Die Dorfkirche von Lauta-Dorf (Landkreis Bautzen)

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Abschluss der Exkursion Musikalisch durch die Niederlausitz - 3
Fotos (auch rechts): Bernd Janowski
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Die zur Niederlausitz gehörende Gemeinde Lauta liegt am südlichen Rande des Lausitzer Seenlandes. Verwaltungstechnisch gehört das direkt an der Landesgrenze zu Brandenburg gelegene Dorf zum Freistaat Sachsen, kirchlich jedoch zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Erstmalig urkundlich erwähnt wird das Dorf Lauta (damals Luthe, woran noch heute die sorbische Ortsbezeichnung Łuty erinnert) 1374 in einem Zinsbrief des nahe der Stadt Kamenz gelegenen Zisterzienserinnen-Klosters St. Marienstern. Chroniken erzählen von Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges, als 1641 schwedische Reiter im Dorf Feuer legten und von einem weiteren verheerenden Brand, der am 1. Mai 1769 bis auf Kirche, Pfarrhaus, Schule und ein einzelnes Gehöft wiederum das ganze Dorf zerstörte. Die große Geschichte jedoch machte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen einen Bogen um Lauta. Das änderte sich erst, als die Vereinigte Aluminiumwerke AG im Jahr 1917 östlich des alten Dorfes hier eine gewaltige Aluminumhütte - das sogenannte Lautawerk - zu bauen begann. Zeitgleich entstand für die Beschäftigten des Werkes die Gartenstadt Lauta-Nord als damals hochmoderne Werkssiedlung. 1965 fusionierten die Ortsteile zur Stadt Lauta, die Altsiedlung erhielt als Ortsteil die Bezeichnung Lauta-Dorf.

Die Dorfkirche von Lauta, ein kleiner verputzter Feldsteinbau aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts, wurde nach den erwähnten Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg ab 1652 mit einem steilen Satteldach und einem mittig aufgesetzten Dachreiter wieder aufgebaut. Ein frei stehender verbretterter Glockenturm steht etwas versetzt südlich vom Kirchengebäude. Er trägt eine dem heiligen Laurentius gewidmete Glocke, die nachweislich 1512 gegossen wurde und der Sage nach aus einer uralten, heute nicht mehr existierenden Kapelle auf dem nahen Koschenberg stammen soll.

An den gotischen Ursprungsbau erinnern das spitzbogige Portal auf der Südseite des Gotteshauses, zwei ursprüngliche schmale Fenster, die Sakramentsnischen im Altarraum und der schöne achteckige Taufstein aus dem 15. Jahrhundert.

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So bescheiden die Lautaer Dorfkirche von außen wirkt, so überraschend wirkt der stimmungsvolle Innenraum auf den Betrachter. Durch zweimal drei hölzerne Säulen entsteht unter einer flachen Holzdecke der Eindruck eines dreischiffigen Kirchenraumes. Die vorschwingende Orgelempore und eine daran anschließende Empore auf der Nordseite wurden von 1663 und 1667 durch Michael Krumach mit Motiven aus der Passionsgeschichte und mit naiven Rankenmalereien versehen. Bereits kurz zuvor, 1657, entstand auch der Altaraufsatz im typischen architektonischen Aufbau und Dekor der Renaissance mit freistehenden Säulen und reichlichem Beschlagwerk. Eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe im mittleren Hauptfeld wird auf zwei seitlichen Flügeln flankiert durch gemalte Szenen aus dem Leben Jesu. Die Predella bildet ein geschnitztes Abendmahl, während die Bekrönung eine detailreiche Darstellung des Jüngsten Gerichtes darstellt, gerahmt von fünf Engelsfiguren, die die Marterwerkzeug Christi - Hammer und Nagel, Isopstab, Leiter und Kreuz)präsentieren.

Die ebenfalls zeitgleich entstandene Kanzel zeigt an den Brüstungsfeldern Bilder Christi und der vier Evangelisten. Am Aufgang findet sich eine schöne Darstellung vom Traum Jakobs von der Himmelsleiter. Die Orgel schuf ursprünglich der Sonnewalder Orgelbauer Carl Gotthold Claunigk; sie wurde jedoch 1882 mit einem Werk von Conrad Geissler aus Eilenburg neu bestückt. Ob eine bereits aus dem 15. Jahrhundert stammende geschnitzte Holzfigur "Christus auf der Rast" mit originaler Farbfassung zur ursprünglichen Ausstattung gehörte, lässt sich heute nicht mehr verifizieren.

In den Jahren 1992/93 waren Instandsetzungsarbeiten an der Außenhaut der Lautaer Dorfkirche durchgeführt worden. Nun jedoch ist dringend eine umfassende Sanierung der hölzernen Dachkonstruktion notwendig, um eine Sperrung und Schließung des Kirchengebäudes zu verhindern. Ursachen der Schäden speziell im Traufbereich sind der Befall durch den Echten Hauschwamm und durch tierische Holzschädlinge, aber auch unsachgemäß ausgeführte Arbeiten zu Beginn der neunziger Jahre. Gegenwärtig läuft ein Antrag der Kirchengemeinde auf Förderung der Baumaßnahmen aus dem LEADER-Programm der Europäischen Union. Für den Fall der Bewilligung dieser Mittel hat auch der Förderkreis Alte Kirchen seine finanzielle Unterstützung zugesagt.

Übrigens: Im Ortsteil Lauta-Stadt, der ehemaligen Werkssiedlung, steht ein weiteres Kirchengebäude, ein beeindruckender moderner Sakralbau aus dem Jahr 1924. Ein äußerst rühriger Verein, an dessen Gründung auch der Förderkreis Alte Kirchen beratend beteiligt war, kümmert sich um dessen Instandsetzung und seine Nutzung als Kulturkirche. Aber das wäre dann schon wieder eine andere Geschichte

Weitere Informationen: Pfarrer Norbert Krüger; Dorfstraße 9; 02991 Lauta; Tel.: 035722-91286; Mail: pfarramt-lauta@email.de



Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 31. Januar 2017: Kleine Dorfkirche braucht Hilfe
Lausitzer Rundschau vom 06. Februar 2017: Lautaer kämpfen um ihre Laurentiuskirche
Lausitzer Rundschau vom 03. Mai 2017: Lautaer Kirche kann saniert werden
Lausitzer Rundschau vom 22. Juli 2017: Kirchendach in Lauta wird saniert


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