Trockenes Oberstübchen

Erster Sanierungsabschnitt der Pernitzer Kirche in Golzow komplett / Nach Dach und Turm sollen Fenster folgen

NADINE FABIAN

GOLZOW Die bejahrte Lady verheimlicht ihr Alter. Verstecken kann sie es nicht. Sie ist verlebt, hat Risse in den Fenstern und den Holzbock im Gebälk. Doch weil alles seine Ordnung haben muss, hat die Gemeinde ein Geburtsdatum festgeschrieben: 1699. "Und sicher ist, dass es einen Vorgängerbau gegeben hat", sagt Pfarrer Jens Meiburg. Er betreut die Pernitzer Kirche.

Das Gotteshaus an der Bundesstraße 102 ist ein unscheinbarer Schatz. Der bescheidene Bau zeugt vom einst eigenständigen, inzwischen Golzow angeschlossenen Dorf Pernitz. Nach Jahren des Hoffens und Bangens rückten nun die ersten Bauarbeiter an. Im September letzten Jahres sagte das Land Brandenburg zu, 75 Prozent der mit 60 000 Euro bezifferten Kosten für die Sanierung von Turm, Ständerwerk, Dach und Dachbalken zu übernehmen. "Die Erleichterung war groß", so Meiburg. In der Gemeinde habe man sogar überlegt, das Projekt allein zu stemmen. Spenden wurden gesammelt: 14 000 Euro. Sie fließen in andere Rekonstruktionsmaßnahmen.

Der Schwamm hat das Gemäuer verschont, doch Wind und Wetter setzten dem Turm arg zu. Weil die Schallluken offen standen, kroch die Feuchte in alle Winkel. Die Sanierung lief problemlos. Turm und Dach sind nun taufrisch und wetterfest. Geschädigte Bauteile wurden ausgebessert oder ersetzt. Einige ausgediente Biber hat der Pfarrer aufgehoben: "Drei der neuen wiegen weniger als ein alter."

Zwei Jahre lang war die Kirche verwaist. Sie wird künftig für Wochenschlussandachten und Beerdigungen genutzt. Auch Täuflinge sollen hier einmal ihren Segen empfangen. Während der Bauarbeiten hat Pfarrer Meiburg den im Lagerbuch aufgelisteten, aber verschollenen mittelalterlichen Taufstein gefunden. Der Dippmannsdorfer Künstler Carsten Tarrach hat Entwürfe für einen Sockel vorgelegt.

Ende Juli wurde der erste Gottesdienst in der Pernitzer Kirche gefeiert. Auch die Glocken erklingen wieder. Beide retteten Glück und Genügsamkeit: Im Zweiten Weltkrieg mussten Kirchen mit drei und mehr Exemplaren Glocken zum Einschmelzen abgeben. Kirchen wie die Pernitzer, die nur zwei Glocken besaßen, blieben von der Rüstungsindustrie unbehelligt. Nun werden die 1717 und 1845 in Berlin gegossenen reich verzierten Bronzeriesinnen schonender denn je geläutet: Dazu sind weder Strick noch Elektromotor nötig - der Antrieb funktioniert berührungsfrei über Magnetfeld.

Kuriert ist die Pernitzer Kirche lang noch nicht. Als Nächstes sollen die bleiverglasten Fenster restauriert werden. Auch die Schukeorgel bedarf einer Reparatur. Zudem soll der aus DDR-Zeiten stammende Schulungsraum verschwinden. "Wir sind sehr glücklich, dass wir die Kirche retten konnten", sagt Jens Meiburg. 2007 möchte die Gemeinde in der 100 Menschen fassenden Kirche Konzerte veranstalten. Dann mischt sich das Gotteshaus auch unter die "Offenen Kirchen". Besichtigen kann man die Pernitzer Kirche schon jetzt. Interessierte klingeln bei Familie Müller, Brandenburger Straße 34, oder melden sich unter (03 38 35) 4 07 86 an.

Märkische Allgemeine vom 05. August 2006

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