Die Dorfkirche von Neuendorf (Barnim)

 
 Großbildansicht
 Großbildansicht

Die Kirche des seit 1961 zur Stadt Oderberg eingemeindeten Dorfes Neuendorf liegt nicht, wie hierzulande üblich, mitten im Dorf. Der Besucher findet sie abseits der Hauptstraße, malerisch im ehemaligen Gutspark gelegen.

Erstmals erwähnt wurde Nyendorp (nova villa) 1267 in einer Urkunde des Klosters Mariensee, aus dem kurze Zeit später das Zisterzienserkloster Chorin hervorging. Im Landbuch von 1375 werden nur noch 12 Hufen Acker im Besitz des Klosters Chorin erwähnt, das Dorf selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits wüst gefallen. Auf der alten Feldmark legte dann erst im Jahr 1593 Jobst von Oppen, der Amtshauptmann von Oderberg, wieder ein Vorwerk an. Dieses lag jedoch etwas östlich des historischen Dorfgrundrisses, was den ungewöhnlichen Standort der Kirche erklärt. Nachdem Jobst von Oppen 1628 ohne männlichen Erben verstorben war, wurde Neuendorf dem Joachimsthalschen Schulamt überwiesen, das bis ins 20. Jahrhundert hinein auch das Patronat über die Kirche innehatte.

Die Kirche aus sorgfältig behauenen Feldsteinen mit einem gleich breiten Turm und den umfangreichen Resten einer Sakristei auf der Nordseite stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Obwohl das Dorf mehr als zwei Jahrhunderte eine Wüstung war und die Kirche in dieser Zeit vermutlich nicht genutzt wurde, blieb die mittelalterliche Bausubstanz mit den originalen schmalen Fensteröffnungen erstaunlich gut erhalten. Lediglich der über die Traufe des Kirchenschiffes hinausragende obere Teil des Turmes wurde nach der Wiederbesiedlung zu Beginn des 17. Jahrhunderts neu aufgemauert.

 
 Großbildansicht

Aus dieser Zeit stammt auch die beeindruckende, einheitliche Ausstattung des Innenraumes. Altar, Kanzel, Gestühl und Westempore wurden 1615 durch den damaligen Patron Jobst von Oppen und seine Frau Katharina, geborene Barfus, gestiftet. Eine im selben Jahr durch Friedrich Kessler in Küstrin gegossene Glocke ist laut Inschrift ein Geschenk des Kurfürsten Johann Sigismund.

Der durch Säulen gegliederte qualitätsvolle Altaraufsatz zeigt im Hauptfeld ein figurenreiches Gemälde der Kreuzigung, im Obergeschoss eine Darstellung der Auferstehung sowie in seitlichen Nischen die vier Evangelisten, bekrönt von einem Pelikan als Christussymbol. Das stattliche Patronatsgestühl besteht aus zehn Sitzen, über denen Bildtafeln mit Patronatswappen und Sinnsprüchen angebracht sind. Mehrere Inschriftengrabsteine, von denen einer an ein 1632 im Alter von lediglich vierzehn Tagen verstorbenes Mädchen erinnert, komplettieren die Ausstattung des stimmungsvollen Innenraumes.

Bereits in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts konnte das Dach der Neuendorfer Kirche neu gedeckt werden, so dass der Baukörper selbst keine gravierenden Schäden aufwies. Sorgen bereitete jedoch die beschriebene hölzerne Ausstattung; speziell der Renaissance-Altar bedurfte dringend einer Bestandssicherung, worauf der Restaurator Volker Ehlich aus dem nahen Brodowin in einem Gutachten dringlich hinwies. Um dem abzuhelfen, gründete sich im Jahr 2006 der "Förderverein Wehrkirche Neuendorf", der mit vielfältigen Veranstaltungen dazu beitrug, die Kirche aus der geographischen Randlage zurück ins geistige und kulturelle Zentrum des Ortes zu bringen und damit reichlich Spenden für die Restaurierung des Altarretabels einwarb. Drachenfeste, Hubertusmessen und zahlreiche Konzerte wurden organisiert, begleitet immer von liebevoll gestalteten Kuchenbüfetts der freundlichen Neuendorfer Gastgeber. Immer, wenn wieder genügend Spenden zusammen waren, konnten weitere Teile des Retabels gereinigt, gefestigt und ergänzt werden. Auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligte sich mit einem Zuschuss an der Finanzierung der Arbeiten. Im Frühjahr dieses Jahres kam dann die erfreuliche Nachricht, dass die Friede-Springer-Stiftung den noch offenen Betrag von etwa 6.500 Euro zur Verfügung stellen wird.

Am Sonntag dem 12. August konnte in der Neuendorfer Kirche der Abschluss der Restaurierung des Altaraufsatzes mit einem Festgottesdienst gefeiert werden. Nachdem der örtliche Förderverein einen neuen Zugang zur Kirche angelegt und für Wegweiser bzw. Hinweisschilder gesorgt hat, finden auch immer mehr Besucher den Weg zu dem etwas versteckt liegenden Gotteshaus. Der Schlüssel ist übrigens im Gasthaus "Zum großen Stein" zu bekommen, das an der Hauptstraße nicht zu übersehen ist.

Weitere Informationen: Förderverein Wehrkirche Neuendorf; Rudolf Hintze; Neuendorf 33a; 16248 Oderberg; Tel. (03 33 69) 7 56 62


  zurück