HEUTE VOR 150 JAHREN WURDE DIE ANGERKIRCHE BABELSBERGS GEWEIHT

Florierender Sternehandel

RAINER PLAGEMANN

Alte Neuendorfer Kirche

Der Verkauf von über 300 Gewölbesternen für die Kirche auf dem Neuendorfer Anger läuft über Erwarten gut. Laut Baudenkmalpfleger Roland Schulze sind dank der MAZ-Berichterstattung schon drei große Silbersterne zu je 444 Euro verkauft; von der Größe gibt es im künftigen Kreuzgratgewölbe etwa 30. Vergeben sind zudem zwei Sterne mittlerer Größe für je 222 Euro (sie stellen gleichfalls zehn Prozent der Gesamtzahl) und 18 kleine Sterne zum Stückpreis von 111 Euro.

"Das scheint ein ideales Geschenk für Eltern, Omas, Opas, Tanten, Kollegen und Freunde zu jeder Gelegenheit zu sein", freut sich Schulze, der am 13. Februar höchstpersönlich einer 91jährige Berlinerin ihr Stern-Zertifikat überreicht, gestiftet von Angehörigen für eine "liebe Tante". Weil es noch keine Fotos vom 40 000 Euro teuren Gewölbe gibt, werden die Stern-Koordinaten zunächst in eine Entwurfszeichnung eingetragen.

Derzeit läuft der Druck von 2000 Faltblättern, auf denen auch um Sternpaten geworben wird. Das Flugblatt listet Arbeiten auf, die noch dieses Jahr erledigt werden. In Fotos der Kirche verweisen Pfeile auf Bauteile, für die man Sponsoren sucht.

Unterdessen nimmt sogar die Idee einer solaren Stromversorgung des Multifunktionsgebäudes Gestalt an. Zwei Anlieger des Angers sind bereit, die Photovoltaikanlage auf ihr Dach bauen zu lassen; einen Planer gibt es auch; nur der Lieferant und Einrichter fehlt noch. Beheizt wird die Kirche künftig mit Erdwärme.

Am heutigen 30. Januar vor genau 150 Jahren war die Kirche eingeweiht worden. Pünktlich um 10 Uhr begann Superintendent Ebert aus Potsdam damals die Zeremonie. König Friedrich Wilhelm III. kam zum Leidwesen der Neuendorfer nicht, obwohl die ersten Entwürfe der Kirche ja aus seiner Feder und aus dem Jahr 1847 stammten.

Weil die alte Fachwerkkirche von 1585 baufällig geworden war, schickten die Neuendorfer am 12. Mai 1844 eine Eingabe an den Prinzen von Preußen mit der Bitte um Erneuerung des Bauwerkes. Doch der Prinz reichte das Papier am 24. Mai an den König weiter. Eine Kommission rückte an und stellte tatsächlich die Notlage der Neuendorfer Kirchgänger denn auch fest.

Der kunstsinnige König muss das Dörfchen in der Nähe seiner Residenz für wert befunden haben, in die Gestaltung der Potsdamer Kulturlandschaft einbezogen zu werden. Der Monarch gab die Form vor, Schinkelschüler Christian Heinrich Ziller (1792-1868) lieferte die Bauzeichnungen für das Achteck.

Am 3. August 1850, dem 80. Geburtstag Friedrich Wilhelms III. und etwa zehn Jahre nach seinem Tod, erfolgte Grundsteinlegung. Zum Bau der Kirche mussten die Bewohner Neuendorfs Hand- und Spanndienste leisten. Am 21. Dezember 1852 war sie fertig.

Keine 50 Jahre wurde das Kirchlein genutzt, dann war es schon wieder zu klein. Der von der Gemeinde 1921 selbst beantragte Abriss wurde "wegen des erheblichen künstlerischen wie geschichtlichen Wertes" neun Jahre später durch den Provinzialkonservator abgelehnt. Gleich nebenan entstand also die viel größere Bethlehemkirche, die nach schweren Bombentreffern aus dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde.

Um Geld für die Rekonstruktion der Angerkirche zu sammeln, gibt es am 9. März ab 17 Uhr im Bethlehemkirchsaal in der Schulstraße 8c ein Konzert mit dem Bariton Thomas Wittig und der Pianistin Rita Nauke: Zu hören ist Schuberts Liederzyklus "Die Winterreise".

Interessenten für die Sternpatenschaft melden sich beim Förderverein Alte Neuendorfer Kirche, Neuendorfer Anger e.V.. co. Gisela Opitz über 0331/70 51 47, Schulstraße 3, 14482 Potsdam, bei der Baudenkmalpflege Roland Schulze unter 0331/296 816 oder über das Internet www.neuendorfer-kirche-potsdam.de

 

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