Politischer Aufwind für Gedenkstätte
Diskussionsforum über Rosower Kirche

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Bruck

Rosow. Ein hervorragendes Nutzungskonzept bescheinigt Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg dem Förderverein der Rosower Kirche, der im altehrwürdigen Gemäuer eine Stätte der Erinnerung und des Gedenkens an die Vertreibung von Millionen Menschen in Folge des zweiten Weltkrieges errichten will. "Alte Kirchen haben auf Grund ihrer historischen Bedeutung ohnehin das Recht auf Sanierung und Rettung. Wenn aber für eine solche Kirche noch ein gutes Nutzungskonzept vorhanden ist, rechtfertigt das Anstrengungen zu ihrer Rettung in einem noch weitaus höheren Maß", erklärt Janowski am Sonntagabend auf einem Diskussionsforum in Rosow.

Auf der Veranstaltung, an der der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel im Rahmen seiner schon traditionellen Sommerradtour und der CDU-Landtagsabgeordnete Alard von Arnim teilnahmen, erläuterte der Rosower Bürgermeister Karl Lau das vor einem halben Jahr initiierte Projekt. Die Umwandlung der Kirche in eine Gedenkstätte würde dem Gebäude nicht nur eine neue Funktion geben, es würde auch ein bislang weißer Fleck in der Geschichtsaufarbeitung verschwinden: Die Vertreibung von Millionen Deutschen zu Ende des zweiten Weltkrieges galt lange als Tabu-Thema.

Wertvolle Ergänzung

Meckel, der Anfang des Jahres mit seinem Vorschlag, in Breslau ein europäisches Gedächtnis-Zentrum zu diesem Thema zu gründen, eine internationale Diskussion ausgelöst hatte, würdigte diese Idee als wertvolle und sinnvolle regionale Ergänzung einer möglichen europäischen Gedenkstätte. Auch der Gedanke, eine Kirche als einen solchen Ort zu wählen, sei gut. "Schließlich hat der Inhalt einer Gedenkstätte viel mit christlichem Auftrag zu tun: Es geht um Erinnerung und um Versöhnung", sagte Meckel.

Demgegenüber berichtete Lau, dass einige potentielle Fördermittelgeber bei dem Gedanken, eine Kirche für einen solchen Zweck zu sanieren, zurückgeschreckt seien. "Es hieß, eine Kirche könne man unmöglich fördern, deren Sanierung sei schließlich Sache der Kirche", berichtete Lau. "Hier besteht noch einiger Klärungsbedarf, um wirklich Fördermittel erlangen zu können", räumte er ein.

Meckel und von Arnim, der künftig im Vorstand der Pomerania als einem der wichtigsten Fördermittelgeber der Region sitzen wird, sicherten dem Projekt ihre Unterstützung zu. "Ich werde mich darum kümmern, dass es durch einen Historiker begleitet wird", sicherte Meckel zu.

Der Förderverein will indes nicht warten, bis die Förderinstitutionen ihre Entscheidungen gefällt haben und die Kirche bereits jetzt als Ort der Erinnerung nutzen. Beispielsweise ist hier zur Zeit eine Ausstellung aus dem polnischen Stargard zu sehen, die sich auf die Spuren der Geschichte dieses ehemals deutschen Orts begibt. Und der Kontakt zu einer weiteren ausstellung ergab sich am Sonntagabend zufällig. Martin Luckow vom Heimatbund Klaushagen, der seinen Freund Bernd Janowski eher zufällig nach Rosow begleitet hatte, entdeckte Parallelen zu einer Ausstellung, die der Heimatbund Klaushagen bereits in mehreren Orten gezeigt hat. "Wir haben unter dem Titel "Das kann sich doch keiner vorstellen" bereits eine Exposition zum Thema Vertreibung angefertigt", berichtet er. "Diese würde hervorragend nach Rosow passen."

 

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