"Es ist geglückt, was gemacht werden sollte"

Küstrinchener Förderverein zieht Bilanz

Von unserer Mitarbeiterin Elke Schilling

Richtfest in Küstrinchen
Richtfest in Küstrinchen

Küstrinchen. Heute gehen die Arbeiten an der Küstrinchener Dorfkirche mit dem Auslaufen der Vergabe-ABM vorerst zu Ende. Nach der Bauabnahme soll den sechs Männern, die sich in ihrer ABM-Tätigkeit sehr engagiert haben, und den anderen Beteiligten mit einem kleinen "Empfang" des Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen e. V. gedankt werden.

"Was wir in dem einen Jahr geschaffen haben, kann sich sehen lassen." Sichtlich zufrieden mit dem bisher Erreichten hatte Werner Schweinberger, Vorsitzender des Fördervereins, erst wenige Tage zuvor auf der ersten Mitgliederversammlung seit der Gründung des Vereins eine Bilanz gezogen. Was vor einem Jahr zunächst als Notsicherung diskutiert wurde, um den weiteren Verfall des Jahrhunderte alten Sakralbaus zu verhindern, weitete sich zu einer Sanierung aus. Eine Entwicklung, die dem Gotteshaus außerordentlich gut tat und nur durch vielseitige Unterstützung möglich wurde, wie der des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Anlässlich des Tages des offenen Denkmals im September vorigen Jahres hatte er Einwohner von Küstrinchen und Interessierte über ein Notsicherungsprogramm für die Kirche informiert.

Gute Zusammenarbeit

Schon im November gründeten 17 Küstrinchener und Lychener den Förderverein, der inzwischen auf 27 Mitglieder angewachsen ist. Sie kommen auch aus Berlin und den alten Bundesländern. Werner Schweinberger verwies auf die sehr gute Zusammenarbeit aller an den Arbeiten an der Kirche und ihrem Umfeld Beteiligten, sowohl hinsichtlich finanzieller wie auch materieller Art. So habe das Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung zwar zunächst Fördermittel im Höhe von 20 000 Euro abgelehnt, nach einer Ortsbegehung dann aber bewilligt. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg stellte insgesamt 15 500 Euro bereit. 4000 Euro kamen von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Auch von Privatpersonen floss so mancher Euro, wie von Familie von Stockhausen. Sie spendete 2500 Euro. Genau 852,84 Euro steckten Besucher in das originelle Spendengefäß direkt an der Baustelle - eine Miniaturausgabe der Dorfkirche. Ein nicht unwesentlicher Nebeneffekt: Das Beschäftigen mit dem Gebäude, die gemeinsamen Arbeitseinsätze und gesellige Treffen wie das Osterfeuer ließen auch die Dorfgemeinschaft näher zusammenrücken.

Anträge gestellt

Nachdem vom Arbeitsamt sechs Vergabe-ABM bewilligt worden und die Ausschreibung zugunsten der Denkmalpflege GmbH aus Prenzlau, einer in Sanierungsmaßnahmen solchen Ausmaßes erfahrenen Firma, gelaufen war, konnte die Instandsetzung und Renovierung am 1. Juli diesen Jahres beginnen. Das Diakonische Werk Angermünde hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, alle "Geschäfte" im Zusammenhang mit der Abrechnung der Vergabe-ABM zu übernehmen. "Wir als Förderverein wären damit überfordert gewesen", zeigte sich Werner Schweinberger erleichtert. Architekt Stephan Broniecki, der das Baugeschehen betreut, schätzte ein, dass "alles, was gemacht werden sollte, geglückt ist". So wurde der Dachstuhl gesichert, ist das Kirchendach dicht, der Turmanschluss und die tragende Konstruktion unter dem Turm wieder in Ordnung. Alles in bester Handwerkerqualität. In der Folgezeit käme es vor allem darauf an, den Turm zu sanieren, das Gesims zu mauern, das Außenmauerwerk sowie den Innenraum in Angriff zu nehmen. Dafür seien für 2003 wieder Fördermittel beantragt worden. Viel Hoffnung, dass diese so reichlich fließen wie in diesem Jahr, dürfe man sich allerdings nicht machen, dämpfte er den Optimsmus der Vereinsmitglieder etwas. Das sah auch Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen so. Er verwies auf das künftige Nutzungskonzept der Kirche, das sich an dem anderer, zu neuem Leben erweckter Kirchen orientiert. Fest steht bereits, dass am Ostersonntag, am 20. April 2003, nach 30 Jahren wieder ein Gottesdienst stattfinden wird, initiiert von Pfarrer Gerhard Stechbart aus Lychen. Man könne sich auch gut vorstellen, dass in der Kirche Ausstellungen stattfänden, ein bis zweimal pro Jahr Konzerte gegeben würden, hieß es. Auf alle Fälle werde die Kirche im Sommer für Besucher ständig geöffnet sein.

An weiteren Ideen mangelt es nicht. Eine ständige Ausstellung könne historisches Foto- und Textmaterial zeigen. So habe man bei Recherchen u. a. Baurechnungen aus dem Jahre 1730 gefunden. Und natürlich werden auch die Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten in Wort und Bild dokumentiert. Vorstandsmitglied Ingrid Gomoll hat gewissenhaft "Tagebuch" geführt. Die Lehrerin regte darüber hinaus an, mit Schülern ein Projekt zur Dokumentation des alten Kirchhofes zu gestalten.

Vereinsmitglied Eckhard Kühn informierte darüber, dass das Bundespräsidialamt die Initiative des Fördervereins erfreut registriert und eine Einladung des Fördervereins an Bundespräsident Johannes Rau zum Besuch Küstrinchens gern angenommen habe. Küstrinchen stehe auf der Liste seiner Besuchsziele. Allerdings müsse vorerst ein konkreter Termin offen bleiben, wurde mitgeteilt, da der Bundespräsident sehr vielen Verpflichtungen nachkommen müsse.

 

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