Einstürze und Aufbruch

Wie sich ein Startkapital mehr als verzehnfachte

Advent vor vier Jahren: Kaum war das Weihnachtskonzert in der alten Dorfkirche verklungen, da brach ein Stück Fußboden ein. Gott sei Dank kam niemand zu Schaden. Aber die Kirchenpforte musste wieder einmal nach der bauaufsichtlichen Sperrung 1990 für jegliche Nutzung geschlossen werden.

In den Jahren zuvor war die Pessiner Dorfkirche bereits mit einer sehr aufwändigen neuen Dachkonstruktion vor dem Verfall gerettet worden. Mit fast einer Million DM Baukosten waren jegliche finanziellen Reserven der 250-Seelen-Gemeinde aufgebraucht. Aber durch den fehlenden Putz und desolate Fenster drang Feuchtigkeit ein, der Echte Hausschwamm breitete sich aus.

2009 hatten auf Initiative unseres Pfarrers interessierte Bürger des Ortes eine Projektgruppe gegründet, um über die Zukunft der Kirche nachzudenken. Das Schlüsselerlebnis vor Weihnachten, aber auch die Beratung durch den Förderkreis Alte Kirchen waren nun Auslöser dafür, dass sich Anfang 2010 zwölf engagierte Bürger zu einem Förderverein zusammenschlossen. Seitdem hat eine unerwartete Erfolgsgeschichte die Arbeit unserer inzwischen 45 Mitglieder begleitet:

Schon im April 2010 wurde unser Gotteshaus zur Dorfkirche des Monats erklärt, im Mai hatten wir Lokalpolitiker eingeladen und im Juni stellten wir einen ersten Förderantrag, dem bis heute viele gefolgt sind. Da wir finanziell bei null anfingen, wurde zunächst "nur" gemeinsam aufgeräumt, wurden mit einem Flyer, Veranstaltungen und vielen Gesprächen Aufmerksamkeit erzeugt und Spendengelder akquiriert. Ganz wichtig war die Erarbeitung eines Nutzungs- und Sanierungskonzepts.

Das Startkapital, mit dem uns der FAK 2011 auszeichnete, war unsere erste größere Einnahme. Wir kauften davon Baumaterial und in über 700 Stunden Eigenleistung wurden die schlimmsten Schäden im Innenraum beseitigt. Das war die Voraussetzung dafür, dass wir unser erstes "Pessiner Kirchenkulturjahr" starten konnten mit fünf größeren Benefiz-Veranstaltungen und jeweils vollbesetzter Kirche.

Und dann brach wieder etwas ein, jetzt war es eine Treppe an der Südseite; darunter entdeckten wir ebenfalls Hausschwamm. Auch hier wurde niemand verletzt, jedoch war damit die nächste Baustelle eröffnet. Diesmal mit bezahlten Fachfirmen, aber wo immer möglich mit Eigenleistungen. Das Kirchenschiff sah aus wie ein Acker (oberes Bild). In diese Situation hinein erreichte die Kirchengemeinde der Fördermittelbescheid des Landes Brandenburg für die Hüllensanierung. Damit war auch die dafür zugesagte Fördersumme durch unseren Verein fällig. Mit einer finanziellen "Soforthilfe" des Förderkreises Alte Kirchen konnten wir gerade noch die letzten Bänke des Gestühls reparieren und wieder einbauen, bevor es draußen los ging.

In wenigen Monaten wurde eine barocke Fassade rekonstruiert, die nach Jahren des Verfalls selbst im Ort kaum noch jemandem bekannt war. Demgegenüber blieb der Backsteinturm unverputzt, hier wurden Erhaltungsmaß-nahmen durchgeführt. Leider war die Landesförderung auf die Fassade beschränkt und so mussten wir den letzten großen Bauabschnitt ohne öffentliche Förderung bewerkstelligen. Dank vielfältiger Unterstützung durch Spendenaufrufe, Öffentlichkeitsarbeit u. a Sonntagsöffnung und durch Stiftungen wird die derzeit laufende Innenraumsanierung allein durch den Förderverein und einen Anteil der Kirchengemeinde finanziert.

Jetzt entsteht eine der schönsten barocken Stuckdecken in unserer Region. Für die Stuckreliefs (Bild rechts) fanden sich Spender, aber dafür muss die Decke komplett verputzt werden. Noch einmal konnten uns der Förderkreis Alte Kirchen und dessen Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen finanziell unterstützen, mit inzwischen insgesamt 11.500 Euro ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor unseres Projektes. Nicht in erster Linie die Höhe der Förderung war dabei entscheidend, sondern die gezielte Hilfe in der jeweiligen Situation und die stets begleitende Beratung sowie die wertvollen Informationen (zum Beispiel über neue Sponsoren) aus dem Internetportal zeichnet aus unserer Sicht den FAK besonders aus.

Fünf Jahre später, mit einer Bilanz von 300.000 Euro Baukosten und 1.500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden könnten zur Konfirmation 2014 die Sanierung und ein Großteil der Rekonstruktion der 525 Jahre alten Kirche abgeschlossen werden. Das hätten uns damals selbst hochrangige Fachleute nicht zugetraut.

Andreas Flender, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Pessin

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