SANIERUNGSKONZEPT FÜR ALT KRÜSSOWER KIRCHE IN AUFTRAG GEGEBEN

Viel zu tun, sie packen's an

DIRK KLAUKE

 ALT KRÜSSOWER KIRCHE

ALT KRÜSSOW Alte Wandmalereien zieren den Innenraum der Kirche in Alt Krüssow (Stadt Pritzwalk). Die Sonne strahlt durchs große bunte Bleiglasfenster und taucht den Raum in angenehme Farben. An einigen Stellen allerdings lässt es den hellen Schein "ungefiltert" durch. Tauben haben die großen Löcher im bunten Glas auch längst als Ein- und Ausflugschneise entdeckt. Fußboden und Bänke sind mit ihren Exkrementen übersät. "Das Wichtigste ist, dass wir die Kirche erstmal dicht bekommen", sagt Axel Seemann. Der Chef des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) in Dahlwitz-Hoppegarten (Kreis Märkisch-Oderland) ist mit einem Sanierungskonzept fürs Gotteshaus beauftragt worden. Dazu traf er sich jüngst vor Ort mit dem Vorsitzenden des Fördervereins "Wallfahrtskirche Alt Krüssow", Uwe Dummer.

Mit dendrologischen Untersuchungen wird das Alter bestimmt werden. Dachkonstruktion, Turm, Außenmauern - alles muss auf den Prüfstand. Risse an Fensterbögen zeigen einen "Gewölbeschub" an, was bedeutet, dass sich die Mauern nach außen neigen. Als nämlich die Gewölbe nachträglich im Gebäude integriert worden waren, hatten Bauleute jeden zweiten Dachbalken entfernt. Das rächt sich nun bitter.

Die Dachkonstruktion aus Eichenholz insgesamt könnte laut Axel Seemann in einem relativ guten Zustand sein. Einige Schwellen seien aber sicher verfault. Nach umfangreichen Untersuchungen wird das Ingenieurbüro, das auch in der Beveringener Kirche tätig war, eine Schadensanalyse erstellen. Dann folgt das Sanierungskonzept mit Bauzeichnungen und Aufteilung der Arbeiten in einzelne Bauabschnitte.

Vordringlichste Aufgabe wird sein, der Feuchtigkeit im Innern Einhalt zu gebieten. Mit quer auf den inneren Fenstersimsen verlegten Dachrinnen hatte man versucht, das Schlimmste zu verhindern.

Es könnten auch einige Überraschungen zu Tage treten. Zum Beispiel in einem Nebenraum, von dem keiner so recht weiß, welche Funktion er hatte, geschweige denn "was in ihm steckt". Das Gotteshaus galt einst als Pilgerstätte, in dem die Großmutter von Jesus Christus, die heilige Anna, verehrt worden war.

Zu Christi Himmelfahrt am 20. Mai möchte laut Uwe Dummer die Pritzwalker Kirchengemeinde hier einen Gottesdienst feiern. "Bis dahin muss zumindest alles sauber sein." Axel Seemann sieht dies als wichtiges "Signal", dass hier etwas passiert.

Am heutigen Sonnabend schauen sich die Mitglieder vom Prignitzer Geschichtsverein und von der Arbeitsgemeinschaft für Kirchengeschichte der Prignitz auch im Alt Krüssower Gotteshaus um.

Hartmut Kühne wird am 30. April um 18.30 Uhr im Gemeinderaum einen Vortrag halten. Thema: "Von Jerusalem nach Alt Krüssow - eine Wallfahrtskirche für die Großmutter Jesu in der Prignitz".

Bis die zahlreichen erkennbaren Wandmalereien vervollständigt werden können, wird noch viel Zeit vergehen und beträchtliches Geld aufgetrieben werden müssen. Die Mitglieder des Alt Krüssower Fördervereins hoffen weiterhin auf Spenden.

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