"Stimme" für Dorfkirche eingetroffen

Glockengeschenk. Aus Hubbelrath bei Düsseldorf sind drei Glocken in Küstrinchen eingetroffen. Zwei bleiben für die Dorfkirche, eine erhalten die Groß Fredenwalder.

Von Bernd Schilling

Küstrinchen. Was sich schon seit Ende vergangenen Jahres vage angekündigt hatte und was mancher damals gar nicht so recht glauben wollte, ist am vergangenen Sonnabend tatsächlich wahr geworden: Vor der Küstrinchener Dorfkirche wurden drei Bronzeglocken entladen. Kraftfahrer Wilfried Kneisel von der Klein-Mutzer Spedition Sprung hatte sie bei einer günstigen Tour aus dem nordrhein-westfälischen Hubbelrath in die Uckermark mitgebracht. Die zwei kleineren Glocken sollen der Küstrinchener Dorfkirche künftig eine "unverwechselbare Stimme" verleihen und die große Glocke wechselt zur Dorfkirche nach Groß Fredenwalde.

Wie bei vielen "fast unglaublichen" Geschichten hatte auch hier der liebe Zufall eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Die Information über ein eventuelles Glockengeschenk war Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu danken. Er war es, der erste Kenntnis von der Angelegenheit hatte und der die Kontakte zur evangelischen Kirchengemeinde Homberg im Pfarrbezirk 2 Düsseldorf Knüpfte. So erfuhr er, dass das Tersteegenhaus in Hubbelrath nicht mehr für Gottesdienste verwendet werden soll und zu überlegen war, was mit den Glocken werden würde. Über den großen kirchlichen "Dienstweg" wurde schließlich geklärt, dass die drei von der Gießerei Rincker in Hessen gegossenen Glocken, die von 1953 bis 2004 in Hubbelrath ihre Botschaft ins Land riefen, in die Uckermark gehen sollten.

Der Hubbelrather Pfarrer Jürgen Dünne schrieb einen "Geleitbrief" für die Glocken. Darin betont er: "So traurig wir sind, dass sie bei und verstummen mussten, so froh sind wir, dass ihr Klang in Zukunft Menschen in der Uckermark erfreuen und unter Gottes Wort rufen soll. Gottes Segen möge sie auf ihrem Weg begleiten und in der neuen Heimat die Liebe finden lassen, mit der sie bei uns gehört wurden." Der Lychener Pfarrer Gerhard Stechbart informierte darüber diejenigen, die am Sonnabend zum feierlichen Glockenempfang nach Küstrinchen gekommen waren darunter der Lychener Bürgermeister Sven Klemckow, Vertreter der Stiftung Maßwerk und Sponsoren. Und er dankte allen, die am Gelingen dieses außergewöhnlichen Transfers mitgewirkt hatten, nicht zuletzt der Firma Sprung.

Die beiden 135 und 187,5 Kilogramm schweren, bisher in einem Stahlglockenstuhl hängenden Glocken mit den Nominalen e und d für die Küstrinchener Dorfkirche und die mit dem Nominal h und 315,5 Kilogramm Gewicht für die Groß Fredenwalder Kirche sollen umgerüstet werden. Der Leiter des Glockenamtes beim Landeskirchenamt in Düsseldorf, Ulrich Leykam, hatte empfohlen, die Glocken bei neuer Verwendung an Holzjochen aufzuhängen. Dadurch würde der Klang der Glocken "weicher und grundtöniger" werden, erklärte er auf Anfrage des Uckermark Kurier. Zum Empfang "ihrer Glocke" waren der Vorsitzende des Groß Fredenwalder Heimatvereins, Erhard Rieger, und als "Vermittler" der CDU-Landtagsabgeordnete Alard von Arnim nach Küstrinchen gekommen.

Übrigens: Nachdenken müssen die Küstrinchener nun auch darüber, wie sie eine zugleich mit dem Glockengeschenk eingetroffene kleine Orgel aus Hubbelrath nutzen wollen. Denn diese erfreuliche "Zugabe" erreichte sie am Sonnabend ebenfalls wohlbehalten.

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