Blitzschlag bei der Predigt

Landesweit einzigartige achteckige Kirche in Golzow (Potsdam-Mittelmark) wird 250 Jahre alt

Von Lothar Rölleke

Dorfkirche Golzow
Pfarrer Jens Meiburg in dem architektonischen Kleinod. Über dem Portal das Wappen derer von Rochow
Foto: Gurlt

Golzow - Am Pfingstsonntag anno 1733, als der Pfarrer in seiner Festpredigt salbungsvoll von der Herabsendung des Heiligen Geistes auf die Erde berichtete, fuhr in Golzow bei Brandenburg/Havel plötzlich ein gewaltiger Blitz durchs Kirchendach und tötete vier Menschen, darunter den Dorfschuster und einen Gärtner. Bei dem Gewitter wurde der Feldsteinbau fast völlig zerstört, und für den Wiederaufbau fehlte lange das Geld. Erst 1752, vor genau 250 Jahren, konnte die neue Kirche geweiht werden: Ein achteckiger Bau (Oktogon), nach dem Vorbild der Berliner Dreifaltigkeitskirche entstanden und landesweit einmalig. Vergleichbare Kirchen gibt es noch bei Neubrandenburg und im Erzgebirge.

«Das Jubiläum wird natürlich gebührend gefeiert», sagt Pfarrer Jens Meiburg (35), der im nahen Dorf Borne aufgewachsen ist. «Wir erwarten dazu viele Besucher.» Ihnen wollen die Golzower auch erzählen, wem diese architektonische Rarität zu verdanken ist. Dazu heißt es in der Urkunde zur Grundsteinlegung am 27. April 1750: Der Gutsherr und «sehr berühmte und in Militärsachen sehr erfahrene Herr General Friedrich Wilhelm von Rochow» habe die Kirche gestiftet, «mit freudiger Zustimmung seiner Gemahlin Henriette Sophie aus dem hochberühmten Hause derer von Katte.»

Das nötige Geld, etwa 880 Taler, brachte eine Kollekte, die Preußenkönig Friedrich II. auf Bitten derer von Rochow angewiesen hatte; weitere 325 Taler ließ der General in Schlesien eintreiben. Von dem Geld wurden unter anderem 130 000 Mauersteine, 190 Tonnen Kalk und 860 Fuhren Sand gekauft. Der König hatte zuvor das nötige Bauholz spendiert. Allerdings gerieten die Transporte ins Stocken: Nach einer Missernte und anhaltender Dürre fehlte das Futter, so dass die Zugpferde zu schwach waren oder sogar verhungerten.

Heute zieren die Porträts des Preußengenerals und seiner Gattin sowie das Familienwappen die Wand über dem einstigen Patronatsgestühl. Altar, Kanzel und die kleine Orgel befinden sich übereinander. Von 1995 bis 98 wurde die evangelische Kirche letztmals saniert; die Orgel, viele Jahre stumm, ertönt wieder seit 1998. Die 400 Plätze auf den grauen Bänken ringsum sind meist gut besetzt: Von 1500 Einwohnern sind immerhin 750 Gemeindeglieder. Auch PDS-Bürgermeister Reinhard Mahlow.

Info: Die Dorfkirche Golzow kann nach Voranmeldung besichtigt werden, Tel.: 03 38 35/6 06 10. Veranstaltungen zum Jubiläum: 18.8., 16 Uhr: Gospelgottesdienst mit «Wings of joy» aus Berlin; 1.9., 10 Uhr: Kinder- und Familienfest; 27.11., 19.30 Uhr: Vortrag zur Geschichte derer von Rochow; 8.12., 14 Uhr: Festgottesdienst mit Landesbischof Wolfgang Huber.