Die Dorfkirche von Spaatz (Havelland)

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Vor zwei Jahren, 2014, war Spaatz Gewinnerort des Kreiswettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft." In der Begründung hieß es unter anderem: "Großes Engagement haben die Spaatzer dem Erhalt ihres Dorfkerns gewidmet. So wird darauf geachtet, dass im innerörtlichen Bereich die ortstypischen Bauerngehöfte, die Vierseitenhöfe, das Ortsbild wahren. Den Ortskern prägt am begrünten und gepflegten Anger die Feldsteinkirche mit ihrem Fachwerkturm. Sie wurde zum größten Teil in Eigenleistung durch die ‚Freunde der Spaatzer Kirche´ saniert und kann nun durch die Durchreisenden als ‚offene Kirche´ genutzt und besichtigt werden." Das von großen Vierseithöfen entlang der Hauptstraße und der außergewöhnlichen Dorfkirche geprägte hübsche Straßenangerdorf lohnt tatsächlich einen Besuch!

Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein "Tydericus de Spadiz" im Jahre 1245. Etwa zu dieser Zeit muss auch die Spaatzer Kirche entstanden sein - ein frühgotischer gestaffelter, sauber geabeiteter Feldsteinbau aus relativ kurzem Schiff, eingezogenem Chor und einer halbkreisförmigen Apsis. Der westliche Dachturm aus Ziegelfachwerk wurde 1706 aufgesetzt, nachdem wenige Jahre zuvor ein Dorfbrand den alten Turm stark beschädigt hatte. Das ursprüngliche Westportal ist zugemauert. Von ursprünglich zwei Portalen auf der Südseite ist im Zuge des Anbaus eines Bahrenhauses im Jahr 1730 ebenfalls vermauert worden. Die ehemalige Priesterpforte mit sehr schön gestalteten Eisenbadbeschlägen aus dem frühen 15. Jahrhundert kann im Kirchenraum bewundert werden.

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Der durch Triumph- und Apsisbogen dreigeteilte Innenraum besitzt eine Flachdecke; die Apsis ist mit einer Halbkugel überwölbt. Der im Stil der Renaissance gearbeitete Altaraufsatz entstand 1647. Im Mittelfeld ist ein Gemälde des Abendmahles zu sehen; unter den dargestellten Jüngern sollen sich auch Mitglieder der damaligen Patronatsfamilie von der Hagen befinden. Die Predella bildet eine Schrifttafel mit dem Zitat aus Psalm 111: "Er hat ein Gedächtniss gestiftet seiner Wunder, der gnädige barmhertzige Herr." Zwischen geschweiften Wangen sind im oberen Teil des Retabels Kreuzigung und Himmelfahrt dargestellt. Zeitgleich entstand die polygonale Kanzel, deren Seitenfelder mit Bibelzitaten geschmückt sind. Zum Gestühl vermeldet die Kirchenchronik des Pfarrers Martin Anton Niendorf: "Anno 1746 sind die Kirchen Stühle gantz neu gebauet von einem hiesigen Zimmermann Naamens Ernst Heinrich Wesemann. Er hat sie umsonst gebauet, weil er in einer gehabten Kranckheit durch einen merkwürdigen Traum dazu ist ermuntert worden."

Die mit einem klassizistischen Prospekt geschmückte Orgel mit sieben Registern auf einem Manual und dem Pedal schuf 1878 der Wittstocker Instrumentenbauer Friedrich Hermann Lütkemüller für 570 Taler. Für den Einbau wurde die Westempore vergrößert und auf gusseiserne Säulen gesetzt. Die zinnernen Prospektpfeifen mussten 1917 der Rüstungsindustrie zugeführt und durch minderwertige Zinkpfeifen ersetzt werden. Gegenwärtig kann die Spaatzer Orgel nur recht eingeschränkt gespielt werden. Der Pfeifenbestand ist stark verschmutzt und bedarf einer gründlichen Reinigung. Einige Register funktionieren nicht mehr vollständig. Der Koppelzug ist schwergängig und die Pedalkoppel nicht zu benutzen. Eine gründliche Reparatur ist dringend geboten; die letzte gründliche Überholung durch die Eberswalder Werkstatt Fahlberg liegt etwa 30 Jahre zurück.

Seit 2012 organisiert ein Freundeskreis Benefizkonzerte sowie andere Veranstaltungen und sammelt Spenden für die Orgelsanierung. Zum 575-jährigen Ortsjubiläum, das im Oktober unter anderem auch mit einem Festgottesdienst begangen wird, soll das Instrument wieder in alter Schönheit zu hören sein.

Im vergangenen Jahr war das Spaatzer Gotteshaus im Rahmen der anlässlich der BUGA organisierten "Kirchenwege in Havelland" erstmals regelmäßig geöffnet. Der Erfolg ermutigt dazu, dies zu wiederholen: Von April bis Oktober ist die Kirche auch in diesem Jahr täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen: Heimatverein Spaatz; Guido Quadfasel; Tel.: 0174-8328714; Mail: info@guido-quadfasel.de.


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