Die Dorfkirche von Steinhöfel (Oder-Spree)

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Das Schloss in dem knapp zehn Kilometer nordöstlich von Fürstenwalde gelegenen Dorf Steinhöfel gehört mit Sicherheit zu den eindrucksvollsten und schönsten Herrenhäusern der Mark Brandenburg. Ab 1790 ließ der Königlich-preußische Hofmarschall und Intendant der Königlichen Schlösser und Gärten Valentin von Massow einen älteren Herrensitz der Familie von Wulffen im frühen klassizistischen Stil umbauen und beauftragte mit den Planungen den Architekten David Friedrich Gilly und dessen Sohn Friedrich. Zugleich ließ Valentin von Massow einen Park im Stil englischer Landschaftsgärten anlegen. Seit dem Jahr 2000 wurde Schloss Steinhöfel umfangreich saniert und dient heute als Hotel, Restaurant und Café.

Nicht minder interessant ist die Dorfkirche - auch wenn der märkische Wanderer Theodor Fontane, der im Mai 1862 Steinhöfel besuchte, wie so oft nur an genealogischen Fragen interessiert war und in seinen Aufzeichnungen lediglich die Epitaphien der Familie von Wulffen (und auch das nur in einer Fußnote!) erwähnte. Die Steinhöfeler Kirche ist im Kern ein mittelalterlicher, später verputzter, Feldsteinbau. Der massive Westturm entstand im 15. Jahrhundert und erhielt seinen Aufsatz mit dem geschweiften Zeltdach und der verbretterten Laterne im Jahr 1778.

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Der flachgedeckte Innenraum wird, trotz aller späteren Zutaten und Umbauten, von Ausstattungsstücken des Barock bestimmt. Nach schweren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und einer anschließenden Instandsetzung des Kirchengebäudes stifteten Balthasar Dietloff von Wulffen und seine Ehefrau Eva Louise, geborene von Beerfelde 1720/25 wesentliche Teile des Inventars. Aus dem ursprünglichen Kanzelaltar dieser Zeit wurde später der Kanzelkorb entfernt und an die nördliche Chorwand versetzt. An seiner Stelle wurde 1909 das Altarbild "Auferstandener Christus" des bekannten Kirchenmalers Ernst Christian Pfannschmidt eingesetzt. Von ursprünglich zwei geschnitzten Darstellungen christlicher Tugenden (Caritas / Liebe und Fides / Glaube), die den Altaraufbau flankierten, ging die Fides leider in der Mitte des 20. Jahrhunderts verloren, was hoffentlich nicht metaphorisch zu verstehen ist. Zwei große barocke Engelsfiguren, die nicht zur ursprünglichen Ausstattung der Kirche gehören, stehen auf Postamenten vor dem Altar.

In einem südlichen Anbau, über einem als Eingangshalle und Kapelle dienenden Raum, befindet sich die zum Kirchenraum hin verglaste Patronatsloge. Ebenso wie die Mensa des Altars sind die Brüstungsfelder und die Tür der Patronatsloge mit seltenen Grisaillemalereien geschmückt, die biblische Szenen, die vier Evangelisten und Landschaftsszenen darstellen. Die hölzerne sechsseitige Taufe mit gemalten Familienwappen stammt laut einer Inschrift aus dem Jahr 1671, die schöne Taufschale aus Messing, die eine Doppeladler sie die Darstellung einer Hirschjagd zeigt, wohl schon aus dem 16. Jahrhundert. Nicht zuletzt zu erwähnen sind mehrere Grabsteine des 16. und 17. Jahrhunderts für Angehörige der Familie von Wulffen - wie bereits erwähnt, waren sie das einzige was Theodor Fontane bei seiner Visite in der Steinhöfeler Kirche interessierte.

Seit dem vergangenen Jahr konnte das Kirchengebäude umfangreich saniert werden. Nun kümmert sich der rührige Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel um die Restaurierung der wertvollen Ausstattung. Kurzfristig wurde es jetzt möglich, die Instandsetzung der ehemaligen Patronatsloge und ihren Umbau zur Winterkirche zu finanzieren. Aus einem Sonderinvestitionsprogramm des Beauftragten der Bundesrepublik für Kultur und Medien konnten Mittel zur Verfügung gestellt werden, die durch den örtlichen Förderkreis, die Landeskirche und den Förderkreis Alte Kirchen gegenfinanziert werden. Es ist ein weiterer Schritt, um die Schätze der Steinhöfeler Kirche auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

Weitere Informationen: Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel e.V.; Uta-Renate Rückert; Ruthnerweg 21a; 12205 Berlin; Tel.: 030-8178085; Mail: kontakt@fkr-kirche-steinhoefel.de



Zum Weiterlesen:
Märkische Onlinezeitung vom 21. Dezember 2014: Wiedereröffnung vertagt bis Ostern
Märkische Onlinezeitung vom 30. März 2015: Steinhöfeler Kirche wieder eingeweiht
Mitteilungsblatt Mai 2015: Steinhöfel hat sich rausgemacht


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