Rettung für Ruhlsdorfs Gotteshaus?

Von Bärbel Kloppstech

 Ruhlsdorf

Strausberg (js/MOZ) Es wird eine Rettung in letzter Minute: Die Ruhlsdorfer Kirche droht einzustürzen. Die Schäden sind unübersehbar: Schon löst sich der Putz von der Decke, ist der Überzug genannte Längsbalken über der Decke des Kirchenschiffs, der eigentlich das Gewicht der den Dachstuhl tragenden Balken abstützen soll, selbst zur Belastung geworden. In einer ersten Maßnahme ist die akute Einsturzgefahr mit einer Balkenkonstruktion im Inneren des Schiffes aufgefangen worden. Doch Architekt Uwe Großkopf aus Eggersdorf, einer der Protagonisten des am 20. Oktober gegründeten Fördervereins, rechnet mit einem Kostenbedarf von 120 000 Euro nur für die Sicherungsmaßnahmen. Zu viel ist in den zurückliegenden Jahrzehnten an diesem Bauwerk gesündigt worden.

Es gibt keine präzisen Angaben zur ursprünglichen Entstehung der Ruhlsdorfer Kirche. Wahrscheinlich wurde sie im 15. Jahrhundert errichtet. In der Stiftsmatrikel von Brandenburg 1459 ist sie jedenfalls erwähnt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) lag sie wüst und wurde erst 1707 auf dem mittelalterlichen Feldsteinmauerwerk in barocken Formen mit dem Anbau des Westturms wieder aufgebaut. Wer unter Barock die bevorzugte Verwendung bewegter, runder Formen versteht, wird sie an dem schlichten, verputzten Bau vergeblich suchen. Uwe Großkopf verweist auf die damals mit aufgeschobenen Balken über dem Schiff bewirkte besondere Dachform und kommt dabei auf Bausünden der 50er Jahre zu sprechen: Damals sanierte man das Mauerwerk nach den schweren Kriegsschäden statt mit den roten Backsteinen wie im 18. Jahrhundert mit gelben Abbruchziegeln und kürzte die Balken über den Schiff so ein, dass die Vorholzlänge der darin eingezapften Sparren verloren ging und das gesamte Dach seine barocke Form verlor. Die verwendeten Dachpfannen (anstelle von Biberschwänzen) hielten zudem nicht dicht. Sie müssen vermörtelt gewesen sein, nimmt er an. Von dem Mörtel ist allerdings nichts mehr zu sehen, dafür viel Himmel vom Dachstuhl aus. Die barocken Traufgesimse wurden durch die Sanierung ebenfalls verfälscht.

2003 wurde der Dachstuhl des Turms statisch gesichert. Ein Sturmschaden wurde beseitigt.

Was angesichts der offensichtlichen Armut des Gotteshauses besonders beeindruckt: Es ist nach wie vor in Betrieb - Trauerfeiern, Beerdigungen und Gottesdienste, der nächste am am Heiligen Abend. Früher wurden auch Oster- und Erntedankfeste werden in ihr gefeiert, erzählt Marlies Rieske, die gleich gegenüber der Dorfkirche wohnt. Man sitze gut in ihren Bänken. Das Gestühl ist von 1777 und der barocke Kanzelaltar ein Kleinod: Die Kanzel prangt in der Mitte über dem Altartisch.

Bei Marlies Rieske kann man etwas Gutes für die Sanierung der Kirche tun, nämlich Kerzen mit dem farbigen Motiv des Gotteshauses für vier Euro kaufen. Uwe Großkopf hat auch eine Federzeichnung aquarelliert. Wer sie in schwarz-weiß oder Farbe als Kopie oder Ansichtskarte kaufen möchte, kann damit ebenfalls etwas Gutes für die Sanierung der Ruhlsdorfer Kirche tun.

Marlies Rieske ist Mitglied in dem bislang 17 Menschen starken Förderverein. Viele Ruhlsdorfer, auch Hohensteiner - beide Kirchen gehören zum Prädikower Sprengel -, Strausberger und Eggersdorfer wie Uwe Großkopf engagieren sich dort. "Wer uns helfen möchte, kann ruhig abends bei mir klingeln", sagt Marlies Rieske. Sie wohnt geraderüber über die Straße in einem weißen Haus mit Veranda.

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