Die Dorfkirche von Terpt (Dahme-Spreewald)

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Jetzt, im Herbst, ist der Turm des Kirchengebäudes in dem Angerdorf Terpt ganz mit rotem Weinlaub bedeckt; in der Oktobersonne ein wunderschöner Anblick. Gleichzeitig jedoch ist das Kirchenschiff eingerüstet und das Dach mit Planen abgedeckt. Bauarbeiten sind im Gange.

Bereits im September 1366 wird in einer Urkunde des Bischofs von Meißen erstmals ein Pfarrer namens Matthias in Terpt erwähnt. Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden die Gottesdienste in dem Lausitzdorf zweisprachig gehalten, "vormittags in deutscher und nachmittags in wendischer Sprache". Noch 1755 musste der damalige Pfarrer Zuchold eigens eine Prüfung seiner Befähigung, eine wendische Predigt zu halten, ablegen.

Nur wenige Jahrzehnte zuvor, zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Kirche, ein relativ kleiner Feldsteinbau mit eingezogenem Chor und quadratischem Westturm mit schlichtem Pyramidendach errichtet. Am Südportal der Kirche findet sich ein sogenannter Schachbrettstein, der erst im Jahr 2003 beim Abriss eines Vorbaus entdeckt wurde. Zwei in Backstein ausgeführte Vorhallen auf der Südseite sind modernen Ursprungs. Die Fenster des Kirchenschiffes wurden bei einem Umbau im Jahr 1845 vergrößert und flachbogig verändert. Zwei Glocken aus dem 17. Jahrhundert wurden vor dem Einschmelzen während des Zweiten Weltkrieges verschont und kehrten nach Kriegsende in den Turm der Terpter Dorfkirche zurück.

Den flachgedeckten Innenraum umspannt eine Hufeisenempore, auf der hinter einem älteren Prospekt aus dem Jahr 1809 eine Orgel der Firma Gustav Heinze aus Sorau aus dem frühen 20. Jahrhundert steht. Ein der Kirche 1722 von dem "Hochwohlgeehrten Herrn Hans Christian von Thermo" geschenkter Taufengel ist nur noch fragmentarisch erhalten. Es fehlen die Flügel und beide Arme. Der schön gearbeitete Torso konnte jedoch im vergangenen Jahr konserviert werden und soll nach dem Abschluss der laufenden Instandsetzungsarbeiten wieder in den Kirchenraum zurückkehren.

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Das interessanteste Ausstattungsstück der Terpter Kirche ist zweifellos der um 1740 laut einer Inschrift von dem Tischler C.F. Vieth geschaffene Kanzelaltar. Der eigentliche Aufbau ist recht schlicht gehalten. Der polygonale Kanzelkorb mit einfacher Dekorationsmalerei befindet sich zwischen zwei toskanischen Säulen und mit Puttenköpfen verzierten Altarwangen. Die wiederverwendeten älteren Renaissance-Bildwerke aus dem frühen 17. Jahrhundert jedoch sprechen eine dezidiert lutherische Bildsprache: In der Predella findet sich ein Gemälde des Abendmahls, auf beiden Seiten flankiert von Darstellungen der Austeilung des Sakraments in beiderlei Gestalt, vorgenommen durch Pfarrer im damals noch üblichen Chorrock. Eine Kreuzigungsszene mit Christus zwischen den mit ihm hingerichteten beiden Schächern, dem Apostel Johannes und den "drei Marien" schmückt das Mittelfeld. Den Abschluss bildet im oberen Bildfeld eine Himmelfahrtsszene.

Letztmalig umfassend saniert wurde die Dorfkirche von Terpt in den Jahren 1927/28. Seitdem nagte der Zahn der Zeit an dem Gebäude, so dass eine erneute Instandsetzung dringend notwendig geworden war. Vor einigen Jahren konnten der Turm und das Turmdach saniert werden. An der Finanzierung der derzeit laufenden Arbeiten zur Sicherung von Kirchenschiff und Chor beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen. Aus dem Kirchenschiff kann man gegenwärtig bis in den offenen Dachstuhl blicken. Die Ausstattung ist bis auf den Altarbereich mit Planen abgedeckt. Zu erkennen ist jedoch, dass die Innenwände durch aufsteigende Feuchtigkeit arg geschädigt sind. Es wäre sehr zu wünschen, dass nach Abschluss der Außenhautsanierung auch hier langfristig Abhilfe geschaffen werden kann.

Weitere Informationen: Evangelische Kirchengemeinde Terpt; Pfarrer Volker Strauch; Schulstr. 2; 15926 Luckau; Tel.: (0 35 44) 50 92 65; Mail: pfarrer.strauch@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 29. November 2014: Die Kirche von Terpt wird saniert


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