Die Komtureikirche St. Sebastian in Lietzen (Märkisch-Oderland)

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Als Zeugnis der Besiedlungs- und Wirtschaftstätigkeit des Templer- und später des Johanniterordens ist die Komturei Lietzen, nordwestlich des einstigen Bischofssitzes Lebus gelegen, in ihrer geschlossen erhaltenen Anlage eines mittelalterlichen Ordenshofes ein einzigartiges Geschichtszeugnis im Osten des heutigen Landes Brandenburg.

Gestiftet allerdings wurde der Ordenshof durch den schlesischen Herzog Heinrich I., genannt der Bärtige; das Bistum Lebus, zu dem Lietzen gehörte, befand sich damals noch unter der Herrschaft Schlesiens. Heinrich also überließ zur Besiedlung und Urbarmachung, aber wohl auch als Grenzbastion gegen die askanischen Markgrafen im benachbarten Brandenburg etwa 1229 dem Templerorden 350 Hufen Land zur Anlage eines Wirtschaftshofes. Zur daraus entstehenden Kommende gehörten neben Lietzen auch die Dörfer Gorgast, Heinersdorf, Neuhardenberg, Neuentempel und Tempelberg, später auch Dolgelin und Marxdorf. Nach der Aufhebung des Templerordens ging die Komturei 1318 in den Besitz der Johanniter über. Mit der Säkularisierung 1811 kam die Anlage als Geschenk des preußischen Königs in das Eigentum der Familie des Staatskanzlers von Hardenberg. Die Familie von Hardenberg besaß die Komturei bis 1945 und ist nach einer Rückerstattung des Besitzes nach 1990 auch heute wieder Eigentümer.

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Der von einer Feldsteinmauer umgebene Hof der Komturei umfasst eine Fläche von 300 mal 400 Metern. Erhalten blieben als beeindruckendes Ensemble der mächtige, ebenfalls aus Feldstein gemauerte mittelalterliche Speicher mit seinem hohen Satteldach, das nach mehreren Umbauten barock überformte Herrenhaus und die ehemalige Komtureikirche, ein Feldsteinbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, der etwa zweihundert Jahre später um einen Backsteinchor nach Osten erweitert wurde. Zu dieser Zeit wurden auch die Sterngewölbe im Innenraum eingezogen, der ansonsten jedoch von einer barocken Ausstattung des 18. Jahrhunderts geprägt ist. Im Mittelpunkt steht ein prächtiger, reich geschmückter Kanzelaltar. Den Aufbau flankieren rechts und links Schnitzfiguren von Moses und Johannes dem Täufer. Zwischen korinthischen Säulen und üppigem Pflanzendekor zeigen die Felder des Kanzelkorbes geschnitzte Darstellungen Christi und der vier Evangelisten. Ein qualitätsvoller, schöner Taufengel, der wohl aus der Werkstatt des Mohriner Bildschnitzers Bernhard Heinrich Hattenkerell stammt, kam nach einer inzwischen verlorenen Inschrift im Jahr 1730 in den Kirchenraum; eine Konservierung des Engels in naher Zukunft wäre empfehlenswert. An das Mittelalter erinnert in der Kirche lediglich eine Grabplatte aus Kalkstein für den 1276 verstorbenen Magister Johannes de Neindorp.

Es grenzt an ein Wunder, dass die Lietzener Komturei und insbesondere auch die Kirche bei den schweren Kämpfen im Frühjahr 1945 verschont blieben. Während zahlreiche Gotteshäuser in den benachbarten Ortschaften völlig zerstört wurden, überstand die Lietzener Komtureikirche den Krieg nahezu unbeschädigt. Im barocken Fachwerk-Turmaufsatz blieben sogar und das ist für die Region vermutlich einzigartig drei Glocken erhalten, die 1698 durch den Stettiner Glockengießer Johann Jakob Mangold geschaffen wurden. Leider jedoch kann das historische Geläut bereits seit Jahrzehnten nicht mehr zum Klingen gebracht werden. Eine der Glocken ist gesprungen, alle drei müssen in ihren Schlagringen verstärkt werden. Der Glockensuhl und die Glockenaufhängung müssen vollständig ersetzt werden. Der im vergangenen Jahr gegründete Förderverein Komturei Lietzen e.V. möchte die historischen Glocken instand setzen lassen, damit ihr Läuten wieder regelmäßig die Tageszeit anzeigen kann. An der Finanzierung der Arbeiten wird sich der Förderkreis Alte Kirchen mit einem Betrag in Höhe von 2.000 Euro beteiligen.

Weitere Informationen: Förderverein Komturei Lietzen e.V.; Friedemann Hanke; Lietzen Nord 38; 15306 Lietzen; Tel.: (03 34 70) 4 96-0; Mail: info@komturei-lietzen.de


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