Die Dorfkirche von Löwenbruch (Teltow-Fläming)

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"Eine Meile hinter Großbeeren, seine hoch gelegenen fruchtbaren Äcker an einem Stücke Bruchland entlangziehend, liegt das Dorf Löwenbruch." Mit diesem Satz beginnt Theodor Fontane das Kapitel über Löwenbruch im Band "Spreeland" seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Wer jedoch erwartet, eine ausführliche Beschreibung der dortigen Kirche zu finden, wird enttäuscht. Das Löwenbrucher Gotteshaus interessierte den Dichter bei seinen mehrfachen Besuchen anscheinend nicht sonderlich; lediglich "die schön geschnitzte Kanzel, die Achatz von Alvensleben der Löwenbrucher Kirche zum Geschenk machte" findet in einem Nebensatz Erwähnung. Ansonsten widmet sich Theodor Fontane seinem Lieblingsthema, der Genealogie preußischer Adelsgeschlechter.

Das heute zu Ludwigsfelde eingemeindete Dorf Löwenbruch wurde 1346 erstmals urkundlich erwähnt; damals gehörte es zur Herrschaft Zossen und besaß mehrere Rittergüter. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten des Öfteren die Patronatsfamilien; zu Fontanes Zeiten und bis zum Kriegsende 1945 war der Ort im Besitz der Familie von dem Knesebeck.

 
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Die von einem Friedhof umgebene Kirche ist ein einfacher verputzter Ziegelbau mit einem steilen Satteldach und einem eingezogenen, vermutlich älteren, Westturm, den oben erwähnter Achatz von Alvensleben an Stelle eines maroden Vorgängerbaus errichten ließ. Drei Jahre später, 1719, stiftete dieser auch den prächtigen Kanzelaltar, worauf eine Inschrift auf der Rückwand der Altarwand hinweist. In den Feldern des Kanzelkorbes finden sich in ovalen Blattrahmen die Reliefs der vier Evangelisten sowie eines evangelischen Predigers, letzterer mit dem selbstbewussten Spruch versehen: "Gottes Wort und Luthers Lehr, vergehet nun und nimmermehr!" Vielleicht ist es sogar Martin Luther selbst, den ein unbekannter Künstler hier abbildete; seine Darstellung als "fünfter Evangelist" ist in der damaligen Zeit nicht selten.

Weitaus älter als der Kanzelaltar und das jetzige Kirchengebäude sind drei wertvolle mittelalterliche Schnitzfiguren. Auf einer Konsole links vom Altar steht eine Anna Selbdritt, die in jüngerer Zeit die Gemeinde dazu motivierte, ihrer Gemeinde den Namen St. Anna zu geben. Die Skulptur entstand um 1380 und stammt ursprünglich aus einem Retabel, das heute in der Dorfkirche von Sieversdorf (Oder-Spree) zu besichtigen ist. Zu den ältesten erhaltenen Holzskulpturen der Mark gehört ein thronender Bischof aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Etwa einhundert Jahre später entstand die Figur eines Papstes. Dank einer großzügigen Spende, die der Förderkreis Alte Kirchen von der Irene und Karl Blumenberg Stiftung erhielt und an die Kirchengemeinde weiterreichen konnte, war es möglich, die Figuren, die noch vor Kurzem gravierende Schäden aufwiesen, restaurieren zu lassen. In einer neu gestalteten Vitrine in einer Nische auf der Südseite des Kirchenschiffes werden Bischof und Papst nun dem Publikum präsentiert.

Schließlich gehört zur Ausstattung der Dorfkirche noch eine hölzerne Taufe, die inschriftlich 1670 datiert ist. Auf einem sich oben erweiternden Sockel ruht ein sechseckiger Taufkorb, dessen für die Spätrenaissance typischen Seitenflächen mit farbigen Beschlagwerksteinen besetzt sind. In der Mitte des Kirchenschiffes hängt an einem Rollensystem befestigt der Taufdeckel, der über ein langes Seil von der Vorhalle im Westturm aus herabgelassen werden kann. Bei einer Renovierung der Kirche 1969 erhielt die Taufe einen laienhaften, verfälschenden Farbanstrich. Auch wies sie inzwischen erhebliche Holzschäden auf. Auch hier konnte die Blumenberg Stiftung helfen: Seit einigen Wochen befindet sich die Taufe in der Werkstatt des Berliner Restaurators Dirk Jacob. Vermutlich bis Ostern des kommenden Jahres 2015 wird sie im restaurierten Zustand in die Kirche zurückkehren.

Potentielle Besucher können übrigens im Gasthof "Zum Löwen" (Tel.: 03378-202880) nach dem Kirchenschlüssel fragen.

Die Evangelische Dorfkirche St. Anna Löwenbruch auf der privaten Homepage Gotteshäuser im Aufbruch im ev. Kirchenkreis Zossen-Fläming.


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