MIT NEUHARDENBERGER KIRCHENHIMMEL WIRD SANIERUNG DES GOTTESHAUSES FINANZIERT / PFARRER MIT CD-PRODUKTION

Jeder Stern zählt

JEANETTE BEDERKE

NEUHARDENBERG - Der berühmte Sternenhimmel in der Neuhardenberger Schinkel-Kirche ist mit einer dicken Plane verdeckt. Nur wer auf die hölzerne Empore klettert, kann einen Blick auf die ovale, restaurierte Decke mit den 6262, teilweise vergoldeten Gestirnen werfen. Denn das Gotteshaus ist erneut Baustelle. "Willkommen in der Schinkel-Manege", grinst Pfarrer Wolfgang A. Fröhling, der durch den Sand des Kirchen-Fußbodens stapft.

Die Bänke und der Altar sind herausgeräumt, haben ein zeitweiliges Not-Quartier im Gemeindehaus genommen. Auch die achteckigen Boden-Fliesen fehlen. "Die sahen doch aus wie in einem FDGB-Ferienheim und waren nicht Original aus Schinkels Zeiten." Schließlich haben sich die Neuhardenberger auf die Fahnen geschrieben, das Gotteshaus wieder in den Zustand zu versetzen, wie es 1817 vom berühmten preußischen Baumeister errichtet worden war. 750 000 Euro aus Spenden und Stiftungsgeldern flossen in den vergangenen Jahren bereits in die Sanierung der Außenhülle, weitere 60 000 in die Deckendämmung und in die Schönheitskur für den Sternenhimmel. Nun ist das Kircheninnere dran.

Und dazu zählt eben, dass die alten, quadratischen Terrakotta-Fliesen wieder den Boden bedecken und die Bänke ohne einen Mittelgang angeordnet werden. "Beim Gottesdienst hatte ich immer Mühe, die Gemeinde zusammenzuhalten. Von der Kanzel aus habe ich quasi in den leeren Gang gepredigt", berichtet der Pfarrer. Ihren ursprünglichen Farbanstrich sollen die Emporen zurückerhalten. Doch zunächst muss ein zu DDR-Zeiten aufgetragenes, gesundheitsschädliches Holzschutzmittel "in der oberen Etage" entfernt werden. 16 000 Euro hat die Ostdeutsche Sparkassenstiftung dafür zur Verfügung gestellt.

Trotz der ungemütlichen Baustellen-Atmosphäre geht die himmlische Aktion der Sternenpatenschaften weiter. Mehr als 2900 Gestirne - jeweils zwei bis acht Zentimeter groß - wurden für 80 bis 1500 Euro bereits "verkauft". Nicht nur deutschlandweit, sondern auch nach Australien, Spanien, Italien, Österreich und in die Schweiz, wie Christa Starke vom Kirchen-Förderverein erzählt. Ein Firmenchef habe gleich 70 Patenschaften abgeschlossen - als Geschenk für seine Angestellten, freut sie sich. Jeder Pate erhält eine Sternenkarte mit den Koordinaten seines Gestirns, so dass er es am Kirchenhimmel auch finden kann. Erst vor wenigen Tagen kletterte Frau Starke mit einer Touristin aus den USA auf die Empore. "Die hatte eine Patenschaft von ihrer deutschen Freundin geschenkt bekommen und wollte sich nun ihren Stern am Kirchenhimmel anschauen."

Insgesamt 120 000 Euro kamen durch die ungewöhnliche Sponsoren-Suche in den letzten zwei Jahren bereits zusammen. Mit dem Erlös wurde zunächst die Deckensanierung finanziert, nun fließt das Geld in die Restaurierung des Kirchen-Inneren. Darüber hinaus verdoppelt die Hermann-Reemtsma-Stiftung jeden Spendeneuro. "Für die ist unser Schinkel-Gotteshaus eine Art Prestigeprojekt geworden", erklärt der Pfarrer. Der Erfolg der Neuhardenbergschen Sternenpatenschaft hat inzwischen Nachahmer gefunden. Auch die Kirchen im uckermärkischen Berkholz sowie in Wust bei Brandenburg/Havel werben auf diese Weise um Spenden. "Der Förderverein der Babelsberger Kirche am Neuendorfer Anger hat sogar zugegeben, die Idee von uns übernommen zu haben", erzählt Fröhling. Allerdings könnten diese Gotteshäuser jeweils nur eine Handvoll Sterne vorweisen.

Der umtriebige Pfarrer wartet jedoch nicht nur auf Spenden, sondern sammelt auf ungewöhnliche Weise selbst mit - für die Reparatur der Kirchen-Orgel, der wohl einzigen in Brandenburg, die vom Instrumentenbauer Johann Simon Buchholz stammt. "Seit Anfang der 70-er Jahre ist die mechanische Schleifladen-Orgel kaputt - ein einziger Heuler", sagt der 34-jährige Theologe, der sich seit seinen Studienzeiten singend ein Zubrot verdient. Vor allem die respektlosen, hintergründigen Werke von Otto Reuter und Georg Kreisler haben es dem gebürtigen Potsdamer angetan.

Sang er zunächst noch auf Feiern und in Altenheimen, wurde später die Berliner Kleinkunstszene seine Bühne. Heute füllt der Kirchenmann, der sich bei seinen Auftritten selbst am Klavier begleitet, ganze Konzertsäle. Eine neue Doppel-CD enthält eines seiner Otto-Reuter-Programme, das im Potsdamer Nikolaisaal aufgezeichnet wurde. "Die CD kostet 20 Euro, 18 davon fließen in die Orgel-Sanierung." Wenn 500 Exemplare verkauft seien, rechnet der singende Pfarrer weiter, habe er schon das Geld für die Erneuerung der Orgel-Pfeifen zusammen.

Kontakt für Sternenpaten unter Tel. 033476/50651.

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