Die Kirchenruine Strehlow (Uckermark)

Kirchenruine Strehlow 
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Kirchenruine Strehlow
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Kirchenruine Strehlow - Wetterfahne
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Kirchenruine Strehlow - Weihekreuz
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 Strehlower Kirche
WILDNIS in der Strehlower Kirche. Der Holzturm ist nur im Modell intakt.
Strehlower Kirche - Modell

Bereits seit längerer Zeit beschäftigt sich der Förderkreis Alte Kirchen mit dem Schicksal der Kirchenruine in Strehlow. Im vergangenen Jahr finanzierten wir ein holzschutztechnisches Gutachten, um die Möglichkeit zu prüfen, den einstmals schönsten barocken Kirchturm der Region vor dem endgültigen Verlust zu bewahren. Im Dezember 2004 war sie schon einmal Dorfkirche des Monats. Jetzt endlich ist es möglich, mit der Sicherung des Denkmals zu beginnen.

Die Sonntagsausgabe der Westberliner Zeitung "Der Tag" vom 17. Juli 1949 veröffentlichte auf der Titelseite einen Artikel mit dem Titel "SED demontiert Kirchen". Darin wird berichtet, "daß in der Ostzone und vor allem im Lande Brandenburg eine regelrechte Kirchendemontage nach sowjetischem Vorbild vorgenommen worden ist." Weiter heißt es: "Da keinerlei Rechtsgrundlage für ein solches Zerstörungswerk besteht und da auch die sowjetischen Befehle über die Bodenreform die Niederreißung von Kirchen nicht vorgesehen haben, so erklärt man von Seiten der SED, daß es sich hier um beschädigte Kirchen handele, deren Baumaterial für die Errichtung von Neusiedlerbauten Verwendung finden solle." Neben anderen Beispielen erscheint in diesem Bericht auch der Name des Dorfes Strehlow bei Prenzlau.

Strehlow ist ein schön angelegtes Dorf, das sich zu beiden Seiten eines breiten, in zwei Reihen mit Bäumen bestandenen Angers hinzieht. Von der ehemaligen Gutsanlage sind noch einige Wirtschaftsgebäude und das Verwalterhaus erhalten, in dem der Verein "Kindervereinigung Strehlow" eine ambitionierte Kinder- und Jugendarbeit betreibt. Am Ende des Angers ragt ein hölzerner Kirchturm aus den Bäumen, die auf dem Friedhof stehen. Und beim näheren Hinsehen erstaunt es, dass die Konstruktion dieses Turmes überhaupt noch tragfähig ist.

Der mittelalterliche Saalbau mit dem schiffbreiten Westturm und der gewölbten Nordsakristei entstand wie zahlreiche weitere Feldsteinkirchen in der Uckermark in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Portale und Lanzettfenster der heutigen Kirchenruine sind noch im ursprünglichen mittelalterlichen Zustand erhalten; an den Innenwänden blieben Weihekreuze erhalten. Auf alten Fotos sieht man eine barocke Innenausstattung; im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut. In dieser Zeit erhielt sie auch den verbretterten Turmaufsatz mit der geschwungenen Haube und einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1747.

In den letzten Kriegstagen 1945 leicht beschädigt, wurde die Strehlower Dorfkirche, wie oben zitiert, durch den Bürgermeister zur Gewinnung von Baumaterial frei gegeben. Auf der Südseite des Kirchenschiffes ist deutlich zu erkennen, dass ein großer Teil der sorgfältig behauenen Feldsteine aus dem Mauerverband gebrochen wurden. Dachdeckung und Dachstuhl wurden abgetragen. Die nun ungeschützte Mauerkrone verfiel. Besucher des um die Kirche liegenden Friedhofes sind von herabfallenden Steinen bedroht. Der mit Schiefer gedeckte und an den Wänden verbretterte Turm mit seiner komplizierten Fachwerkkonstruktion und der vorgebauten Wetterschale ist durch Witterungseinflüsse stark beschädigt und muß dringend instand gesetzt werden.

Als Gotteshaus für den kleinen Ort wird die Strehlower Kirche heute nicht mehr benötigt. Nach der Fusion der Dörfer und der Kirchengemeinden besuchen die wenigen Christen die Gottesdienste im nur einen Kilometer entfernten Potzlow. Trotzdem ist es wichtig, das Denkmal vor endgültigem Verlust zu bewahren und für die Dorfgemeinschaft wieder in Nutzung zu nehmen.

Die Agrargesellschaft mbH hat die Kirchenruine jetzt in ihr Eigentum übernommen und bereits eine größere Summe in Planungsleistungen investiert. Ulrich Blumendeller, Geschäftsführer der Agrargesellschaft, erklärt, dass sein Betrieb keine wirtschaftlichen Interessen mit dem Kauf der Kirchenruine verfolgt. Vielmehr möchte der seit Jahren erfolgreich arbeitende Landwirtschaftsbetrieb seinen Beitrag dazu leisten, den baulichen Mittelpunkt des Dorfes wiederherzustellen sowie ein Zentrum für Begegnung und kulturellen Austausch im Dorf zu schaffen.

Der Förderkreis Alte Kirchen wird die noch in diesem Jahr beginnenden Sicherungsarbeiten am Turm sowie an der Mauerkrone des Kirchenschiffes mit 5.000 Euro unterstützen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zeigt auf dem Titelblatt ihres Magazins MONUMENTE, Heft 11/12 (Dezember 2005) die Dorfkirche von Strehlow und veröffentlicht dazu den Beitrag Schenken Sie uns diese Kirche von Friedrich Ludwig Müller.


Nachträge:
Mitteilungblatt vom März 2006: Eine schwebende Kugel als Symbol des Neubeginns
Juli 2006: Bürgerfest in Strehlow und Turmbekrönung in Strehlow
Mai 2007: Instandsetzung der Dorfkirche in Strehlow wird fortgesetzt
Juni 2007: Wiedereinweihung der Dorfkirche Strehlow

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