EIN ENGEL IM HÜHNERSTALL

Barockes Meisterwerk in Buckau entdeckt / Spendensammlung läuft

FRANK BÜRSTENBINDER

BUCKAU Ausgerechnet im Hühnerstall machte Thomas Gandow eine sensationelle Entdeckung. Unter Gerümpel fand der Pfarrer die Reste eines barocken Taufengels, der einst in der benachbarten Dorfkirche gehangen haben muss. Auf der Suche nach Brennholz machte Gandow Wochen später auf dem Hof des Buckauer Pfarrhauses, das er 1999 bezog, den nächsten Fund: die segnende Hand des verloren geglaubten Taufengels. Der Zustand des kunstvoll geschnitzten Meisterwerkes war bedauernswert.

Dem Engel fehlt die linke Hand, in der er vermutlich eine Taufschale hielt. Diese fehlt nun ebenso wie ein Unterarm und ein Bein. Tiefe Risse durchziehen das Holz vom Kopf bis zum Gewandende. "Wir haben den Engel zur Konservierung ins Konsistorium nach Magdeburg gebracht", berichtet Pfarrersfrau Ute Gandow. Sie hatte im Gemeindebrief zum Jahreswechsel die Mitglieder der Buckauer Kirchengemeinde über die schlagzeilenträchtige Entwicklung des Engelfundes entwickelt.

In ihrer Serie "Engel der Woche" hat nämlich die Mitteldeutsche Zeitung auf das Schicksal des Buckauer Engels aufmerksam gemacht. Der Bericht fiel auf fruchtbaren Boden. Jetzt kümmern sich Schüler der Magdeburger Grundschule "Pierre Trudeau" rührend um Spenden für den Engel. Allein die Konservierung soll etwa 2500 Euro kosten. Derzeit ist völlig offen, wann der Taufengel in der Buckauer Dorfkirche je wieder seinen Platz einnehmen kann. "Doch die Kinder, die sich um Spenden bemühen, würden wir gern nach Buckau einladen", sagt Pfarrersfrau Ute Gandow.

Dass der Engel im Magdeburger Konsistorium aufbewahrt wird, hat historische Gründe. Buckau gehört wie der gesamte Pfarrsprengel Ziesar zum Kirchenkreis Elbe-Fläming der Evangelischen Kirchenprovinz Sachsen, die vor allem große Teile Sachsen-Anhalts einschließt. Im Dorf selbst können sich nicht einmal die älteren Kirchgänger an einen Taufengel erinnern. Er muss also bereits vor vielen Jahrzehnten aus dem Gotteshaus geschafft worden sein.

Der spätromanische Feldsteinbau hat überhaupt einige Superlative für brandenburgische Verhältnisse zu bieten. Um 1150 errichtet, gehört die Buckauer Kirche zu den ältesten Gotteshäusern im Land. Ein noch erhaltener zweiflügliger Altar aus dem 15. Jahrhundert ist von unschätzbarem Wert. Er wird gerade restauriert (MAZ berichtete). Eine Besonderheit ist auch die Altarstufe, die eigentlich ein Grabstein ist. Mit seinen 800 Jahren soll er der der älteste Grabstein in der Mark sein. Und mit ihrer Orgel haben die Buckauer ein ebenso wertvolles Instrument. Es ist wahrscheinlich die einzige original erhaltene Carl-Böttcher-Orgel. Böttcher war ein Magdeburger Orgelbauer im 19. Jahrhundert, über den nur wenig bekannt ist. Die Orgel muss dringend gereinigt und überholt werden. Deshalb läuft derzeit eine Spendenaktion. Rund 30 000 Euro werden benötigt. Vor drei Jahren ließ die evangelische Kirche das Dach sanieren. Der Landkreis unterstützte die Arbeiten mit Geld aus seinem Denkmaltopf.

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