20.04. MIT FESTGOTTESDIENST WIRD HEUTE DER RETTUNG DER LÜNOWER KIRCHE GEDACHT

Von der Ruine zum Juwel

SUSANNE WÖLFLE-FISCHER

LÜNOW Wenn Superintendent Eberhard Schalinski heute Abend um 18 Uhr bei einem Festgottesdienst die Fertigstellung des Innenraums der Lünower Dorfkirche würdigt, erinnert nichts mehr an ein baufälliges Gotteshaus, das noch Anfang der neunziger Jahre als hoffnungslos verloren galt.

Nach Turm, Dach und Fenster ist jetzt der vierte Bauabschnitt zur Wiederherstellung der Kirche beendet. Im Innern des Kirchenschiffs haben die Wände einen neuen Putz erhalten. Reste spätgotischer Malerei, die zufällig bei Restaurationsarbeiten entdeckt wurden, blieben der Nachwelt erhalten. Ausgebessert wurde auch die prachtvolle Kassettendecke aus dem 19. Jahrhundert. "Hell und freundlich ist alles geworden", lobt Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst die Wandlung der Kirche von einer Baustelle zu einem kleinen Juwel am Beetzsee. Sie kann sich noch gut an den Taubendreck, die Löcher in der Decke und den maroden Kirchturm erinnern. Es ist einem 1994 gegründeten Förderverein zu verdanken, dass eine schon aufgegebene Kirche vor dem endgültigen Verfall gerettet wurde. Seither wurden rund 175 000 Euro in die Sanierung des Sakralbaus gesteckt. Darunter waren viele Spenden, aber auch Kirchengelder, Fördermittel und Zuschüsse aus dem Gemeindehaushalt. Für den Vereinsvorsitzenden und Bürgermeister Klaus Steglich ein Beleg, dass Glaube Berge versetzen kann: "Wir haben in Lünow wieder eine Stätte, wo das Evangelium vermittelt werden kann."

Neben dem kirchlichen Leben hat sich die Lünower Kirche schon während der Sanierung einen Namen als Ort der Kultur gemacht. Auch in diesem Jahr gibt es vier Konzerte. Diese "Offene Kirche" findet beim Gemeindekirchenrat volle Unterstützung. "Es wäre doch schade, wenn sich die Menschen nur zum Gottesdienst zusammenfinden würden", meint Kirchenratsvorsitzender Arnd Mannzen. Natürlich gibt es noch Wünsche. Eine Stelle im Fußboden der Apsis muss trocken gelegt werden. Für das altersschwache Harmonium, auf dem Domorganist Matthias Passauer heute spielen wird, ist Ersatz fällig. Wunschtraum bleibt eine Orgel. In Arbeit ist der neue Altar, der in wenigen Wochen aufgestellt wird.


Lünow macht Mut

FRANK BÜRSTENBINDER

Kaum einer konnte es sich vorstellen. Viele hielten es für unmöglich. Selbst in Kirchenkreisen hatte man die Hoffnung aufgegeben. Und doch konnte die Lünower Dorfkirche vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Ja, es grenzt an ein Wunder, was Wille und Beharrlichkeit einer Gruppe Menschen möglich gemacht haben. Ein eigens gegründeter Förderverein scharrte 1994 Gleichgesinnte um sich, um den Kampf gegen bröckelnden Putz, marode Fenster, Löcher in der Decke und einen wackligen Kirchturm aufzunehmen. Dessen eingeworbene Spenden und die Erlöse vieler ehrenamtlicher Aktionen bildeten den Grundstock für eine mehrjährige Sanierung, deren Abschluss heute Abend bei einem Festgottesdienst begangen wird. Das Wirken des Fördervereins ist eng verbunden mit dem Namen des einstigen Vereinsvorsitzenden Rainer Gerhardt und der einige Jahre in Lünow wohnenden Familie von Hardenberg. Ihre Nachfolger haben vollendet, was 1994 nur unverbesserliche Optimisten zu hoffen wagten. Lünow steht beispielgebend für Hunderte anderer Dorfkirchen, die noch auf Hilfe warten. Die für unmöglich gehaltene Rettung des Gotteshauses kann anderen Fördervereinen, wie in Gortz, nur Mut machen.

 

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