GROßE RUNDE SUCHTE GESTERN NACH RETTUNGSCHANCEN FÜR VICHELER KIRCHE

Abriss ist keine Option

ALEXANDER BECKMANN

 Vichel

VICHEL Von außen wirkt die Vicheler Dorfkirche gar nicht marode. Der Ziegelbau aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts macht, wenn schon keinen taufrischen, so doch einen grundsoliden Eindruck.

Wie sehr der täuscht, erklärte gestern Architekt Michael Ewerien aus Berlin. An der Kirche hatten sich Vertreter des Gemeindekirchenrates, des Ortsbeirates, des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin, des Bauamtes der Landeskirche, des Kulturvereins Temnitztal, der Gemeinde- und der Amtsverwaltung sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde versammelt, um nach Wegen zu suchen, das Gotteshaus zu retten.

Michael Ewerien ließ keinen Zweifel, wie ernst die Lage ist. In der hölzernen Dachkonstruktion (und nicht nur da) hat sich der Echte Hausschwamm massiv ausgebreitet. Hinter Farbschichten und Verkleidungen finden sich ausgedehnte Pilzgeflechte. Stellenweise wachsen Fruchtkörper ähnlich wie bei Baumpilzen. Über Jahrzehnte, so Ewerien, sei offensichtlich Regenwasser über undichte Stellen in den Dachkehlungen in das Gebälk eingedrungen. Zwar sei das Dach vor einiger Zeit repariert worden, doch zu spät. "Wir haben uns nicht getraut, in das Dach zu klettern. Das war zu gefährlich", berichtete der Architekt. Die Schäden sind auch von unten unübersehbar: An ihren Auflagen in den Kirchenwänden sind die einst massiven Holzträger teilweise wie feuchte Strohhalme zusammengedrückt. Das gesamte Dach ist akut vom Einsturz bedroht.

Immerhin, so der Architekt: "Der Turm sieht noch relativ gut aus." Und auch das Mauerwerk des Kirchenschiffs weise, obwohl der Putz durch die Feuchtigkeit in großen Stücken abgefallen ist, kaum ernsthafte Schäden auf.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verständigte sich die kleine Versammlung im Anschluss an die Begehung über Möglichkeiten, die Vicheler Kirche zu retten. Technisch sei das kein Problem, versicherten die anwesenden Baufachleute. Viel größere Sorgen bereitet allen die finanzielle Seite des Vorhabens. Die Vicheler Christengemeinde besteht nur aus 22 Menschen.

Doch einen Abriss, das betonte Pfarrer Stephan Scheidacker nach der Beratung, halte niemand für eine Option. "Alle waren sich einig: Die Kirche ist nicht nur rettungswürdig, sondern auch rettbar." Für den 21. Juli ist das nächste Treffen geplant und bis dahin soll sich auch schon Einiges getan haben. Zuerst müsse der Einsturz verhindert werden. Dazu soll ein Gerüst die morschen Balken im Inneren abstützen. Das ist die Voraussetzung für eine detailliertere Untersuchung des Bauzustandes. Ohne die wiederum wäre es unmöglich, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten.

So weit wagt Scheidacker allerdings kaum zu hoffen. Denn für die Finanzierung wird es noch eine Menge Ideen brauchen. In einem ist der Pfarrer sich aber sicher: "Bürgerschaftliches Engagement über die Kirchengemeinde hinaus ist wichtig - schon um zu zeigen, dass die Leute ihre Kirche erhalten wollen."

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