Die Dorfkirche von Niederlehme (Dahme-Spreewald)

 
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1928 - AltarraumGroßbildansicht
1928 - KirchenschiffGroßbildansicht

Vor wenigen Tagen wurden vor der Dorfkirche von Niederlehme drei Glocken von einem Transporter abgeladen und in das Kirchenschiff gebracht die größte von ihnen wiegt immerhin 880 Kilogramm. Zuvor war das Geläut aus dem Turm der evangelischen Ananiaskirche in Berlin-Rixdorf ausgebaut worden, die im Februar dieses Jahres entwidmet wurde. Pfarrer Gottfried Hülsen, 21 Jahre Pfarrer der Ananiasgemeinde und seit 2008 Seelsorger der Lukasgemeinde Königs Wusterhausen, zu der Niederlehme gehört, hatte den Umzug der Glocken vermittelt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das ehemals recht kleine Bauerndorf "Nieder-Löhme" zu einem respektablen Industrieort, der sich bald über sieben Kilometer lang durch das Dahmetal hinzog. Die Vereinigten Berliner Mörtelwerke förderten in großem Umfang Sand und ab 1880 wurde Niederlehme Produktionsstandort der "Berliner Kalkstandsteinwerke Robert Guthmann GmbH". Im Jahr 1914 zählte der Ort bereits 2.300 Einwohner.

Bereits 1693 fiel die vermutlich erste Kirche in Niederlehme, ein Fachwerkbau, einem kräftigen Sturm zum Opfer. Kurfürst Friedrich III. ließ bald darauf in Wusterhausen (heute: Königs Wusterhausen) einen großen Kirchenbau errichten und befahl den Niederlehmern kurzerhand, den dortigen Gottesdienst zu besuchen. Da die Einwohner von Niederlehme lieber wieder eine eigene Kirche besessen hätten, verweigerten sie lange Zeit den Kirchgang, bis der spätere preußische König Friedrich Wilhelm I. sie durch eine Kompanie Soldaten zu den Gottesdiensten eskortieren ließ.

Erst 1913 "im 25. Jahr der gesegneten und friedlichen Regierung des Kaisers Wilhelm II.", wie es in einer Urkunde unter dem Grundstein des Altars heißt wurde in Niederlehme wieder mit der Errichtung einer eigenen Kirche begonnen. Die Entwürfe für den Bau aus einheimischen Kalksandsteinblöcken lieferte der Königliche Baurat Otto Hetzel aus Charlottenburg. Die Ausmalung des Innenraumes im Jugendstil übernahm die renommierte Firma Linnemann aus Frankfurt am Main, die Orgel schuf die Berliner "Orgelbauwerkstatt Gebrüder Dinse". Der neubarocke, vom Heimatstil geprägte Kirchenbau war Teil des vom damaligen Landeskonservator und ersten Leiter des Kirchlichen Bauamtes angeregten Kirchenbauprogramms. Der verputzte Saalbau besitzt einen rechteckigen Chor, der Turm steht südwestlich des Kirchenschiffes. Zugleich entstand ein Pfarrhaus für den neu angestellten Hilfsprediger erstmals besaß Niederlehme eine eigene Pfarrstelle, die es bis 1994 behielt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch eine Luftmine leicht beschädigt und in Jahre langer Kleinarbeit wieder instandgesetzt. Inzwischen jedoch befindet sich der Bau wieder in einem beklagenswerten Zustand. Das Dach weist Schäden auf; an einigen Stellen regnet es bereits durch. Ziegel sind brüchig geworden. An etlichen Stellen löst sich der Außenputz. Um den Verfall aufzuhalten, gründete sich 2009 ein Förderverein, der seitdem unermüdlich darum bemüht ist, Spenden für die Reparatur des Kirchengebäudes einzuwerben. Die Vereinsmitglieder haben dabei große Pläne: Nach Abschluss der nötigen Reparaturarbeiten soll auch die historische Dinse-Orgel restauriert werden. Auch die 1971 überstrichene Jugendstilausmalung des Kirchenschiffes möchte man später originalgetreu wieder freilegen.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch ein Anfang ist gemacht. Die bauzeitlichen Glocken aus Eisenhartguss hatten nur eine begrenzte Lebensdauer und durften bereits nur noch eingeschränkt geläutet werden. Die nun erhaltenen Glocken aus der Berliner Ananiasgemeinde sind aus wesentlich langlebigerem klangstahl gearbeitet. Wenn der Turm saniert ist, sollen sie dort ihre neue Heimat finden und auch akustisch zeigen, dass in Niederlehme die Kirche im Dorf bleibt.

Weitere Informationen: Förderverein der Evangelischen Kirche zu Niederlehme e.V.; Alexander Gütter; Karl-Marx-Straße 75; 15713 Königs Wusterhausen, OT Niederlehme; Tel.: (0170) 8 72 57 96; Mail: alexander.g@gmx.de


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 15. April 2014: Kirchturm im neuen Glanz
Märkische Allgemeine vom 15. Mai 2014: Ein Turm zum Jubiläum
Märkische Allgemeine vom 05. Oktober 2016: Sanierung des Kirchdaches hat begonnen


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