Verschollene Bleiglasfenster kehren zurück

Neuhardenberg (MOZ) Bis zum 225. Schinkel-Geburtstag sollen die originalen, restaurierten Bleiglasfenster wieder ihren Platz in den Emporentüren der Neuhardenberger Kirche finden. Sie galten für eine Weile als verschollen.

Von Silke Müller

 Hardenbergsches Fürstenwappen
In voller Schönheit: Beleuchtet kann man das originale Bleiglasfenster-Motiv Hardenbergsches Fürstenwappen schon jetzt in der Sakristei sehen, Uwe Rosenberg schwärmt von der filigranen Arbeit, die jedoch zahlreiche Glasbruchschäden aufweist. MOZ-FotoGroßbildansicht

Lange Zeit erinnerte nur noch ein altes Foto an lange vermisste Bleiglasscheiben, die einst die Türen der Empore seitlich der Altarrückwand der Neuhardenberger Schinkelkirche zierten. "Sie galten als verschollen", skizziert Uwe Rosenberg, der Vorsitzende des Fördervereins der Schinkelkirche, die Situation bis vor wenigen Monaten. "Anfang der 90er Jahre waren sie offenbar ausgebaut worden, um sie restaurieren zu lassen." Der damalige Pfarrer Martin von Essen hat Neuhardenberg längst verlassen. Lange Vakanzen, wechselnde Pfarrer und damit verbunden ein gewisser Informationsverlust sorgten dafür, dass letztlich niemand mehr so recht wusste, wo diese Scheiben abgeblieben sind. So dringend schien es wohl auch nicht, stand doch erst einmal die Restaurierung anderer Bereiche der Kirche an. Jetzt aber, im Jahr des 225. Geburtstag Schinkels und damit verbundener Feierlichkeiten, rückten diese Scheiben wieder in Blickfeld. "Gerade jetzt erhält ja die Neuhardenberger Kirche ja im Bereich der Empore ihre ursprüngliche Wandfarbe wieder", sagt Uwe Rosenberg. Der altrosa-violette Ton wird auch hinter den Emporentüren fortgeführt. Da war es nahliegend, wieder an jene Bleiglasfenster zu denken. Der Förderverein machte sich auf die Suche: Über das Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf kamen sie den Neuhardenberger Fenstern auf die Spur. Sie waren zur Restaurierung in der Berliner Glaserwerkstatt von Andreas Walter abgegeben worden. Dort lagen sie und warteten darauf, dass Geld für die notwendigen Arbeiten zur Verfügung stehen würde.

"Als wir sie in der Berliner Werkstatt wiederfanden, hat sich zudem ein weiteres Rätsel gelöst", sagt Uwe Rosenberg. Während in der Sakristei der Neuhardenberger Kirche das Wappen der Fürstenfamilie Carl August von Hardenbergs, das einst als Teil eines Bleiglas-Motivfensters die rechte Emporentür zierte, sehen kann, war lange unklar, welches Motiv das daneben liegende Türfenster zeigte. "Auf einem alten Foto war zwar zu erkennen, dass es sich um ein spezielles Motiv gehandelt hatte, aber erst als wir in Berlin auch dieses Fenster sahen, war das Rätsel gelöst. Auch diese Scheibe ziert eine wappenähnliche Darstellung. Sie trägt die Aufschrift: "Seine Durchlaucht der Fürst Carl August von Hardenberg liess diese Kirche im Jahre 1817 durch den Geh. Oberrath Professor Schinkel erweitern und ausbessern und stattet dieselbe mit Mitteln aus, welche auch die im Jahre 1887 erfolgte Renovierung dieses Gotteshauses ermöglicht haben."

Auch dieses Bleiglasfenster wird zurzeit restauriert und soll bis zum Schinkelgeburtstag wieder an seinem ursprünglichen Ort, in den Emporentüren der Schinkelkirche, eingebaut werden. Knapp 10 000 Euro kostet dieser weitere Schritt, die Schinkelkirche wieder in ihrer ursprünglichen Schönheit zu herzurichten. "Dass wir dieses Geld haben, verdanken wir vor allem Christa Starke, der Besucher gern eine Spende für die Kirche geben, nachdem sie sehr engagiert durch die Kirche geführt hat", lobt Uwe Rosenberg. Das Wappen-Fenster der Hardenbergs wird allerdings nur als Nachbau wieder an der Originalstelle zu sehen sein. "Das Original ist zu kaputt, zahlreiche Glasstücke sind gebrochen, so dass eine Reparatur eher das Motiv zerstören würde", sagt Uwe Rosenberg. Das Wappen in originaler Bleiglas-Ausführung wird weiterhin in der Sakristei zu sehen sein. Bleiglasfenster - aus mit Blei gefassten Glasstücken zusammengesetzt - sind seit dem Hochmittelalter in Europa üblich. Zunächst wurde diese Technik nur für die Fenster großer Kathedralen angewandt. Bleiglasfenster bilden ein wichtiges Merkmal der Gotik. Im ausgehenden Mittelalter wurden aber auch immer mehr Wohnhäuser mit Bleiglasfenstern ausgestattet. Das Verfahren eine größere Glasfläche aus kleinen Stücken zusammenzusetzen, begründet sich in der Schwierigkeit, flüssiges Glas in einer größeren Fläche so abzukühlen, dass es nicht reißt. Erst mit dem Verfahren zur Herstellung von Flachglas wurde dieses Problem gelöst. So blieb den Glasmachern des Mittelalters nur der Weg, kleine Glasscheiben zu machen und diese mittels H-förmigen Bleistegen, sogenannten Bleiruten, "zusammen zu kitten". Mittels unterschiedlich gefärbter Glasstücke war es so möglich, auch Bildfenster zu schaffen. So wurde der technologische Nachteil in eine Kunstform umgewandelt.

Märkische Oderzeitung vom 24. Februar 2006

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