Die Dorfkirche von Lindenhagen (Landkreis Uckermark)

Kirche Lindenhagen 
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Wer sich mit der Geschichte des Dorfes Lindenhagen und seiner Kirche beschäftigt, wird in alten Urkunden, Kirchenbüchern oder Publikationen vergeblich suchen. Bis 1949 nämlich trug der 1324 erstmals erwähnte Ort den Namen Hindenburg. Obwohl das uckermärkische Dorf mit dem Generalfeldmarschall und späteren Reichspräsidenten nicht das geringste zu tun hatte, passte dieser Name nicht in die neue, sozialistische Zeit. Inspiriert vielleicht von den Lindenbäumen rund um das Kirchengebäude, erfolgte die amtlich veranlasste Umbenennung.

Ursprünglich im Besitz der Ritter von Bentz, gelangte der Ort, nachdem diese Familie "im Mannesstamm erloschen" war, 1465 in das Eigenturm der Stadt Prenzlau.

 Kirche Linedenhagen
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Kirche Lindenhagen
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Schon damals jedoch war Hindenburg (Lindenhagen) eine wüste Dorfstelle. Lange Zeit blieben die Hofstellen unbesetzt, bis am Ende des 17. Jahrhunderts reformierte Glaubensflüchtlinge aus der Pfalz hier angesiedelt wurden. Diese Reformierten waren es auch, die die mittelalterliche Feldsteinkirche nach Jahrhunderten des Verfalls wieder instand setzten. Dabei wurden die ursprünglichen Fenster korbbogig vergrößert und zwei Portale auf der Nordseite zugemauert. Die Wetterfahne auf dem allerdings erst 1793 entstandenen barocken Turmaufsatz nennt als Datum der abgeschlossenen Wiederherstellung des Gotteshauses das Jahr 1706.

Aus dem selben Jahr stammen auch die Empore und das Gestühl. Den Altar bildet nach reformierter Tradition ein einfacher gemauerter Tisch. Schmuckvoll dagegen ist die mit gedrehten Säulchen und einem bekrönten Schalldeckel verzierte barocke Kanzel gestaltet. Die Tür zur Kanzeltreppe zeigt neben der Jahreszahl 1708 das Bild eines Schwans, der das Wappentier der Stadt Prenzlau ist.

Noch heute ist Lindenhagen Sitz eines reformierten Pfarramtes. Das Kirchengebäude jedoch wird für Gottesdienste nur selten genutzt. Für die kleine Gemeinde ist ein Raum im Pfarrhaus völlig ausreichend.

Vor einigen Jahren wurde das Kirchendach neu gedeckt. Akut drängende bauliche Aufgaben gibt es also nicht, auch wenn im Innenraum noch viel zu tun wäre. Das Hauptproblem der Lindenhagener Kirche ist die mangelnde Nutzung; fast immer ist sie verschlossen.

Auf dieses Problem macht seit kurzem ein Kunstprojekt im Kirchenraum aufmerksam. Auf Initiative des Architekten und versierten Lehmbauers Jörg Wappler und in Absprache und Zusammenarbeit mit der reformierten Gemeinde wurden Stampflehmwände in den Kirchenraum gestellt. Der Besucher muss diesen Hindernissen ausweichen, wenn er den Kirchenraum betritt. Auch der Blick auf den Altartisch ist durch eine Wand verwehrt.

Ästhetisch passen sich die temporären Kunstwerke hervorragend in den Kirchenraum ein. Durch die Verwendung unterschiedlicher Lehmsorten entstand ein warmes Farbenspiel. Die glatte und doch raue Oberfläche der Wände lässt sich auch sinnlich wahrnehmen. Dennoch stören die Einbauten; und genau das ist auch der Sinn dieser Aktion. Bei der gut besuchten Eröffnung, die mit Gottesdienst und Gemeindefest verbunden war, wurden die verschiedensten Fragen diskutiert: Ist das wirklich Kunst? Darf man so etwas in einer Kirche? Wird in Lindenhagen überhaupt noch eine Kirche gebraucht? Und zumindest die letzte Frage wurde eindeutig bejaht. Während der Aktion, die mindestens bis in den Herbst hinein zu besichtigen ist, bleibt die Kirche geöffnet. Angeregt wurde ein Schülerprojekt, das die Geschichte der Reformierten in der Uckermark und speziell in Lindenhagen untersucht. Auf diese Weise könnte eine kleine Ausstellung entstehen, die auch die Geschichte des Kirchengebäudes dokumentiert. Auf jeden Fall wurde eine Diskussion angestoßen, die für die Zukunft der Lindenhagener Kirche wichtige Impulse geben könnte.

Die Stampflehmaktion wurde im Rahmen des Projektes "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" unterstützt vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und der Kulturstiftung des Bundes.

Weitere Informationen: Reformiertes Pfarramt Lindenhagen; Tel.: (03 98 56) 2 72)

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