Dorfkirche droht der Verfall

Von KAI-UWE KRAKAU

Hans-Jürgen Albrecht will mit seinem Förderverein die rund 750 Jahre alte Dorfkirche sanieren 
Altes Bauwerk: Der Hirschfelder Hans-Jürgen Albrecht will mit seinem Förderverein die rund 750 Jahre alte Dorfkirche sanieren und erhalten.
Foto: GMD/Sergej Scheibe.

Hirschfelde (MOZ) Das Mittelschiff der rund 750 Jahre alten Dorfkirche in Hirschfelde soll ein Dach erhalten. Doch die Finanzierung steht auf wackligen Füßen - auch von der Kommune ist im kommenden Jahr kaum Geld zu erwarten.

"Warum ist die Kirche ohne Dach", fragte der Stadtverordnete Mathias Wiegand in der Sitzung des Kulturausschusses, als die Informationsvorlage zum Antrag auf Gewährung von Fördermitteln behandelt wurde. Hans-Jürgen Albrecht vom Förderverein konnte antworten: "Nach dem Krieg wurde das Material für die Handwerker gebraucht", berichtete der Hirschfelder. Als die Bauern das Gotteshaus um 1947/48 wiederaufbauen wollten, gab es keine Genehmigung. "Das ist irgendwo so entschieden worden", so Albrecht.

Bis in die siebziger Jahre hinein ist das Gebäude dann immer mehr verfallen, die Mauern zerbröckelten. Die Fundamente waren zwar noch tragfähig, aber instabil. Vor vier Jahren, nach der Vereinsgründung, begannen dann engagierte Hirschfelder, aber auch Menschen aus den anderen Ortsteilen, mit den Erhaltungsarbeiten.

Rund 3500 Stunden sind bisher geleistet worden, wie Albrecht nicht ohne Stolz sagte. Etwas Geld gab es von verschiedenen Institutionen, die Stadt Werneuchen finanzierte die Arbeiten am Mauerwerk. Doch nun muss es eigentlich weitergehen. Rund 40 000 Euro werden benötigt, einen großen Teil davon hätte der Förderverein gerne von der Kommune, so die Bitte Albrechts im Bildungsausschuss. Der Antrag für die Genehmigung der Arbeiten am Mittelschiff ist nach seinen Angaben bereits eingereicht. "Dort wollen wir zunächst das Dach bauen", erläuterte Albrecht. Danach soll der hintere Bereich der Kirche in Angriff genommen werden. "Das Gebäude soll wieder zum Dorfmittelpunkt werden", so der Vorsitzende des Fördervereins.

Hans-Joachim Spiegel, sachkundiger Bürger im Ausschuss und selbst Mitglied im Verein, unterstützte das Vorhaben ausdrücklich. "Wir sollten prüfen, ob wir da unseren Beitrag leisten können", meinte der Lehrer an der Europaschule.

Auch Horst Aßmann, Vorsitzender des Bauausschusses, zeigte sich durchaus gesprächsbereit. "Es ist gut, dass das Gebäude erhalten werden soll", sagte der Stadtverordnete. Es sei Aufgabe von Verein und den politischen Gremien in der Stadt Werneuchen, sich zu diesem Vorhaben zu positionieren. Dabei dränge auch die Zeit. "Wenn in zwei Jahren nichts gemacht worden ist, waren alle bisherigen Mühen umsonst", ist Aßmann überzeugt. Allerdings, so schränkte der Ausschussvorsitzende ein, seien die benötigten 40 000 Euro angesichts der finanziellen Situation der Kommune illusorisch. "Es geht nur, wenn bei anderen Projekten gekürzt wird", sagte der Stadtverordnete. Deshalb sei eine Diskussion in den Ortsbeiräten angebracht und notwendig.

Bürgermeister Burkhard Horn (Linkspartei.PDS) schlug schließlich vor, das Projekt auf die Maßnahmeliste mit "zeitlich später Priorität" zu setzen. Die Sanierung von Dorfkirchen sei zwar keine vordringliche Aufgabe der Kommune, man sei aber bereit, eine finanzielle Unterstützung zu leisten. Außerdem, so der Rathauschef weiter, sollte geprüft werden, ob eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) möglich ist. Diese hätte einen anderen Status als etwa eine MAE-Maßnahme mit so genannten Ein-Euro-Jobbern. Entsprechende Gespräche könnten diesbezülich auch mit dem Regionalpark Barnimer Feldmark geführt werden, der bereits über entsprechende Erfahrungen verfügt. Horn ließ jedoch durchblicken, dass es bei den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen allgemein schlecht aussieht. Für das kommende Jahr sei nichts vorgesehen. "Die Arbeiten an der Dorfkirche sollten in der Maßnahmeliste bleiben, die wir in der Dezember-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung beschließen", so der Bürgermeister.

"Es geht nicht nur um den Erhalt eines Gebäudes, sondern auch um einen Treffpunkt der Hirschfelder", setzte sich schließlich auch Mathias Wiegand für die Kirche ein. Dort könnten beispielsweise Ausstellungen, Lesungen und Einwohnerversammlungen stattfinden. Man habe darüber hinaus aber auch eine moralische Verpflichtung, die Kirche wiederaufzubauen. Auch der Willmersdorfer warnte davor, zuviel Zeit verstreichen zu lassen. "Wenn wir weiter abwarten, könnte es zu spät sein".

Den vielen zustimmenden Worten im Bildungsausschuss folgten jedoch keine Taten. In der abschließenden Sitzung der Finanzfachleute zum Haushalt 2007 spielte die Dorfkirche Hirschfelde schon keine Rolle mehr. "Die finanzielle Unterstützung wird also nicht über das hinausgehen, was wir über Zuschüsse an die Vereine der Stadt geben", sagte gestern Bürgermeister Horn. Im Förderverein wird man sich nun überlegen müssen, wie es weitergeht.

Märkische Oderzeitung vom 08. Dezember 2006

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