Fenster wird jetzt wieder aufgearbeitet

Wallfahrtskirche Alt Krüssow: Am Sonntag Konzert und Buchvorstellung

BERND ATZENROTH

Alt Krüssow. Sie ist weithin sichtbar, und trotzdem wissen nur die wenigsten, welch ein kirchenhistorisch interessantes und erhaltenswertes Gebäude die Kirche von Alt Krüssow (Stadt Pritzwalk) ist. Allerdings muss auch einiges dafür getan werden, um sie vor dem Verfall zu retten.

Von beidem kann sich überzeugen, wer am kommenden Sonntag, 17. Dezember, um 14 Uhr beim Konzert des Live-Sound-Orchestra in der Kirche dabei ist, zu dem die Kirchengemeinde einlädt.

Was für ein geschichtlich bedeutendes Gotteshaus Alt Krüssow hat, lässt sich nun auch in einer 48 Seiten starken Schrift nachlesen, die im Lukas Verlag erschienen ist. Verfasser sind Hartmut Kühne, der bereits Mitherausgeber des Buchs "Wunder Wallfahrt Widersacher" über die Wallfahrt nach Bad Wilsnack ist, und Dirk Schumann. Das Buch, zu dem Pfarrer Mario Friedrich, Uwe Dummer für den Förderverein Wallfahrtskirche Alt Krüssow und Bernd Janowski für den Förderkreis Alte Kirchen ein gemeinsames Vorwort verfasst haben, wird ebenfalls am Sonntag bei der Veranstaltung in der Kirche vorgestellt. Es ist für sieben Euro auch zu erwerben. Das Geld kommt der Kirchenrestaurierung zugute.

Auch für die Redaktion von "Monumente", dem sechs mal jährlich erscheinenden Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, war die Wallfahrtskirche jetzt eine Geschichte wert. In dieser geht es um die dringend notwendige Restaurierung vieler Kirchen, und Alt Krüssow ist ein gutes Beispiel unter vielen.

Aber es gibt in dieser Hinsicht eine gute Nachricht: Die angekündigte Restaurierung des schönen Giebelfensters hat begonnen. Seit Dienstag ist ein Team der Firma Glasgestaltung Altlandsberg mit dem Ausbau des Fensters beschäftigt., das dann in den kommenden Monaten in der Werkstatt zum teil erneuert und insgesamt komplett aufgearbeitet werden soll.

Kurt Stugis, Geschäftsführer der Firma, ist ein absoluter Experte auf diesem Gebiet. Schon seit DDR-Zeiten sorgt er dafür, dass Kirchenfenster in Schwerin , Brandenburg und im Doberaner Münster wieder im neuen Glanz erstrahlen.

"Der größte Feind der Fenster ist nicht der Vandalismus, sondern die Umwelt", weiß Stugis. Harmlos erscheinendes Kondenswasser, das sich an der Innenseite bildet, ist heutzutage eine leichte Säure. Es ätzt nach und nach die dünne Glasschicht über der eingelassenen Glasmalerei weg. Damit ist diese dann dem verfall preisgegeben. Seit gut 60 Jahren hat dies an machen Kirchenfenstern umso stärkere Spuren hinterlassen. So tendieret Stugis mittlerweile zu einer Doppelverglasung, um die gemalten Flächen besser und nachhaltiger schützen zu können. Das muss aber auch bezahlt werden können. In Alt Krüssow kommt daher "nur" die einfache Verdrahtung der Fenster in Frage. Zum Glück jedoch sind die vorhandenen Scheiben des Fensters noch vergleichsweise jung und gut erhalten, so dass die einfache Lösung ausreichen wird.

Günstig für die Rekonstruktion einzelner nicht mehr vorhandener Felder ist auch die regelmäßige Musterung. In anderen Fällen musste die Firma schon einmal auf Unterlagen oder sogar alte Hochzeitsbilder zurückgreifen. Das ist hier nicht nötig.

Das Bleinetz, das alle Glasteile verbindet und zusammenhält, muss komplett ersetzt werden. Wenn in Feldern einzelne Elemente fehlen, wird das gesamte Feld durchgepaust, um die genauen Formen und Maße zu haben. Später werden alle Teile wieder zusammengesetzt und in die Bleifassung geschoben. Wo Bleistege zusammenstoßen, werden sie miteinander verlötet. Damit das Ganze witterungsbeständig ist, kommt unter die Bleistege Kitt, um alles gut abzudichten. Mit dem Wiedereinbau des Giebelfensters ist im Frühjahr zu rechnen, sobald es frostfrei ist.

Märkische Allgemeine vom 14. Dezember 2006

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