärztin, zahlreiche Sorten selbst eingekochter Konfitüre an. Das dazu verwendete Obst stammt aus der Region, und der Verkaufspreis für die hausgemachten Spezialitäten floss als Spende in den Baukostenfonds der Dorfkirche.

Das Gleiche galt für den Holunderblütensirup nach einem Rezept von Klaudia-Karine Rose. Sie wirbelt auf vielen Ebenen als erste Vorsitzende des Fördervereins, der erst seit dem vorigen Sommer besteht. So war das Konzert am Sonntag bereits die dritte Veranstaltung im laufenden Jahr, und zwei weitere sollen noch folgen. Diesmal kam der Spielkreis für Zupfinstrumente Berlin in die gut gefüllte Dorfkirche, als Nächste sollen es die bekannte Klezmer-Gruppe "Freilach" und ein richtiges Salonorchester sein. Klaudia-Karina Rose, die eigentlich gelernte medizinisch-technische Assistentin ist und jetzt als Fachlehrerin für Mikrobiologie arbeitet, übernahm auch die fachkundige Führung um und durch die mittelalterliche Kirche, assistiert von Pfarrer Manfred Gunkel.

Das bemerkenswerte spätgotische Bauwerk aus Feldsteinen stammt in seinem Kern aus dem 15. Jahrhundert. Das Dorf Gortz selbst, 1313 erstmals urkundlich erwähnt, ist älter. Der Name, seinerzeit "Gardyz"" oder "Garditz" geschrieben, kommt wahrscheinlich vom slawischen "Gard, Gardec", was Burg oder befestigter Ort bedeutet. Die Mauerecken der Kirche sowie mehrere teils erhaltene, teils vermauerte Spitzbogenfenster sind in Backstein gefasst. Nach einem großen Brand Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche teilweise erneuert und bekam den quadratischen, verputzten Westturm mit dreifach geschweiftem Zeltdach. Im Innern sind große Teile der Einrichtung aus dieser Zeit erhalten, unter anderem ein farbig gestalteter barocker Kanzelaltar und eine schöne kleine Orgel.

Der Turm ist heute das Sorgenkind der Dorfkirchen-Freunde. Das Dach, teils mit Schindeln gedeckt, ist notdürftig mit Dachpappe repariert. Die einzig noch vorhandene Glocke - zwei größere wurden während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen - kann nicht geläutet werden, da das Gestühl marode ist. Eine früher vorhandene Uhr fehlt ganz. Der Turm wurde deshalb als erster Bauabschnitt der geplanten Gesamtsanierung des Kirchenbaus bestimmt. Allein seine Wiederherstellung wird, neben erhofften Fördergeldern, etwa 20 000 bis 25 000 Euro als Eigenanteil kosten.

Ein vielversprechender Anfang ist inzwischen gemacht. Der Verein hat bereits mehr als 5000 Euro gesammelt. Unter anderem wurde ein mit 2500 Euro dotierter Förderpreis der Ausschreibung "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" des Förderkreises Alte Kirchen gewonnen. Von dem Sommerkonzert erhofft sich die Vorsitzende Klaudia-Karina Rose wiederum mehrere hundert Euro Einnahmen, nach Abzug aller Unkosten. So rückt der, biblisch gesprochen, Turmbau zu Gortz näher. Bei so viel guten Taten und Worten wird es in diesem Falle an dem Segen von oben wohl nicht mangeln.