VIELE DER 1400 MÄRKISCHEN GOTTESHÄUSER TRAGEN SPUREN DES VERFALLS / FÖRDERKREIS KÄMPFT UM ERHALT DER GEBÄUDE

Die Kirche im Dorf lassen

LARS FRANKE

 Prenden

PRENDEN - Über die Kirche von Prenden (Barnim) hat Theodor Fontane einst notiert: "Ich habe selten einen freudloseren Platz betreten. Malerisch hatte mich die Kirche von der anderen Seite des Hügels aus begrüßt, nun erst sah ich, daß alles nicht viel andres als eine Landschaftscoulisse gewesen war. Das Innere kahl, der Kirchhof verödet..."

Harte Worte des Dichters, die Sabine Voerster, Chefin der Fördervereins Dorfkirche Prenden, so nicht stehen lassen will, hat sich das Gotteshaus inzwischen doch wieder zum architektonischen Kleinod gemausert. Von außen beeindruckt ein gewaltiger Fachwerk-Turm und im Inneren ein Renaissance-Altar. Der Verein hat in den vergagenen fünf Jahren die Kirche vor dem Verfall gerettet. Jetzt muss nur noch der Altar seine alte Pracht zurück erhalten.

Prenden hat eine von fast 1400 märkischen Kirchen und Kapellen, von denen nicht wenige Spuren des Verfalls tragen. Wie viele der historischen Gebäude akut von Einsturz bedroht sind, können weder die Denkmalschutzbehörden noch das kirchliche Bauamt genau sagen. Und auch Bernd Janowski, der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, vermag es nicht. Die Zurückhaltung hat weniger mit mangelndem Kenntnisstand als eher mit den nötigen baulichen Kriterien zu tun. Welche Kirche ist wirklich bedroht? Eine, die beim nächsten Sturm einstürzt? Oder eine, deren Wandmalereien durch ein undichtes Dach gefährdet sind? Oder ein Gotteshaus, das noch rüstig aussieht, in dessen Dachstuhl aber der Schwamm wütet?

Auf jeden Fall sind zu viele Kirchen in ihrer Substanz gefährdet, so die Einschätzung der rund 250 Mitglieder des Förderkreises. Ihnen geht es um schnelle und wirksame Hilfe für die bedrohten Baudenkmale. 2003 hatte der Förderkreis, dem unter anderem Theologen, Kunsthistoriker und Denkmalschützer angehören, sein Erfolgserlebnis im uckermärkischen Küstrinchen, einem Dorf mit knapp 50 Einwohnern. Nachdem 1970 das letzte Mal die Glocken geläutet hatten, verfiel das Gebäude.

2001 wurde ein Verein ins Leben gerufen. Die inzwischen 29 Mitglieder wandten sich an den Vorstand des Förderkreises in Berlin und bekamen Hilfe: 20 000 Euro als Anschubfinanzierung für Bauleistungen von insgesamt 120 000 Euro. Der Verein Förderkreis Alte Kirchen finanziert sich fast ausschließlich aus den Beiträgen seiner Mitglieder und aus Spenden. Bei einem Jahresbeitrag von 40 Euro sind die Kassen nur mäßig gefüllt. Deshalb sind Finanzspritzen zwischen 2500 und 5000 Euro die Regel.

In diesem Jahr soll der Kirche in Groß Fredenwalde (Uckermark) geholfen werden. Hier droht bereits der altersschwache Turm herabzustürzen. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt auch in den nächsten Jahren in der Uckermark. Von einer Bevorzugung der Region will Geschäftsführer Janowski indes nicht sprechen. Der Grund für die forcierte Hilfe sei ein erkennbares Nord-Süd-Gefälle. Die kleineren und ärmeren Dörfer des Landes befänden sich im Norden. Und was für die Uckermark gilt, trifft auch für die Prignitz zu. Hier kümmert sich der Verein um die ehemalige Wallfahrtskirche in Alt Krüssow - neben Heiligengrabe und Wilsnack einst der dritte Wallfahrtsort der Region.

Vollständige Restaurierungen kann der Förderverein allerdings nicht bezahlen. Und nach dem Wegfall des so genannten Dach-und-Fach-Programms des Bundes werden Finanzierungen noch schwieriger. Den Verkauf von Kirchen in die private Hand lehnt der Förderkreis dennoch kategorisch ab. Kirchen müssten öffentlich sein, so das Credo der ehrenamtlichen Helfer.

Berater und Helfer
Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. besteht seit 1990. Er ist ein gemeinnütziger, kirchlich unabhängiger Verein, der den Wiederaufbau und die Erhaltung von Dorfkirchen fördert. Der Verein hilft bei der Gründung lokaler Fördervereine, berät über die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung und gibt konzeptionelle sowie bautechnische Hilfestellung.
Der Förderkreis erhielt 2002 den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis und 2003 ein Diplom zum Preis der Europäischen Union für das kulturelle Erbe Europa Nostra Awards 2003.
Tel.: (030) 449 30 51 oder
www.altekirchen.de

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