Die Dorfkirche von Strehlow (Landkreis Uckermark)

Dorfkirche Strehlow
 Kirchenruine Strehlow
 
IN LUFTIGER HÖHE schwebt die Bekrönung vom eingerüsteten Turm herab
 
Der sanierte Turm

Manchmal geschehen doch noch Wunder! Seit fast zehn Jahren beschäftigte sich der Förderkreis Alte Kirchen immer wieder auch mit der Ruine der Kirche im uckermärkischen Dorf Strehlow und finanzierte damals dafür ein Baugutachten. Ziel dieser Bemühungen war die Reparatur des vom Einsturz bedrohten barocken Turmaufsatzes und die Sicherung der maroden Mauerkrone. Was jedoch damals niemand zu träumen wagte, ist jetzt Wahrheit geworden: Die Strehlower Dorfkirche ist in ihrer äußeren Gestalt völlig wiederhergestellt worden.

In den letzten Kriegstagen 1945 leicht beschädigt, wurde die Kirche durch den Bürgermeister des Ortes nach Kriegsende zur Gewinnung von Baumaterial frei gegeben. Auf der Südseite des Kirchenschiffes wurden die sorgfältig behauenen Feldsteine aus dem Mauerverband gebrochen. Dachdeckung und Dachstuhl wurden abgetragen. Erst ein Artikel in der Westberliner Zeitung "Der Tag", am 17. Juli 1949 unter dem Titel "SED demontiert Kirchen" erschienen, veranlasste die Behörden, der Plünderung ein Ende zu bereiten. Doch das Gebäude verfiel weiter und stellte noch vor zwei Jahren eine akute Gefährdung für die Benutzer des umliegenden Friedhofs dar.

Die Wende kam Ende 2004, als die Agrargesellschaft im benachbarten Potzlow die Strehlower Kirche in ihr Eigentum übernahm. Hauptgesellschafter des erfolgreichen Landwirtschaftsbetriebes war damals Dietrich Kettelhack, dessen Familie bereits im 18. Jahrhundert die Patronatsherrschaft über Strehlow, und damit auch über das Kirchengebäude innehatte. Im vergangenen Jahr konnte dann bereits der hölzerne Turmaufsatz saniert werden, der mit seiner geschwungenen Haube und der originalgetreu nachgebildeten Wetterfahne aus dem Jahre 1747 nun wieder zu den schönsten Kirchtürmen der Uckermark zählt.

Inzwischen sind auch die Arbeiten am Kirchenschiff abgeschlossen. Nach dem Vorbild historischer Fotos und in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden wurde ein neues Dach aufgesetzt. Die Außenmauern wurden ergänzt und neu verfugt. Der Innenraum erhielt einen neuen Fußboden aus Backstein. Einfache Glasfenster geben dem Raum Licht und gleichzeitig eine enge Verbindung mit dem Grün der Bäume auf dem Kirchhof.

Am Samstag, dem 14. Juli feierten die Strehlower und zahlreiche Gäste aus der Region die Wiedereinweihung ihrer Dorfkirche mit einem großen Bürgerfest. Nicht nur das Kirchengebäude ist neu erstanden, sondern das ganze Dorf hat ein neues Gesicht bekommen. Strehlow ist ein schön angelegter Ort, der sich zu beiden Seiten eines breiten, in zwei Reihen mit Bäumen bestandenen Angers hinzieht. Am Ende dieses Angers bildet nun die wieder erstandene Kirche den optischen Höhepunkt des idyllischen Panoramas.

Die Instandsetzungsarbeiten wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz großzügig unterstützt. Am ersten Bauabschnitt beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen. Den größten Teil der Kosten übernahm die Agrargesellschaft Potzlow. Der Initiator der Kirchenrettung, Dietrich Kettelhack, konnte die Fertigstellung der Strehlower Kirche nicht mehr miterleben. Er verstarb vor wenigen Monaten. Seine Familie versprach jedoch, die übernommene Verantwortung für das Gebäude weiter zu tragen.

Nun gilt es, den Kirchenraum wieder mit Leben zu füllen. Kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte sollen angeboten werden, potentielle Nutzer dafür sind auch die Kommune und ein Kinder- und Jugendzentrum, das im ehemaligen Gutshof untergebracht ist. Erste Anmeldungen für Hochzeiten liegen vor. Obwohl das Kirchengebäude offiziell entwidmet ist, wünscht sich der neue Eigentümer hier auch wieder Gottesdienste.

Manchmal geschehen doch noch Wunder. Notwendig dafür sind jedoch immer Menschen, die nachhelfen.


Zum Weiterlesen:

Mitteilungsblatt vom Dezember 2000: Die Kirchenruine von Strehlow
Mitteilungsblatt vom November 2004: Erbärmlich anzusehen: der einst schönste Barockturm der Region
Mitteilungsblatt vom November 2005: Der einst schönste barocke Turm erhält nun endlich eine Chance
Dezember 2005: Dorfkirche des Monats
Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Titelblatt des Magazins MONUMENTE, Heft 11/12 (Dezember 2005): Schenken Sie uns diese Kirche
Mitteilungsblatt vom März 2006: Eine schwebende Kugel als Symbol des Neubeginns
Uckermark Kurier vom 15. Juli 2006: Turmaufbau endet heute mit Bekrönung
Uckermark Kurier vom 17. Juli 2006: "Das schwere Werk ist wohlgelungen"
Uckermark Kurier vom 12. April 2007: Strehlower Kirche wird weiter aufgebaut
Uckermark Kurier vom 23. Juni 2007: Nach 60 Jahren ist Kirche wieder offen
Uckermark Kurier vom 17. Juli 2007: Wiederaufbau ist eine Erfolgsgeschichte
Märkische Oderzeitung vom 11. September 2008: Agrargesellschaft Potzlow erhält Brandenburgischen Denkmalpflegepreis

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