Dorfkirche Teetz (Ostprignitz-Ruppin)

Dorfkirche Teetz - Blick zum Altar
Innenraum

 
Dorfkirche Teetz - Königsberger Altar
Königsberger Altar

 
Dorfkirche Teetz - Choranbau
Choranbau

 

Die beiden besten Stücke sind nicht mehr da. Denn so imposant die Teetzer Backsteinkirche auch ist, unter ihrem desolaten Dach hätte dem herrlichen spätgotischen Altar und der von Meister Friedrich Hermann Lütkemüller gebauten Orgel nur Zerstörung gedroht.

Der Altar von ca. 1520, dessen ursprüngliche Herkunft ungeklärt ist, wurde in der Kirche der Nachbargemeinde Königsberg aufgestellt. Im Mittelschrein steht die ausdrucksvolle Figur der Maria mit dem Kind zwischen dem Heiligen Nikolaus und einer Anna Selbdritt. Die Gemälde auf den Außenflügeln sowie die Darstellung der vierzehn Nothelfer auf der Predella, dem unteren Teil des Altaraufsatzes, werden der Cranach-Schule zugeschrieben und stammen wahrscheinlich von Ehrhardt Altdorfer, dem Hofmaler des Herzogs von Mecklenburg.

Die 1860/61 für Teetz geschaffene Orgel wurde 1999 an die Berliner Stiftung Stadtmuseum verkauft, restauriert und in der Berliner Nikolaikirche wieder aufgestellt. Lütkemüller war nicht irgendwer. 1815 in Papenbruch, nur wenige Kilometer von Teetz entfernt, geboren wirkte er bis zu seinem Tod im Jahre 1897 in Wittstock. Er war einer der interessantesten Orgelbauer Norddeutschland und schuf fast 200 Instrumente.

In dem zwischen Kyritz und Wittstock gelegenen Ostprignitz-Dorf gab es bereits im Mittelalter ein Kirchlein, aber das wurde ein Opfer des Dreißigjährigen Krieges. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtete man eine bescheidene Fachwerkkirche, die jedoch bald baufällig wurde und auch der gestiegenen Bevölkerungszahl nicht mehr genügte. 1847 beantragte die Kirchengemeinde schließlich einen Neubau. Die "allerhöchste Genehmigung" erteilte König Friedrich Wilhelm IV. freilich erst zehn Jahre später. Die Bearbeitung von Bauanträgen dauerte schon damals etwas länger.

Die Entwürfe lieferte der Kyritzer Kreisbaumeister Wedeke. Friedrich August Stüler, der "Architekt des Königs" griff jedoch korrigierend ein, versah den Turm mit einem Spitzhelm, verlängerte die Rundbogenfenster und "gotisierte" nach seinen Vorstellungen. Einweihung konnte am 11. Oktober 1860 gefeiert werden.

In den 1970er Jahren wurde der Kirchturm vom Blitz getroffen und brannte teilweise aus. Statt des weithin sichtbaren Helmes wurde ein Notdach aufgesetzt. Etwa zu dieser Zeit fand auch der letzte Gottesdienst statt, die Kirche verfiel zusehends. Die Kirchengemeinde allein war zu schwach, um den für ihre Verhältnisse viel zu großen Bau zu erhalten.

Erst 1999 kommt wieder Hoffnung auf: Als die baupolizeiliche Sperrung wegen akuter Einsturzgefahr drohte, gründeten engagierte Bürger den "Förderverein Dorfkirche Teetz e.V.". Erstaunlich schnell wurden Spenden eingeworben und erste Sicherungsarbeiten ausgeführt. Gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde wurde die Sanierung des Choranbaus begonnen, der die größten Bauschäden aufwies.

Dringend fällig ist die Reparatur des Dachstuhls, dessen tragende Balken durchgefault sind. Für das Jahr 2002 hofft man auf die Bewilligung von Fördermitteln. Um den dazu notwendigen Eigenanteil aufzubringen, sammelt der Förderverein weiter Spenden.

Die Teetzer planen aber schon weiter. Der Innenraum mit der aufwendigen Originalausstattung soll restauriert werden. Mancher träumt heimlich von der Wiederherstellung des Turmaufsatzes. Natürlich möchte man den gotischen Altar zurückholen.

Die verkaufte und restaurierte Orgel wird wohl in Berlin bleiben. Bereits zum zweiten Mal jedoch veranstaltete der Förderverein gemeinsam mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin vor wenigen Wochen ein vorweihnachtliches Benefizkonzert in der Nikolaikirche. Orgelmusik auf der Teetzer Orgel für die weitere Instandsetzung der Teetzer Dorfkirche ein schönes Symbol und inzwischen eine Tradition, die fortgeführt werden soll.

Bernd Janowski

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