"Dorfkirche des Monats" in Gnewikow

Bauingenieur erstellt kostenloses Gutachten über den Zustand des Gebäudes

RONNY MÜLLER

Dorfkirche Gnewikow 
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GNEWIKOW Der "Förderkreis alte Kirchen Berlin-Brandenburg" hat die Dorfkirche in Gnewikow zur "Dorfkirche des Monats" Februar ernannt. Das teilte der Förderkreis, der sich für den Erhalt von mehr als 1500 mittelalterlichen Kirchen in Brandenburg einsetzt, gestern in Berlin mit. Die Dorfkirche ist einst sogar von Theodor Fontane in einer Bleistiftskizze verewigt worden.

Anlass für die Ehrung sei ein bevorstehendes Gutachten über den baulichen Zustand der Kirche, sagte Förderkreis-Geschäftsführer Bernd Janowski auf MAZ-Anfrage: "Ein Bauingenieur erstellt für seine Abschlussarbeit im Zusatzstudium Bauwerkserhaltung eine kostenlose Schadenanalyse und ein Sanierungskonzept. Das kostet normalerweise ein paar Tausend Euro."

Im Frühjahr dieses Jahres beginnt der Bauexperte mit seiner Arbeit. Bis September soll das Gutachten fertig sein. Bernd Janowski: "Dann kann man einen Fahrplan entwickeln, was zuerst repariert werden muss."

Die Auszeichnung zur Kirche des Monats ist nicht mit Sonderveranstaltungen oder -öffnungen in Gnewikow verbunden. "Uns geht es darum, die Aufmerksamkeit zu potenzieren und die Förderer der Kirche zu unterstützen", sagt Janowski.

Dieter Seifert, der Vorsitzende des Fördervereins Dorfkirche Gnewikow, erfuhr gestern durch einen Anruf der MAZ von der Ehre für die Gnewikower Dorfkirche. Und er freute sich über die kostenlose fachmännische Unterstützung: "Das ist sehr gut für uns. Der Förderverein hat nämlich keine Mittel, um sich so ein Gutachten leisten zu können." Anhand dieser Analyse könne der Förderverein belegen, welche Reparaturen dringend gemacht werden müssen. Und dann könne man auch daran denken, Fördermittel zu beantragen.

An dem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert sind die Balkenköpfe beschädigt. "Da ist der Pilz drin", so Seifert. Möglicherweise eine Folge eines Schadens am Dach Ende der 80er-Jahre. Außerdem fängt das Mauerwerk zu reißen an. "Die Ecksteine lösen sich. Die müssen neu verfugt werden", sagt Seifert. Das Mauerwerk besteht aus unregelmäßigen Feldsteinen und Ziegelbruch.

In der Kirche macht sich die Feuchtigkeit breit. Sie sorgt dafür, dass Farbschichten von den Wänden abblättern. Darunter kommen immer mehr ornamentale Wandmalereien zum Vorschein.

Die bekommen aber nur wenige Besucher zu Gesicht. Regelmäßige Gottesdienste gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Wer sich den spätgotischen Saalbau ansehen möchte, bekommt etwa im Gut Gnewikow den Schlüssel.

Der Förderverein plane jedoch in diesem Jahr "ein bis zwei Gottesdienste", erzählt Seifert : "Und wenn die im Dorf gut angenommen werden, soll es in den kommenden Jahren noch mehr Gottesdienste geben."

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