Beiersdorfer Kirche soll wieder klingen

 Beiersdorfer Kirche

Beiersdorf Genau elf Jahre ist es im Januar her, dass der Förderverein gegründet wurde. Damals waren es noch etwas mehr Mitglieder als heute. Dennoch ist es beachtlich, dass immer noch jeder zehnte der insgesamt 370 Beiersdorfer den Verein unterstützt. "Das ist etwas, was zusammenschweißt, was die Leute zufrieden macht", erklärt Ortsbürgermeister Willi Huwe das Engagement seiner Leute.

In elf Jahren hat der kleine Verein einiges auf die Beine gestellt. Das Wichtigste vorab: Die Kirchenruine wurde vor dem weiteren Verfall gerettet. Nachdem in den 70er-Jahren bereits das Dach eingestürzt war, drohte das gesamte Gotteshaus zusammenzusacken.

Mit eigenen Mitteln und Händen wurde zunächst der freistehende Ostgiebel mit einer Mörtelschicht geschützt. Anschließend wurden die Fenster des Kirchenschiffes saniert. Um die angegriffenene Fensterstürze und den Verbindungsbogen zwischen Schiff und Turm hat sich allerdings eine professionelle Firma aus Beiersdorf gekümmert.

Vor zwei Jahren dann wurde der Turm der kleinen Wehrkirche "in Angriff genommen". Das Fachwerk wurde ausgemauert und der Holzbalken erneuert. Wieder bekam die Gemeinde Unterstützung, dieses Mal eine AB-Maßnahme. Außerdem wurde der Turm verankert, also standfest gemacht. Den vorher mit Fliesen ausgelegten Kirchenboden legten die Beiersdorfer mit alten Ziegeln aus.

Seit dem Sommer 2003 können nun in dem altem Gemäuer auch Kulturveranstaltungen organisiert werden. So fanden dort im vergangenen Jahr vier Konzerte statt, darunter auch ein Auftritt des Handwerkermännerchors aus Bad Freienwalde.

Auch in diesem Jahr soll den Beiersdorfern und anderen Interessierten wieder etwas geboten werden. Geplant sind drei Konzerte: Den Auftakt bilden Posaunenbläser aus Bernau, die am Freitag, dem 3. Juni spielen. Ein musikalisches Engagement, das nicht zuletzt den guten Kontakten des Beiersdorfer Fördervereins zum Niederbarnimer Kulturverein zu verdanken ist. Nur zwei Wochen später, am Sonntag, dem 12. Juni, geht es mit Harfenklängen aus verschiedenen Jahrhunderten weiter.

Das dritte Konzert läuft unter dem Arbeitstitel Tenorgesang. Mit von der Partie ist der Musiker Werner Scholl aus Potsdam, der schon zweimal in Beiersdorf aufgetreten ist.

Wer die Konzerte unter freiem Himmel besucht, tut nicht nur seinen Ohren und seiner Seele etwas Gutes, sondern auch der Kasse des Fördervereins. Denn mit dem, was nach Abzug der Gage von den Eintrittsgeldern übrig bleibt, werden weitere Projekte der Beiersdorfer bestritten.

Die Liste der Vorhaben ist lang, doch ganz oben stehen die Glocken des Gotteshauses. Eine befindet sich wahrscheinlich versprengt auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges in Form von Munition. Doch zwei der sehr alten Glocken - aus den Jahren 1428 und 1533 - ruhen im Boden unter dem Glockenstuhl. Rund 25 000 Euro sind veranschlagt, um die kostbaren Klangkörper wieder an ihren alten Platz zu hängen.

Zwei Angebote haben der Förderverein und die Evangelische Kirche als Eigentümerin des Gotteshauses schon eingeholt. "Wir freuen uns schon auf den Tag, an dem die Glocken wieder erklingen", sagt Ortschef Willi Huwe.

Auch wenn die kleine Wehrkirche in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt der Bemühungen stand, soll die Mühle nicht aus dem Blickfeld geraten. Das historische Bauwerk steht unter Denkmalschutz. Dass es bisher etwas stiefmütterlich behandelt wurde, liegt hauptsächlich an der ungeklärten Eigentumsfrage. Dennoch: "Wir werden bald wieder Gespräche mit dem Eigentümer aufnehmen", betont Willi Huwe. Der Verein will das Grundstück, auf dem die Mühle steht, erwerben.

Zu dem anfangs rein bautechnischen Engagement des Fördervereins hat sich in den elf Jahren seines Bestehens auch die Organisation des Dorffestes gesellt. Da packen alle an, die Feuerwehr, der Sportverein und die Jäger und Jagdgenossen, erzählt Huwe. "Wir sind ein richtiges Team geworden."

Das macht auch viele Probleme vergessen, sei es die eigene Arbeitslosigkeit oder den Streit um die künftigen Windräder im Ort.

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