Die Dorfkirche von Pernitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark)

Dorfkirche von Pernitz 
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Dorfkirche von Pernitz - Altar
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Bei flüchtigem Hinsehen erscheint die Kirche von Pernitz recht unscheinbar. Auf dem ehemaligen Kirchhof des zu Golzow eingemeindeten Dorfes gelegen, erinnert sie zunächst an eine größere Friedhofskapelle. Hinter der unscheinbaren, mit Efeu bewachsenen, roten Klinkerfassade verbirgt sich jedoch ein Fachwerkbau von 1699. Erst bei einer Renovierung im Jahr 1860 wurde die Kirche im Stile der Zeit in Backstein ummantelt.

Vollends überrascht ist der Besucher, wenn er durch das Westportal in den stimmungsvollen Innenraum des Kirchleins getreten ist. Ein wunderschöner Altaraufsatz von 1689 zeigt zwischen geschnitzten Wangen zwei Gemälde der Geburt Christi und des Abendmahls. Rechts davon, an der Nordwand, steht die hölzerne Kanzel, in deren von zierlichen Säulen flankierten Feldern die Evangelisten dargestellt sind. Etwa aus der selben Zeit stammt auch der Prospekt der Brüstungsorgel auf der Westempore. Das später eingebaute Orgelwerk der Firma Schuke ist heute leider nicht mehr spielbar.

Die Ausstattung, die wie für die Pernitzer Kirche geschaffen scheint, kam erst 1752 hierher. Friedrich Wilhelm von Rochow, Patron des kleinen Landstädtchens Golzow ließ dort eine neue Kirche errichten. Auf einem künstlichen Hügel schuf der Berliner Baumeister einen achteckigen barocken Zentralbau mit Zeltdach und Schweiflaterne, deren Innenraum heute noch weitgehend in der Fassung der Bauzeit erhalten ist. Das Inventar des Golzower Vorgängerbaus kam nach Pernitz.

Heute sind die beiden Orte nicht nur auf kommunaler Ebene fusioniert, sie bilden auch eine gemeinsame Kirchengemeinde. Und weil in den letzten Jahren viel Geld in die Restaurierung des Golzower Gotteshauses geflossen ist, blieb für das Pernitzer Kirchlein nicht viel übrig.

Die Dachhaut erscheint als Mustersammlung aller möglichen Dachsteine aus den letzten drei Jahrhunderten. Wenn etwas zu flicken war, wurde verwendet, was anderswo übrig geblieben war. Ein Schornstein auf der Nordseite wird nicht mehr gebraucht; der zugehörige Ofen ist längst abgebrochen. Holzschädlinge haben sich durch sämtliche Holzteile genagt; der Dachstuhl und die Verbretterung des kleinen Dachturms müssen dringend erneuert werden. Dass sich auch frühere Generationen mit einfachsten Mittel zu helfen wussten, zeigt ein Stück Eisenbahnschiene, dass im Innenraum zwecks Stabilisierung maroder Teile in die Fachwerkkonstruktion eingemauert wurde.

Ein erstes Gutachten weist Kosten in Höhe von ca. 60.000 Euro auf, die für eine grundlegende Instandsetzung notwendig sind. Obwohl die Kirchengemeinde seit längerer Zeit Spenden sammelt, wird sie die Finanzierung der Bauarbeiten nicht allein bewältigen können. In den nächsten Wochen will sich ein Förderverein gründen, der bei der Erbringung des Eigenanteils helfen möchte.

Öffentliche Mittel für Kirchensanierungen zu bekommen, wird immer schwieriger. Ob zum Beispiel das Land Brandenburg in diesem Jahr überhaupt Mittel für die Denkmalpflege in ihren Haushalt einstellen wird, ist bis jetzt noch ungewiss. Pfarrer Jens Meiburg will verschiedene Stiftungen anschreiben und hofft auch auf die Unterstützung des neuen Vereins. Er denkt sogar schon über die nächsten Schritte nach: Eine Restaurierung der Innenausstattung ist ebenfalls nötig und vielleicht gelingt es sogar, die Orgel wieder spielbar zu machen.


Nachträge:
Gründung des Fördervereins "Kirchen in Golzow / Pernitz" e.V.
Märkische Allgemeine vom 20. Dezember 2005: Als es den Turm westwärts zog

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