Hoffnung für die Dorfkirche

Kemnitzer gründen Förderverein für das Gotteshaus aus dem Mittelalter

ALEXANDER ENGELS

 Barocker Kanzelaltar in der Kemnitzer Kirche
Barocker Kanzelaltar in der Kemnitzer Kirche.
Foto: Hahn
Für die Instandsetzung ihrer mittelalterlichen Dorfkirche wollen einige Kemnitzer einen Verein gründen
Für die Instandsetzung ihrer mittelalterlichen Dorfkirche wollen einige Kemnitzer einen Verein gründen.
Foto: Hahn

KEMNITZ Der Putz ist grau und fleckig. Die Ziegelsteine bröckeln. Von den Türen blättert die Farbe ab. Doch die Zeit des Verfalls der Dorfkirche Kemnitz scheint nun zu enden. Ein Förderverein soll helfen, das ortsbildprägende, aber heruntergekommene Bauwerk wieder herzurichten.

"Es ist einfach zu schade, dass die Kirche fast nur leer steht", sagt Hendrikje Flick, eine von acht Gründungsmitgliedern des Vereins "Kirche in Kemnitz". Von ihrem Gästehaus "Urstromhof" blickt sie Tag für Tag auf den Dorfanger mit dem trostlosen Kirchengebäude aus dem Mittelalter.

Auch Pfarrerin Marianne Sandkaulen weiß um die Sanierungsbedürftigkeit des Gotteshauses: "Es ist zwar nicht baufällig, aber die letzte große Renovierung ist rund 30 Jahre her."

"Ich finde es sehr schön, dass sich jetzt so viel Engagement im Ort entwickelt", sagt Sandkaulen, die in ihrer großen Parochie zwischen Bardenitz und Dobbrikow nicht nur ein Sorgenkind unter den Kirchenbauten hat. "Die Bürger haben erkannt, dass sie nicht mehr nur auf einen Geldsegen für den Erhalt der Kirche warten können", ergänzt sie.

Ihres Wissens gründet sich in Kemnitz der erste Förderverein im Kirchenkreis Niederer Fläming überhaupt. Immerhin ist die Hälfte der rund 120 Kemnitzer evangelisch. Doch die religiöse Zugehörigkeit darf aus Sicht der Pfarrerin nicht der einzige Grund sein, das Bauwerk erhalten zu wollen. "Die Kirche ist ein Kulturgut", sagt sie, "sie ist das Erste, was man sieht, wenn man in den Ort hineinkommt."

Nach einem Bericht des Heimatforschers Jan Feustel hat der rechteckige Feldsteinbau eine spätgotische Architektur mit einem typischen Dreifaltigkeitsfenster in der Ostwand. Das hölzerne Tonnengewölbe und die Empore sind später eingebaut worden, ebenso wie der barocke Portikuskanzelaltar, der das Kircheninnere dominiert.

Vor gut fünf Jahren gab es schon einmal gute Chancen für eine Sanierung. Damals habe Kemnitz' Dorfkirche ganz oben auf der Instandsetzungs-Liste gestanden, worüber Landeskirche und Land Brandenburg jährlich verhandeln. Deshalb ließ man ein Gutachten erstellen, das die notwendigen Baumaßnahmen und die Kosten zusammenfasste. Das Ergebnis war erschreckend: Mindestens 200 000 Euro wären für die kleine Kirche nötig. Das schreckte die Geldgeber ab. "Daraus haben wir gelernt", sagt Sandkaulen, "die Sanierung kann nur in kleinen Portionen erfolgen." Ein entsprechendes Konzept möchte der Förderverein aufstellen und danach Spenden akquirieren, kündigt Flick an. Außerdem möchte sie die Kirche für kulturelle Anlässe nutzen. Am diesjährigen Tag des offenen Ateliers, am 6. und 7. Mai, sind dort Keramiken von Barbara Illmer und Gemälde von Walter Lauche zu sehen.
(Teltow-Fläming)

Märkische Allgemeine vom 19. April 2006

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