Die Kirchenruine von Lichtenberg (Frankfurt/Oder)

 Kirchenruine Lichtenberg
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Dorfkirche Lichtenberg
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Nahe Frankfurt (Oder) liegt auf einer kleinen Anhöhe die Ruine der Lichtenberger Dorfkirche. Seit gut zwei Jahren ist sie aus ihrem fast 60 Jahre währenden Dornröschenschlaf erwacht.

Noch in den letzten Kriegstagen war der im Kern frühgotische Feldsteinbau erheblich zerstört worden, in den 1950er Jahren stürzte der Dachstuhl ein - Trümmergestein wurde zum Wiederaufbau anderer Häuser im Dorf genutzt. Über Jahrzehnte diente das gegenüber liegende Gemeindehaus als Gottesdienstraum. Im Jahr 2000 gewann die neue Pfarrerin Katharina Falkenhagen zusammen mit Ortsvorsteherin Ellen Thom den "harten Kern" der evangelischen Gemeindeglieder des 400 Einwohner-Ortes für das Vorhaben, die Kirchenruine zu sichern. Das Landesamt für Denkmalpflege setzte die Lichtenberger Dorfkirche auf die Prioritätenliste. Gemeinsam machte man sich auf den beschwerlichen Weg, um über Spenden und das Förderprogramm "Dach und Fach" die geschätzte Instandsetzungssumme von einer halben Million Euro aufzubringen.

2001 begann der Arbeitseinsatz für die gemeinsame Sache, die Lichtenberger auf neue Art und Weise zusammenzuschmieden. Mit kleinem Bagger, mit Schubkarre, Schaufel, Säge und was sich sonst so im Werkzeugkasten fand, rückten die Dorfbewohner zu Arbeitseinsätzen an: Sie befreiten das Kirchenschiff vom 1,20 Meter hoch liegenden Bauschutt, trugen die lockeren Steine der Mauerkronen ab, stoppten den Wildwuchs. Einmal angefangen, gab es auch unverhoffte Hilfe von außen: Nachdem das Grünflächenamt eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatte, fällte die Freiwillige Feuerwehr Frankfurt (Oder)-Mitte die Bäume im Kirchenraum im Rahmen einer Übung. Die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft verlegte kostenlos eine 40 Meter lange Wasserleitung zur Kirchenruine.

Seit dem Herbst 2003 sind die Mauerkronen des Kirchenschiffs und seiner beiden Anbauten gesichert, die Sakristei hat ein neues Dach bekommen. In der Kirche fanden bei gutem Wetter Freiluft-Gottesdienste statt - und inzwischen sogar eine Trauung. Benefizkonzerte und andere Veranstaltungen, wie der Sommerkino-Abend und das gemeindliche Herbstfest, ließen den Kirchenraum ohne Dach mehr und mehr zum Treff- und Identifikationspunkt der Lichtenberger werden.

In den Folgejahren soll der südliche Anbau, der Patronatsstuhl, ein Dach erhalten. Die Mauerkronen des Turms müssen gesichert werden, eine Art schwebendes Dach könnte dem Kircheninneren Regenschutz bieten. Und dann gibt es noch die ganz große Zukunftsvision: den Wiederaufbau des Turmes, in dem die letzte der ehemals drei Glocken wieder ihren angestammten Platz finden könnte. In den 1970er Jahren war sie zu Boden gestürzt; glücklicherweise machten zwei mit Sicherungsarbeiten am Turm beschäftigte Maurer gerade draußen vor dem Kirchenportal ihre Frühstückspause… Wie durch ein Wunder blieb die Glocke bei ihrem Sturz unversehrt und hängt seither in einem hölzernen Glockenturm neben der Kirche. Jeden Abend um 18 Uhr wird sie so pünktlich geläutet, dass man die Uhr danach stellen kann. Die Lichtenberger haben sich entschlossen, ihre Kirche im Dorf zu lassen. Sie haben dabei nicht nur Gemeinschaft gewonnen.

Karin Göbel

Der Text ist auch in der neuen Broschüre des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. "Offene Kirchen 2004. Brandenburgische Dorfkirchen laden ein" erschienen.

Ansprechpartnerinnen: Pfarrerin Katharina Falkenhagen (0335) 4 00 79 07 oder Ortsvorsteherin Ellen Thom (0335) 5 21 21 55



Zum Weiterlesen:
Märkische Onlinezeitung vom 09. März 2015: Feiertag für Lichtenberg
Märkische Onlinezeitung vom 05. Januar 2017: Lichtenberger sammeln für Kirchturmdach

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