Benefizkonzert für die Dorfkirche von Gandenitz

Die Feldsteinkirche von Gandenitz

"Es ist ein Wunder"- Diese sehr pastorale Erklärung kam Pfarrer Schein gleich zwei Mal über die Lippen beim ersten Benefizkonzert in der Gandenitzer Kirche St. Peter und Paul am 8. Juni dieses Jahres. Das Wirken einer höheren Kraft wollte er an zwei Dingen ausmachen: der erwartungsfrohen großen Menschenmenge, die sich versammelt hatte, und an den guten Bauaussichten für die Kirche. Aber von Anfang an.

Gandenitz bei Templin besitzt einen jener großen würdigen Feldsteinbauten, mit denen die Uckermark so reich gesegnet ist. Anfang der Achtzigerjahre war hier das Dach neu gedeckt worden. Not vermag ja manchmal ein guter Denkmalpfleger zu sein: man nahm die alten Bieber von der Templiner Stadtkirche. Nur leider in einfacher Kronendeckung und ohne die Schäden am Gesims, am Tragwerk und am Turm wirklich zu beheben. Seitdem geschah nichts am Bau, während doch nach 1990 viele Kirchen instand gesetzt werden konnten. Dann kam die "Finanzkrise" der Kirche und erst im Jahr 2000 etwa wurden die Gandenitzer lebhaft. Nicht ganz ungeschickt trat man immer in "größerer Zahl" auf. So waren Bernd Janowski und ich zwei Mal zu Besprechungen eingeladen, immer mit mindestes acht Einwohnern. Und auch zum Kirchlichen Bauamt schickte man nicht den Pfarrer allein. Was dort auch Eindruck machte, denn die Dachinstandsetzung jetzt wird mit kirchlichen Mitteln und denen aus dem Staats-Kirchen-Vertrag finanziert.

Nach einigem Bedenken gründete sich im Februar dieses Jahres der "Freundeskreis Feldsteinkirche Peter und Paul Gandenitz". Das oben genannte Konzert war sein erstes, geplant und vorbereitet hat der Verein aber schon einiges. Herr Wirth erklärt mir die Bauplanung.

270 000 DM wird die Dachsanierung des Kirchenschiffs kosten. Im Juli/August sollen die Arbeiten beginnen, zur Zeit laufen die Ausschreibungen. Der ältere Herr hat früher einen Baubetrieb geleitet, jetzt übernimmt er für Gemeinde und Verein die örtliche Bauleitung. Das er sich aus- und man ihn kennt, hilft natürlich. Die in Aussicht genommenen Lieferanten haben sämtlich ein zusätzliches Engagement zugesagt. Herr Wirth war auf dem Arbeitsamt; für unterstützende Arbeiten wird es SAM-Stellen geben. Mit so einer Kircheninstandsetzung müsse auch soziale Verantwortung mit übernommen werden, meint mein Gesprächspartner. Sicherungsarbeiten werden die Ortsbewohner selbst leisten. Herr Wirth hat offensichtlich schon einen Bauablaufplan in Kopf.

Die Finanzierung für dieses Jahr steht, das Augenmerk richtet sich auf die ebenso nötige Turmsanierung im nächsten. Pfarrer Schein kann von der Spende einer alten Dame aus der Partnergemeinde bei Hannover berichten: 17 000 DM; die Einnahmen aus dem Konzert werden 1 900 DM betragen. Wem dies beim Lesen schon zu einfach und glatt erscheint, möge bedenken: hier geht es bisher nur um dringende Substanzerhaltung.

Gandenitz ist ein schönes und "intaktes" Dorf. In der alten Dorfschule wurde in den letzten Jahren ein Dorfgemeinschaftszentrum eingerichtet. Auch die Kirchengemeinde ist so lebendig, wie man es bei 230 Einwohnern eben sein kann.

Mindestens die Hälfte von ihnen muss bei erwähntem Konzert gewesen sein, welches in der herrlich geschmückten Kirche ebenso fröhlich wie festlich war. Das wäre dann, um den Anfang aufzunehmen, das dritte "Wunder": wie glücklich es machen kann, so große Aufgaben vor sich zu haben.

Thomas Raschke


 
   Zur Artikelübersicht