Golmer Kirche streckt sich zum Himmel

Gemeinde sucht Sponsoren für Turmspitze / 10000 Euro fehlen / Gestern Sanierungsstart

PEER STRAUBE

GOLM Lächelnd steht der Urururenkel des Förderers vor der Kirche in Golm. Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern, ist an diesem ausnahmsweise strahlend blauen Dienstagmorgen im August gekommen, um dem offiziellen Startschuss für die Sanierung des Gotteshauses beizuwohnen.

Unter dem Patronat des damaligen Kronprinzen und späteren 99-Tage-Kaisers Friedrich III. war es zwischen 1883 und 1886 anlässlich der Silberhochzeit mit seiner Gattin Victoria im neogotischen Stil errichtet worden. Im Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen und zu DDR-Zeiten nur notdürftig ausgebessert, erhält das Gotteshaus nun erstmals seit der Erbauung eine grundlegende Sanierung.

"Die Kirche soll wieder ein Zeichen der Ortsmitte werden", sagt Pfarrerin Hanna Löhmannsröben, in der Menschen "aus aller Herren Länder" eine Heimat finden könnten. In fünf Bauabschnitte ist das Vorhaben unterteilt, mit dem ersten und wohl schwierigsten soll jetzt begonnen werden. Noch immer fehlen rund 10000 Euro für den verloren gegangenen Dachreiter, die imposante Kirchturmspitze, die 1971 wegen der starken Kriegsschäden abgetragen werden musste. Die Spendenaktion in der Kirche laufe noch, erklärt Barbara Buller, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Kommt das Geld bis September zusammen, können Dach und Dachreiter noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Falls nicht, muss das Gerüst später noch einmal aufgebaut werden, was erhebliche Mehrkosten mit sich bringen würde.

Wegen der "begrenzten Mittel" der Familie werde man leider keinen finanziellen Beitrag leisten können, bedauert Georg Friedrich, der aber "Lobbyarbeit" leisten will, etwa über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, in der der Prinz mitarbeitet. So werde er versuchen, seine Kontakte zu nutzen, um potenzielle Mäzene für eine Spende zu gewinnen. Diese Kirche liege ihm besonders am Herzen, da sich dort das bürgerliche Engagement seiner Vorfahren zeige, betont Georg Friedrich.

Nach Fertigstellung der ersten beiden Bauabschnitte wird die Kirche wieder weithin sichtbar sein. Mit dem Dachreiter misst der Turm, seit mehr als drei Jahrzehnten auf 26 Meter gestutzt, rund 40 Meter. Sukzessive sollen die Arbeiten in den kommenden Jahren am Dach, am Turmschaft und am Außenmauerwerk folgen, je nachdem, wie schnell die Gemeinde die Eigenmittel aufbringen kann. Insgesamt kostet die Renovierung rund eine dreiviertel Million Euro. Der erste Bauabschnitt braucht allein 175000 Euro. Das Land, die Landeskirche, der Kirchenkreis und der Ortsteil Golm steuern 108000 davon als Fördermittel bei.

Im kommenden Jahr will die "neue" Golmer Kirche ihr 120-jähriges Bestehen feiern. Langfristig peilt man auch die Sanierung der alten Kirche an, die auf dem benachbarten Friedhof steht und heute als Begräbniskapelle dient. Im 13. Jahrhundert erbaut, ist diese nicht nur die älteste Kirche der Stadt, sondern das älteste Gebäude Potsdams überhaupt, das noch genutzt wird.

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