Die Dorfkirche von Riewend (Potsdam-Mittelmark)

Fotos: Hans Tödtmann
 
 

Das Dorf Riewend liegt am Westufer des Riewendsees ganz im Norden des Landkreises Potsdam-Mittelmark, etwa gleich weit entfernt von der Stadt Nauen im Nordosten und der Stadt Brandenburg im Südwesten. Mit den beiden kleinen Behnitzer Seen bildet der Riewendsee den nördlichen Abschluss einer hauptsächlich durch den langgestreckten Beetzsee geprägten, im Süden im Gebiet der Stadt Brandenburg in die Havel mündenden eiszeitlichen Seenrinne.

Die Riewender Dorfkirche liegt - umgeben von einem kleinen Friedhof - zentral am Dorfplatz und prägt das Ortsbild des Dorfes. Gleichzeitig liegt die Kirche in unmittelbarer Nähe zum Riewendsee. Der links des Kirchengrundstücks verlaufende Weg führt nach kaum 100 Metern direkt zum See und zu der dortigen Badestelle mit Rastplatz. Die Kirche ist daher für Radfahrer und Wasserwanderer gut erreichbar.

Das Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Georg Dehio ist im Allgemeinen eine sprudelnde Quelle gesicherter Auskünfte. Aber zur Dorfkirche in Riewend bietet diese bau- und kunsthistorische Enzyklopädie nur spärliche Auskünfte: Kleiner verputzter Saalbau mit einbezogenem Westturm, wohl 18. Jh., 1844 und später umgebaut. Einfacher barocker Kanzelaltar in Verbindung mit einer Chorempore. In der Turmhalle schlichter Altaraufsatz mit Pilastern, inschriftlich 1718, verändert.

Die schmiedeeiserne Wetterfahne auf dem Kirchturm zeigt das Jahr 1718. Die Riewender Dorfkirche begeht 2018 ihr 300-jähriges Gründungsjubiläum!

Eine Expertise des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege datiert das Kirchengebäude ebenfalls auf das Jahr 1718. Der imposante liegende Dachstuhl aus dieser Zeit ist erhalten. Offenbar war das Dach des Kirchleins ursprünglich mit Schilf gedeckt. Diese Deckung war relativ leicht. Die Sparren hatten daher einen sehr großen Abstand. Vor der wahrscheinlich 1844 erfolgten Ziegeldeckung wurden in der Dachebene Zwischensparren und in der Decke über dem Kirchenraum Zwischenbalken eingefügt. Die ursprünglichen Deckenbalken, also jeder zweite der heute vorhandenen, sind bemalt, d.h. sie waren vor 1844 vom Kirchenraum aus sichtbar. Da wegen einer fehlenden Abdichtung ein kleiner Teil der Unterdecke durchfeuchtet war, wurde aus derzeit nicht mehr nachvollziehbaren Gründen in neuerer Zeit die Unterdecke zwischen Kirchenraum und Dachstuhl vollständig entfernt, so dass man heute vom Kirchenraum zwischen den bemalten und den unbemalten Balken hindurch unmittelbar in den Dachraum blicken kann. Zum Glück ist das Dach noch regendicht. Aber es bröselt von oben auf die Kirchenbänke, die deshalb durch große Planen geschützt sind.

Die genannte Expertise vermutet, dass das Langhaus der Kirche ursprünglich insgesamt ein Fachwerkbau war, der im 19. Jh. schrittweise 'versteinert' wurde. Der Ostgiebel ist noch heute - vom Dachraum sichtbar - in Fachwerk ausgeführt. Außen wird das Fachwerk durch eine Mauerschale verdeckt.

Anfang der 1990er Jahre wurden sämtliche Außenflächen der Kirche glatt verputzt und mit einem einheitlichen kräftig ockerfarbenen Dispersionsanstrich versehen. Ein nach dem 2. Weltkrieg an den Ostgiebel angebauter Schornstein trägt nicht eben zur Verschönerung der Außenansicht bei. Er soll im Zuge der Sanierungsarbeiten rückgebaut werden. Arnd Mannzen, Vize-Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses des Pfarrsprengels Päwesin, bescheinigt dem aktuellen Outfit des Kirchleins den 'Charme einer Elektro-Umspannstation'.

Der Sockelputz ist schon vor Jahren, offensichtlich weil er zu stark zementhaltig war, schadhaft geworden und daraufhin konsequent abgeschlagen worden, damit die aus dem Fundament in die Außenwände aufsteigende Feuchtigkeit abtrocknen kann. Vermutlich gleichzeitig mit dem Außenputz wurde seinerzeit auch die Dacheindeckung erneuert, möglicherweise unter Verwendung von gebrauchten Bibern. Jedenfalls ist die Biberdeckung heute dringend erneuerungsbedürftig. Auf der nördlichen Dachfläche des Kirchenschiffes hat sich im Laufe der Jahre eine Moosschicht entwickelt, die die Dachziegel andauernd feucht hält - auch im Winter. Das führte dazu, dass der Frost die Oberfläche der Dachziegel zerscherbelt hat. Die aktuelle Dacheindeckung wird Wind, Wetter und Schnee nicht mehr lange stand halten.

Das Faltblatt des Heimatvereins Riewendsee, der sich die Instandsetzung der Dorfkirche Riewend zur Aufgabe gemacht hat, führt uns in das durch mehrere Fenster gut belichtete Innere: "Man betritt die Kirche von Westen über einen Vorraum im Turmsockel. Der Aufgang zum Turm versteckt sich hinter einer Wandverkleidung. Über eine unscheinbare Holztür gelangt man in den einfachen, kleinen Kirchsaal mit dem barocken Kanzel-Altar und einer Ostempore. Links und rechts von der Kanzel sind an der Empore jeweils zwei Evangelistenfiguren angebracht, deren 'Zwillingsbrüder' in der Bagower Kirche zu finden sind. Über der Tür zum Kircheninneren hängt eine kleine Holzskulptur des Salvator Mundi, die zu den Evangelistenfiguren gehört."

Abgesehen von der fehlenden Unterdecke sind auch im Innenraum der Kirche weitere Bauschäden nicht zu übersehen: Die Stürze der Seitenfenster sind infolge konstruktiv bedingter Fehlbelastung gerissen.

Die Kosten der Sanierung der Kirche betragen € 123.000. Die Kostenschätzung sieht vier Bauabschnitte in schneller Folge vor. Die Arbeiten sollen schon im Jahr 2020 abgeschlossen werden. Der Heimatverein erwartet eine Förderung durch LEADER-Mittel in Höhe von etwa € 55.000. Der Rest muss aus kirchlichen Eigenmitteln und von weiteren Fördergebern kommen.

Trotz der durch die genannten Schäden bedingten Nutzungseinschränkungen wird die Riewender Kirche zu Gottesdiensten genutzt. So predigte im August 2017 Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz über Thomas Müntzer als Reformator. Am Tag des Offenen Denkmals fand gemeinsam mit der Fazenda ein ökumenischer Gottesdienst statt. Die Fazenda da Esperanca (Hof der Hoffnung) ist ein internationales pastorales Projekt, das suchtkranken Menschen Hilfe für ein neues Leben geben will. In Riewend befindet sich eine Frauen-Fazenda. Die Riewender Dorfkirche ist daher der Mittelpunkt der Ökumene im Pfarrsprengel Päwesin, der insgesamt nicht weniger als 13 Kirchengemeinden und Dörfer umfaßt.

Der Pfarrsprengel Päwesin lädt gemeinsam mit dem Heimatverein Riewendsee zur Feier '300 Jahre Kirche Riewend' am Johannistag, 24. Juni 2018, um 14 Uhr ein. Auf den Gottesdienst mit Superintendent Thomas Wisch folgt ein buntes Festprogramm.

Weitere Informationen: Pfarrerin Johanna-Martina Rief; Kirchplatz 1; 14778 Päwesin; Tel.: 033838-40226; Mail: rief.j-martina@ekmb.de


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