ABSCHIED VON DER ALTEN KIRCHE

Riebener Gotteshaus bald auch Gemeindezentrum / Novum in der Region

MATTHIAS ANKE

RIEBEN Der letzte musikalische Gottesdienst in der Riebener Dorfkirche konnte gestern als ein Abschied von ihr gelten. Denn sobald am Ende dieses Monats mit dem ersten Abschnitt für den Ausbau begonnen wird, soll kaum noch etwas an ihren alten Zustand erinnern.

Die Kirche ist schon jetzt kaum mehr wieder zu erkennen. Denn nachdem Ende 2001 feststand, dass der Schwamm das Gebäude angegriffen hatte, begannen die Riebener in engagierter Arbeit ihr Gotteshaus nahezu voll zu entkernen - und haben es damit gerettet.

Der Putz wurde abgeklopft, der Sockel freigelegt, um das Gemäuer atmen zu lassen. Damit wurde dem Schimmel die klimatische Grundlage genommen. Gelegt wurde sie, als man Ende der siebziger Jahre den Sockel mit Beton verputzt hatte. Die ebenso vom Pilz befallene Bestuhlung wird jedoch verbrannt werden müssen. Das Inventar samt Altar und Kanzel hingegen bleibt erhalten.

Vorgesehen ist nun eine gemeinsame Nutzung des Gotteshauses durch Kirche und Kommune. "Das ist ein Novum in der Region", sagt Pfarrerin Beate Lemke. Ein Begegnungszentrum für die Menschen müsse im 21. Jahrhundert anders aussehen als vor 200 Jahren. Die Arbeitsgruppe aus Gemeindekirchenrat und Ortsbeirat fasst derzeit ins Auge, durch eine Glaswand den Altarraum entstehen zu lassen, die Empore auszubauen, um auch dort weitere Räume zu schaffen als ein Gemeindezentrum für das ganze Dorf. Die Orgel müsste dazu versetzt werden. Auch sie wartet auf ihre Generalüberholung.

Die geplante gemeinsame Nutzung der Kirche hat auch einen finanziellen Hintergrund: Kirchliche sowie staatliche Fördermittel lassen sich abrufen. Ohne dieses Geld wäre eine Sanierung für den kleinen Beelitzer Ortsteil nicht zu schultern.

Bereits vor zwei Jahren sollten Mittel fließen. Doch man wartete vergeblich. So mehrten sich aber die Kosten dämpfenden, vorbereitenden Arbeiten der Riebener. Für dieses Jahr endlich wurde Geld bewilligt, wie Ortsteilbürgermeister Armin Hilgers angibt. Das reiche für den ersten Bauabschnitt, bei dem das Dach erneuert werden soll einschließlich Dachstuhl und Turm.

Das Erdreich unterm Kirchenfußboden wird ausgetauscht und die alten Steine werden wieder verlegt. Auf rund 90 000 Euro beläuft sich der Aufwand für diese Arbeiten. Danach ist man aber noch längst nicht am Ende - bedenkt man die geschätzten Gesamtkosten von 700 000 Euro, die das planende Ingenieurbüro Götz & Ilsemann ermittelt hat.

Drei weitere Bauabschnitte folgen. Dass auch dafür Mittel bereitgestellt werden, davon kann laut Hilgers ausgegangen werden: "Wer einmal so viel Geld in die Aufgabe gesteckt hat, wird sie auch zu Ende bringen." Derzeit ist die Gemeinde noch mit Ausschreibungen beschäftigt. Sie muss sich beeilen, wenn noch vor den ersten Herbststürmen das neue Dach fertig sein soll.

Für das diesjährige Weihnachtsfest haben die Riebener einen dringlichen Wunsch: Hatte es sich die Gemeinde für ihre alljährliche Weihnachtsfeier am Vorabend des 1. Advents bisher provisorisch in der entkernten Kirche gemütlich machen können - einmal musste die Feier sogar ausfallen -, soll jetzt endlich richtige Weihnachtsstimmung möglich sein. Die Kirche wollen die Einwohner nach dem vorläufigen Abschied und der anschließenden Schönheitskur zum Advent wieder nutzen.

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