Die Dorfkirche von Löhme (Landkreis Barnim)

Dorfkirche Löhme 
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Dorfkirche Löhme - Innen
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Dorfkirche Löhme - Innen
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Als Theodor Fontane sich im März 1861 mit dem Historiker und Sammler märkischer Sagen Wilhelm Schwarz auf den Weg nach dem Landstädtchen Werneuchen machte, um nach Spuren des dort einige Jahrzehnte zuvor wirkenden Pfarrers und Poeten Friedrich Wilhelm August Schmidt zu suchen, kam er auch durch das Dorf Löhme: "Dorf Blumberg liegt längst hinter uns und nun auch Seefeld und Löhme, zwei Zwillingsdörfer, die von hüben und drüben ihre völlig gleichen Kirchturmspitzen im Wasser des Löhme-Sees spiegeln." Kurz vor dem Ziel ihrer Reise werden die Wanderer von einem Reisewagen aufgenommen, in welchem sie den "Amtsaktuarius Bernhard aus Löhme nebst Frau und Familie" kennen lernen, welche Begegnung Fontane auch in gewohnt humorvoller Weise beschreibt.

Das Dorf Löhme und seine Kirche waren für den Dichter anscheinend nicht von Interesse; es fehlte vermutlich der historische Bezug, der für Fontane nötig war, um ihm einen Ort erst interessant zu machen. Dabei hätte eine kurze Rast durchaus gelohnt.

Die inmitten des von einer Mauer umgebenen Friedhofs gelegene Kirche ist ein Feldsteinbau mit dreiseitigem Ostschluss und einem wuchtigen, nahezu quadratischem Westturm. Das unregelmäßige Mauerwerk und die Verwendung von Backstein am Sockel sowie an den Fenstergewänden lassen auf eine Entstehungszeit erst im späten 15. Jahrhundert schließen. Eine bereits um 1300 gegossene Glocke macht einen Vorgängerbau wahrscheinlich.

Der flach gedeckte Innenraum wird wesentlich geprägt von Ausstattungsstücken im Stil der Renaissance. Eine 1620 entstandene Empore an der Nordwand war ursprünglich verglast und diente als Patronatsloge. In den Brüstungsfeldern sind Wappentafeln erhalten, die auf die damalige Patronatsfamilie von Arnim und deren weitläufige Verwandtschaft hinweisen. Aus der selben Zeit stammt auch die hölzerne Kanzel. Die Schnitzfiguren in den durch Muschelnischen hervorgehobenen Brüstungsfeldern des Kanzelkorbes stellen Christus als Salvator mundi sowie die Evangelisten dar. Der mittelalterliche Altarblock wird lediglich von zwei Leuchtern und einem einfachen Kruzifixus geschmückt. Der Schöpfer des 1848 entstandenen Gemäldes "Christus im Garten Gethsemane", das hinter dem Altar im Chorraum hängt, ist namentlich nicht bekannt. Erhalten sind darüber hinaus zwei Epitaphe für Frantz von Arnim (gestorben 1587) und Joachim Friedrich Fromme (gestorben 1762) und dessen Frau. Einem um 1700 entstandener Taufengel fehlen Teile der Arme, Füße und Flügel. Trotzdem beeindrucken der fein modellierte Kopf des Engels und die qualitätsvolle Schnitzarbeit des Gewandes. Gegenwärtig befindet sich der Taufengel zu substanzsichernden Arbeiten in der Wünsdorfer Werkstatt des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Im Jahr 1998 konnte das Dach des Kirchenschiffes neu gedeckt werden. Weitere Instandsetzungsarbeiten jedoch sind dringend notwendig, so ist das Mauerwerk durch aufsteigende Feuchtigkeit geschädigt. Um dem abzuhelfen, aber auch um das Kirchengebäude über die nur noch selten stattfindenden Gottesdienste hinaus für vielfältige Veranstaltungen zu öffnen, gründete sich vor einem Jahr der "Förderverein Dorfkirche zu Löhme" e.V..

Nachdem Studenten der Frankfurter Universität Viadrina vor kurzem einen "Jakobsweg" von Frankfurt / Oder nach Berlin installierten, möchte der Förderverein das Löhmer Gotteshaus als "Kirche am Pilgerweg" in regionale Tourismuskonzeptionen integrieren. Eine auf einem Bauernhof nahe der Kirche geplante Pilgerherberge soll zur Rast oder zur Übernachtung einladen. Künftig sollen Reisende nicht wie vor knapp einhundertfünfzig Jahren Theodor Fontane Löhme einfach links liegen lassen. Wie bereits gesagt: Ein Besuch lohnt sich!
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