Die Dorfkirche Melzow (Landkreis Uckermark)

Dorfkirche Melzow 
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Dorfkirche Melzow - Altar
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Die Dorfkirche von Melzow ist ein Saalbau aus zum Teil sorgfältig gequaderten Granitsteinen, entstanden wahrscheinlich am Ende des 13. Jahrhunderts. Der einfache, verbretterte Dachaufsatz stammt aus der Zeit des Barock. Zur selben Zeit, im 18. Jahrhundert, wurden auch die rundbogigen Fenster in die Feldsteinmauern gebrochen.

Sakralbauten dieser Art gibt es viele in der Uckermark. Das besondere in Melzow sind das hochwertige Inventar und die hier inzwischen zur Tradition gewordenen Melzower Sommerkonzerte.

 Dorfkirche Melzow - Orgel alt
 
Dorfkirche Melzow - Orgel neu

Aus dem Erlös dieser Konzerte sowie durch Fördermittel und Spendensammlungen des Fördervereins "Freunde der Melzower Kirche" war es im vergangen Jahr 2004 möglich, die historische Orgel zu restaurieren. Das Instrument, 1859 von der Berliner Firma Lang und Dinse gebaut, war auf Grund massiver Schäden vierzig Jahre nicht gespielt worden. Dem mangelnden Geld für die Instandsetzung in früheren Zeiten ist es vielleicht zu verdanken, dass fast die komplette Originalsubstanz erhalten blieb. Der wundervolle Klang der für eine Kirche dieser Größe idealen Orgel zeigt inzwischen sowohl in Konzerten als auch bei den sonntäglichen Gottesdiensten dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Neben der Orgel wichtigstes Ausstattungsstück ist der hölzerne Altaraufsatz von 1610 die Jahreszahl ist einer Inschrift am unteren Rand der Predella zu entnehmen. Renaissance-Altäre dieser Art gibt es mehrfach in der Uckermark. Sie entstammen der sogenannten "Prenzlauer Schule" und finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Beispiel in den Kirchen von Seehausen und Seelübbe. Dort ist, im Gegensatz zu Melzow, noch viel von der originalen Farbigkeit erhalten. Eine stilistische Verwandtschaft besteht auch mit dem nur ein Jahr früher (1609) entstandenen Altar in der Nikolaikirche zu Prenzlau, der mit seinen vielfigurigen Reliefszenen natürlich weitaus prachtvoller gearbeitet ist.

Die Kanzel entstand wohl zur selben Zeit und in der selben Werkstatt. Sie stand anfangs jedoch sicher separat an der nördlichen Seitenwand. In den Altaraufsatz wurde sie erst später eingefügt vermutlich nach 1760, als das Gestühl in die Kirche eingebaut wurde und dadurch der Platz knapp wurde. An der Stelle des Kanzelkorbes befand sich wahrscheinlich ein Tafelbild, das nach protestantischer Ikonographie eine Kreuzigungsszene darstellte. Leider ist diese Darstellung nicht erhalten.

Bereits im späten 19. Jahrhundert erhielt der ursprünglich stark farbige Altar eine neue Fassung. Die geschnitzten Reliefs wurden dick mit weißer Farbe überstrichen, die Bildgründe erhielten einen blauen Anstrich, dazu kamen einige Vergoldungen. Trotz dieser Übermalungen sind die individuell gearbeiteten Figuren und das feine Beschlagwerk gut zu erkennen. In der Predella sind das Abendmahl, die Opferung Isaaks und (vermutlich) die Hochzeit zu Kanaa dargestellt. Am Kanzelkorb finden sich in Muschelnischen Reliefs der Evangelisten und in den Seitenfeldern verschiedene allegorische Figuren. In dem Auferstehungsrelief, das den oberen Abschluss des Altars bildet, ist die Figur Christi verloren gegangen. Leider hat der Zahn der Zeit inzwischen an dem Kunstwerk genagt, so dass eine Restaurierung dringend erforderlich wurde. Die Farbschichten haben sich gelöst, Holzverbindungen sind gelockert, Teile des Beschlagwerks abgefallen und an einigen Stellen ist der Holzwurm aktiv.

Inzwischen steht fest, dass noch in diesem Sommer eine Restauratorin ihre Arbeit aufnehmen kann, um den Melzower Altar Schritt für Schritt wieder in voller Schönheit erstrahlen zu lassen. Geld dafür kommt u.a. von der Landeskirche, der deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Landkreis Uckermark. Für den nötigen Eigenanteil sollen auch weiterhin die Erträge aus den "Melzower Sommerkonzerten" zur Verfügung stehen, deren Publikum inzwischen weit über die Region hinaus anreist. Zum Eröffnungskonzert mit einem Hamburger Barock-Ensemble war die Kirche am Pfingstsonntag bis auf den letzten Platz gefüllt.

Hier die weiteren Termine der Melzower Sommerkonzerte 2005:

Samstag, 4. Juni 2005 um 19.30 Uhr
Abschlusskonzert des Kammermusikseminars in Melzow
Musikstudenten der Universität der Künste Berlin musizieren werke von Bach, Vivaldi u.a.
Seminar und Konzertleitung: Prof. Christoph Huntgeburth

Samstag, 18. Juni 2005 um 19.30 Uhr
"Klassik"

Flötenquartette und Trios von W. A. Mozart und Zeitgenossen
Ensemble Sanssouci Berlin

Samstag, 23. Juli 2005 um 19.30 Uhr
Orgelkonzert

An der Lang und Dinse Orgel (1859): Pavel Cerny (Prag)
Werke von J. S. Bach, Mendelssohn u.a.

Samstag, 13. August 2005 um 19.30 Uhr
Jazzkonzert mit der Band "Créme Fraiche"

Titel von D. Brubeck, F. Bramböck, S. Taylor und Eigenkompositionen

Samstag, 3. September 2005 um 19.30 Uhr
Stilo Fantastico

Konzert mit dem Ensemble Bassonore (Im Rahmen der Uckermärkischen Musikwochen)

Veranstalter: Freunde der Melzower Kirche e.V.

Die Konzerte finden in der Melzower Dorfkirche statt und sind Benefizkonzerte zur Restaurierung des wertvollen Melzower Renaissance-Altars (1610). Der Eintritt ist frei, um Spenden wird herzlich gebeten. Im Anschluss an die Konzerte sind Sie eingeladen zu einem Glas Wein in der Alten Schmiede neben der Kirche

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