Dorfkirche Riedebeck (Dahme-Spreewald)

Dorfkirche von Riedebeck

Die spätromanische Feldsteinkirche in dem kleinen Dorf Riedebeck (nahe Luckau) ist ein imponierender Bau: An den gewaltigen Westturm schließen sich das Schiff, der etwas schmalere Chor sowie die halbrunde Apsis an eine "vollständige Anlage".

Beim Betreten der Kirche bietet sich ein Blick in einen riesig wirkenden, leeren und dunklen Raum. Wenn das Auge sich an die veränderte Lichtsituation gewöhnt hat, nimmt es wunderschöne farbige Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert wahr und irgendwann ist der Betrachter auch von der strengen Klarheit des Kircheninneren beeindruckt. Trotzdem fühlt er sich eigenartig fremd hier.

Im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen wurde um 1960 versucht, den Kirchenraum auf seine spätromanische Gestalt zurückzuführen. Sämtliche jüngeren Ausstattungsstücke, darunter ein pausbäckiger barocker Taufengel, wurden entfernt und an eine andere Gemeinde gegeben. Eine gerade Balkendecke entstand und sogar die später vergrößerten Fensteröffnungen im Schiff wurden "rekonstruiert".

Leider geschah dieser Umbau an der Gemeinde vorbei, die kein Museum, sondern einen Andachtsraum für die sonntäglichen Gottesdienste brauchte und sich in ihrer Kirche nicht mehr so recht "zu Hause" fühlte.

Nach 1990 erhielt das marode Kirchendach eine neue Deckung. Das einzig verbliebene Ausstattungsstück, ein spätgotischer Schnitzaltar, wurde zerlegt und zu seinem Schutz mit einer Folie verhüllt. Ihn wieder auszupacken fehlte dann wohl in der Gemeinde die Kraft und der Wille.

Dorfkirche Riedebeck - Altarraum 
ANNA SELBDRITT im Schrein des spätgotischen SchnitzaltarsGroßbildansicht

Den fast vergessenen Altar wieder aufzustellen, hat sich ein neu gegründeter Verein vorgenommen. Vor einigen Wochen fanden sich etwa zwanzig Interessierte zusammen, um den "Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" ins Leben zu rufen. Die Initiative will Aktivitäten zur Erhaltung und Nutzung von 38 Kirchen rund um die Stadt Luckau bündeln, um so besser Spendenmittel einwerben und Sponsoren gewinnen zu können. Zunächst habe man einen gemeinsamen Veranstaltungskalender auf den Weg gebracht, um sich bei den zahlreichen Kirchenkonzerten nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen, erzählt Vorstandsmitglied Annegret Gehrmann aus Langengrassau.

Eines dieser Konzerte fand jetzt auch in Riedebeck statt. Die Schwarzmeer-Donkosaken sorgten nach langer Zeit wieder für eine volle Kirche. Die Besucher konnten auch die Einzelteile des Altars erstmalig bewundern, nachdem ein Restaurator aus Berlin die Farbschichten vorläufig gefestigt hatte. Die filigranen Holzfiguren sind erstaunlich gut erhalten; so steht im Mittelschrein eine faszinierende Anna Selbdritt zwischen der Heiligen Barbara mit ihrem Symbol, dem Turm und der Margareta mit dem gebändigten Drachen.

Die endgültige Wiederaufstellung des Schnitzaltars unter dem Triumphbogen zwischen Kirchenschiff und Chorbereich soll wahrscheinlich noch in diesem Jahr erfolgen, berichtet Annegret Gehrmann und soll als ein erstes Zeichen des neuen Förderkreises in der Region verstanden werden. Ein Konzept des Restaurators wird dann darüber entscheiden, wie mit der gegenwärtigen Farbfassung umgegangen wird, die 1960 ebenfalls der damaligen Vorstellung von mittelalterlicher Kunst angepasst wurde. Ein Besuch in der romanischen Dorfkirche von Riedebeck lohnt auf jeden Fall schon heute.



Zum Weiterlesen:
Homepage des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz
Lausitzer Rundschau vom 15. August 2008: Riedebeck Der älteste Kirchenbau im Raum Luckau
Lausitzer Rundschau vom 12. August 2009: Restauratoren in der Riedebecker Dorfkirche
Lausitzer Rundschau vom 16. Juli 2011: Sechs Heilige offenbaren ihre Umrisse
Lausitzer Rundschau vom 07. Januar 2013: Mittelalter-Zeugnisse in Riedebeck
Lausitzer Rundschau vom 15. April 2013: Heilige Spuren in Riedebeck
Lausitzer Rundschau vom 29. September 2016: Adler tauchen aus dem Fußboden auf

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