Entschlossen etwas gegen "Ruinenromantik" tun

Neuer "Förderverein Dorfkirche Küstrinchen" will sich der Sicherung, Sanierung und Nutzung des Sakralbaues widmen

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Schilling

Küstrinchen. Wenn es nach Eckhard Kühn gegangen wäre, dann hätten sich die 20 vor kurzem im ehemaligen Küstrinchener Fischerhaus Versammelten gleich und sofort verständigen sollen, auf welche Art und Weise das Dach der Dorfkirche am zweckmäßigsten abzutragen und der Bau zu sanieren sei. Architekt Stephan Broniecki aus Oderberg hatte offenbar vielfältige Denkimpulse ausgelöst, als er einleitend darüber berichtete, wie es um die Bausubstanz des Kirchenbaues bestellt ist und welche Schritte zuerst nötig und denkbar wären.

Falsche Fährte

Dass man mit solchen, bereits ins Detail gehenden Exkursen wohl "auf die falsche Fährte gesetzt" habe, das machte Roland Wolf mit dem realen Blick des Forstmannes deutlich. Er gehörte zu jenen Einwohnern des Lychener Ortsteiles, die einem Aufruf zur Gründung eines "Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen" gefolgt und als einer von 17 diesen ersten Schritt in Richtung Kirchensanierung bereit waren zu tun.

Zwei "konservierte" ORB-Filmbeiträge veranschaulichten der Runde eingangs, worauf man sich da eingelassen hatte, und motivierten sie für ein Unternehmen, das sicherlich langen Atem erfordert. Und durch die Teilnahme des Lychener Pfarrers Gerhard Stechbart, zu dessen Zuständigkeitsbereich die Küstrinchener Kirche gehört, und von Bernd Janowski vom Förderkreis "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" hatte man wichtige Ansprechpartner dabei, die Auskünfte geben und Wege ebnen konnten.

Maßgeblich Bernd Janowski ist es zu danken, dass der formelle Part der Vereinsgründung zügig und dabei abgewogen über die Bühne ging. 25 Fördervereine gebe es in der Uckermark, an etlichen Gründungen habe er mitgewirkt, mehrere baufällige Kirchen habe er selbst als Bauträger mit instandgesetzt, verwies er auf einschlägige Erfahrungen.

Vorstand gewählt

Sechs Vorstandsmitglieder wurden gewählt - die Alt- und Neu-Küstrinchener Ingrid Gomoll, Werner Schweinberger (Vorsitzender), Prof. Hartmut Frech und Eckhard Kühn sowie Pfarrer Gerhard Stechbart und Bernd Janowski - die das weitere Vorgehen ordnen und über ein Nutzungskonzept nachdenken sollen.

Klar werden muss sich der Vorstand als erstes darüber, ob man sich über eine Notsicherung des maroden Gebäudes, das wahrscheinlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt und in dem 1970 der letzte Gottesdienst stattgefunden hatte, an eine Sanierung herantastet oder ob es andere Möglichkeiten gibt.

Vor allem Pfarrer Stechbart kann sich schwer damit abfinden, dass man "von Notsicherung zu Notsicherung" kommt. Jede Mark dafür sei zu schade. Man müsse punktuell den größten Schäden zu Leibe rücken, erklärte er. Nichts sei schlimmer, als sich an ein Provisorium oder an "Ruinenromantik" zu gewöhnen.

Da dürfte der neu gegründete Förderverein bereits vor seinem ersten Problem stehen und nach einem gemeinsamen Nenner suchen müssen: Notsicherung - ja oder nein oder wie.

Mittel in Aussicht

Der Dachstuhl soll zunächst von unten abgestützt und dann ein Wellbitumenplatten-Dach aufgebracht werden. Es könne keiner Baufirma zugemutet werden, so Architekt Broniecki, anders an das baufällige Dach heranzugehen. Schon die geringste Lastenverteilung oder das Entfernen von Balken, Schneelast oder Sturm könnte den Einsturz verursachen. Es sei nicht kalkulierbar, wielange der derzeitige Zustand noch erhalten bliebe.

Für eine Notsicherung stellte Bernd Janowski finanzielle Mittel in Aussicht. Das Diakonische Werk Angermünde habe Hilfe zugesagt und solle die Koordination übernehmen, sagte er, wenn u. a. mit Vergabe-ABM gearbeitet werde. Man könnte einen Fördermittelantrag im Programm "Dach und Fach" frühestens für das Jahr 2003 stellen, denn für das Jahr 2002 wäre es bereits zu spät.

Bei 70 000 DM wären dann 20 000 DM Eigenanteil zu erbringen, wies Bernd Janowski auf die Eigenleistung hin. Der Landkreis Uckermark beteilige sich an den Planungskosten. Auch der Förderkreis "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" könne Kosten übernehmen, meinte er. Die Kirchengemeinde Lychen, die einer Sanierung der Dorfkirche zugestimmt hatte, könne symbolisch beteiligt werden.

So ist an diesem Abend viel in Gang gekommen in einer Angelegenheit, die noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Doch manches sei schon jetzt voranzubringen, wenn man beispielsweise an das Umfeld der Kirche denke, meinte der Alt-Küstrinchener Alexander Liptay. Es werde doch wohl mancher so viel Zeit haben, ein paar Stunden Arbeit an der Kirche mit zu leisten, sagte er, "damit die Kirche schön wird und jeder sich an ihrem Anblick erfreut".


 
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