TANGENDORFS KIRCHE VOR 50 JAHREN GEBAUT / SPENDEN FÜR SANIERUNG GESUCHT

Bis zu Otto Nuschke geschrieben

ULRICH FISCHER

 Tangendorf

TANGENDORF Eine ungewöhnliche Kirche steht in Tangendorf in der Gemeinde Groß Pankow: Ein grau verputzter, Bau mit kleinen Fenstern und einem kleinen Dachreiter, der statt eines Kirchturmes die Glocke beherbergt. Ungewöhnlich ist ihr Alter: Erst 1954, also vor 50 Jahren, wurde sie eingeweiht. Es ist der einzige zu DDR-Zeiten und auch danach entstandene Neubau eines Gotteshauses im Kirchenkreis. Viel Sorge, Lauferei und Schreiberei bis hin zum stellvertretenden Ministerpräsidenten Otto Nuschke habe im Jahre 1953 die Beschaffung der Steine bereitet, erinnerte sich der ehemalige Pfarrer Hans Huschke in seinem Buch "Von der Havel bis zur Stepenitz". Er schreibt: "Da kamen uns die Bauern, die in großer Zahl ihre Dörfer verließen und in den Westen gingen, zu Hilfe. Der Staat und die Partei schlugen, wenn auch nur für kurze Zeit, mildere Tonarten an (...) Wir profitierten davon und konnten von der Ziegelei in Muggerkuhl soviel Steine kaufen, wie wir zum Bau brauchten. Wir griffen auch schnell zu." Als kurz danach Dargardt und Sagast ein Gotteshaus bauen wollten, wurde ihnen das untersagt, so der einstige Pfarrer Huschke.

Nicht ganz ungewöhnlich für eine Kirche im Osten ist der Bauzustand: Das Biberschwanzdach ist nach 50 Jahren marode und an vielen Stellen undicht, Feuchtigkeit dringt ins Innere ein.

Das führte jetzt zu einer gemeinsamen Initiative des Vereins zur Förderung und Pflege des kulturellen Erbes auf dem Dorfe e. V. Tangendorf, der zum Pfarrsprengel Seddin gehörenden Kirchgemeinde und des Ortsbeirates Tangendorf-Hohenvier. Man will im Herbst die 50. Wiederkehr der Einweihung mit allen Einwohnern feierlich begehen. Ein Festgottesdienst in der Kirche und ein geselliges Beisammensein im Vereinshaus sind geplant. Doch zuvor sollen das Dach saniert und die ebenfalls in die Jahre gekommene Umzäunung erneuert werden.

Die Arbeiten selbst könnten zum Großteil in Eigenleistung erledigt werden, erklärten Inge Malzahn vom Vereinsvorstand, Pfarrer Klaus-Dieter Hanack, Ortsbürgermeister Hartmut Hanisch und sein Stellvertreter Hans-Jürgen Gaes der MAZ. Ein großzügiger Spender habe auch schon neue Dachsteine zur Verfügung gestellt. Doch für den Kauf des restlichen Materials wie Dachlatten, Nägel und Traufbleche, für die Anschaffung eines neuen Staketenzaunes und die notwendige Erneuerung von Elektrokabeln fehle es noch an rund 4000 Euro.

Denn die Kirche ist zu jung, als dass dafür Denkmalpflege-Fördermittel beantragt werden können. Und das Konto der 60 Mitglieder zählenden Kirchgemeinde Tangendorf-Hohenvier gibt so eine Ausgabe nicht her. Deshalb ruft der Verein gemeinsam mit Kirche und Ortsbeirat nicht nur zu Arbeitseinsätzen auf, so erstmals kommenden Sonnabend, sondern auch zu Spenden. Die sind - wie vor 50 Jahren beim Kirchenneubau - nicht nur von den Bewohnern aus den beiden Dörfern willkommen. Zudem werden Materialspenden angenommen, betonte Pfarrer Hanack ( - 038785/6 03 60), der für Auskünfte bereit steht.

Spendenkonto des Vereins: 81 28 03, BLZ: 160 601 22, Verwendungszweck: 50 Jahre Kirche Tangendorf.

   Zur Artikelübersicht