Angerkirche wird früher fertig

Übergabe noch in diesem Jahr / Heizungseinbau läuft / Sponsor für Kreuzgewölbe gesucht

PEER STRAUBE

 Die Heizungsmatten werden verlegt
Die Heizungsmatten werden verlegt. Foto: MAZ/Gartenschläger

BABELSBERG Nach nur sechsjähriger Bauzeit und damit vier Jahre früher als geplant soll die Alte Kirche auf dem Neuendorfer Anger rechtzeitig zum Weihnachtsfest 2006 komplett fertig sein. Das sagte Bauleiter Roland Schulze gestern der MAZ.

Nach Abschluss der archäologischen Ausgrabungen in den Fundamenten der nicht mehr existierenden Betlehemkirche, bei denen, wie berichtet, Reste eines mittelalterlichen Friedhofs zu Tage gefördert wurden, läuft dort derzeit der Einbau der Erdwärmeheizung. In gut 1,20 Meter Tiefe werden im Erdreich so genannte Kapillarröhren-Matten verlegt. Das darin befindliche Wasser wird durch die Erdwärme aufgeheizt und speist eine Wärmepumpe, die ihren Strom wiederum aus einer Photovoltaikanlage bezieht. Ein Netz von Kapillarröhren unter dem Putz der Kirchenwände und dem Fußboden gibt die Wärme schließlich an den Innenraum ab. Wie fast alle Arbeiten werden auch diese weitgehend von den Firmen gesponsert. Die Berliner Clina GmbH steuert die Matten bei, die Wasserkabel GmbH, ebenfalls aus Berlin, übernimmt die Montage. In vier Wochen, schätzt Wasserkabel-Chef Eberhard Schmidt, könne man fertig sein.

Emsiges Treiben herrscht auch im Innern der Kirche, und erneut konnte Schulze "Überzeugungstäter" gewinnen. Rudolf Moisl, Stuckateurmeister im Ruhestand, ist derzeit damit beschäftigt, ein neogotisches Blendpaneel unterhalb der Kanzel anzubringen. Ein historisches Foto dient ihm als Vorlage. "Die Gotik liegt mir am Herzen", bekennt Moisl, der vor rund 15 Jahren bereits die Stuckarbeiten an der Decke des Balkonzimmers, des größten Raumes im Flatowturm, ausführte. Da der Rentner gerade Zeit hatte, engagierte ihn sein alter Arbeitegeber Schulze flugs für das fehlende Paneel der Angerkirche.

Als Clou an Sparsamkeit und Originalität erweist sich der Fußboden des Gotteshauses. Da unter den alten, von Generationen von Kirchgängern abgewetzten Ziegeln ohnehin Heizungsrohre verlegt werden mussten, drehte Schulze die 150 Jahre alten Originalsteine kurzerhand um, so dass der Fußboden nahezu wie neu aussieht. "Die Denkmalpfleger waren begeistert", schmunzelt er. Demnächst soll auch die 1,50 Meter breite und 4,20 Meter hohe Holzempore eingebaut werden, die Platz für 25 Personen bietet, sagt Schulze.

Insgesamt werde das Projekt allein in diesem Jahr von 38 Unternehmen unterstützt, etwa vom Baufahrzeugverleih Bausetra. Während der Bereich des Hintereingangs, in den eine Toilette und eine Teeküche eingebaut werden sollen, bereits finanziert ist, sucht Schulze für das repräsentative Kreuzgewölbe am Haupteingang noch einen Mäzen. 5000 Euro werden benötigt. Für die Zeit nach der Fertigstellung ist Schulze bereits in Verhandlungen mit mehreren Nutzern. So wolle das "Poetenpack" in der Kirche Aufführungen veranstalten, auch Chorkonzerte seien denkbar.

Eins allerdings wird auch bis Weihnachten nicht fertig. Schulze zeigt auf ein paar lose Kabel, die in vier Metern Höhe aus der Wand ragen. "Dort soll die Orgel hin. Aber dafür Geld zu sammeln", grinst der Baudenkmalpfleger, "überlasse ich meinen Kindern." (Potsdam)

Märkische Allgemeine vom 13. Juli 2006

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