Als es den Turm westwärts zog

Stück der Kirche wäre Pernitz fast auf die Straße gefallen / Erster Sanierungsteil endet jetzt

HEIKO HESSE

PERNITZ Es hätte nicht gefehlt und der Turm wäre auf die Bundesstraße gefallen. Satte 15 Zentimeter hatte sich das Gemäuer bereits westwärts geneigt. Doch konnten die Bauarbeiter dies jetzt rechtzeitig verhindern und den Turm auf eine stabile Grundlage stellen und mit dem Dach verankern. Die Pernitzer Kirche steht wieder sicher und wenn alles läuft, wie geplant, laden Pfarrer Jens Meiburg und der Golzower Gemeindekirchenrat im kommenden Sommer zu einem Fest und erstmals wieder einem Gottesdienst in das Kirchlein ein.

Noch in diesen Tagen soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein, kündigte Meiburg an. Dann erstrahlt der Turm mit Glockenstuhl in neuem Glanz und ist das Dach wieder in Ordnung. Rund 60000 Euro würden diese Arbeiten kosten. Zu 75 Prozent flossen Landesmittel aus der Förderung der ländlichen Entwicklung. 5000 Euro steuerte die Denkmalpflege des Kreises bei. Die Eigenmittel der Kirche beliefen sich auf 10000 Euro. Nun werde für die beiden Glocken, die Schuke-Orgel und die Fenster gesammelt.

Knapp 7000 Euro müssten veranschlagt werden, um die Bronzeglocken aus den Jahren 1717 und 1845 mit neuen Schlägeln zu versehen, ihnen neue Lager zu geben und ein besonderes Läutwerk zu installieren. Die alten, zu harten Schlägel hätten den Glocken geschadet, erläuterte Glockenbauer Andreas Kupsch. Die neuen Schlägel aus Stahl seien weich genug, damit es keine Schäden mehr gibt. Der Antrieb des Läutwerks sei dermaßen sensibel eingestellt, "dass das Läuten nicht mehr den Turm schädigen kann", versicherte Kupsch. Einen ähnlichen Antrieb habe er unlängst in der wiedererrichteten Dresdner Frauenkirche installiert.

Der ursprüngliche Antrieb, der die Glocken vergleichsweise ruckartig in Gang gesetzt hatte, habe am Glockenstuhl und Turm auch seine Spuren hinterlassen. "Es war erschreckend, wie stark sich der Turm beim Läuten bewegt hat", erinnert sich Jens Meiburg. Deshalb habe die Gemeinde seit 2004 auf das Läuten verzichtet. Seit dem vergangenen Jahr finden in dem Bauwerk aus dem späten 17.Jahrhundert keine Gottesdienste mehr statt.

1865 hatte das Lehmfachwerk eine zweite Haut aus roten Ziegelsteinen erhalten. Der Ostgiebel wurde 1920 erneuert. 1960 kam die Winterkirche hinein und Mitte der 1980er-Jahre erneuerte die damals noch selbstständige Kirchengemeinde Pernitz/Grüneiche das Gestühl. Der Altar und weitere Teile der Innenausstattung sind von wenigstens 1682 und stammen aus dem Vorgängerbau der Golzower Barockkirche.

   Zur Artikelübersicht