Die Kreishandwerkerschaft der Uckermark blockiert die Instandsetzung des Kirchturms von Küstrinchen

 Dorfkirche Küstrinchen
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Vor zwei Jahren ist es uns gelungen, zusammen mit vielen Helfern, Dach und Dachstuhl der vom Einsturz bedrohten Dorfkirche von Küstrinchen zu sanieren eine Rettungsaktion, die viele nicht für möglich gehalten hatten. Zur Information: Ein Bericht aus Küstrinchen von 2003.

In diesem Herbst sollte es weitergehen: Die Sicherung und Instandsetzung der Holzkonstruktion des Kirchturmes war geplant. Dachsteine für den Turm will die Firma Beez & Jeske kostenfrei zur Verfügung stellen. Das benötigte Bauholz stellt die Familie von Stockhausen aus Warthe unentgeltlich zur Verfügung. Das benötigte Eigenkapital ist vorhanden: jeweils 5.000 Euro kommen vom Förderverein Dorfkirche Küstrinchen, von der Berliner Stiftung "Maßwerk", der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (Stiftung KiBa). Die Arbeiten sollten von Zimmerer-Lehrlingen des Überregionalen Ausbildungszentrums in Wriezen ausgeführt werden eine gute Gelegenheit für angehende Fachhandwerker, Bezug zur Praxis zu bekommen.

Der amtierende Landrat sprach sich in folgendem Schreiben an die Kreishandwerkerschaft für unser Projekt aus:

Landkreis Uckermark - Der Landrat -
Sanierung der Dorfkirche Küstrinchen
Einsatz der Jugendbauhütte mit Unterstützung des ÜAZ Wriezen

Sehr geehrter Herr Fink,

mich erreichte ein dringender Hilferuf des Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen, des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und des leitenden Planungsbüros der Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Dorfkirche Küstrinchen.

Diese noch vor zwei Jahren akut einsturzgefährdete Kirche konnte durch die Hilfe vieler Fördergeber, Sponsoren und die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung und der Mitglieder des genannten Fördervereins vor dem weiteren Verfall gesichert und bereits teilweise saniert werden. Eine kaum geglaubte Rettungsaktion fand in der von Arbeitslosigkeit stark betroffenen Uckermark mit der Dacheindeckung einen vorläufigen Höhepunkt. Viele Medien berichteten vor, während und nach der Sicherungs- und Sanierungsphase von der Kirche; so nutzte z.B. der bekannte "Fernsehpfarrer" Fliege die ehemalige Ruine, um über das Thema "Hoffnung" zu sprechen. Diese Hoffnung wurde erfüllt und viele Förder- und Sponsorenmittel flossen neben den Eigenmitteln, so dass der jetzige Zustand erreicht wurde - die Hauptarbeit leisteten Firmen aus dem Landkreis Uckermark, besonders mit ihrer tadellosen Facharbeit die Denkmalpflege GmbH Prenzlau.

Leider sind auf absehbare Zeit keine Fördermittel mehr von Land und Bund zu erwarten, das bewährte Programm "Dach und Fach" wurde von Bundesseite ersatzlos und ohne Vorankündigung gestrichen. Ohne ausreichende Fördermittel können jedoch keine Arbeiten an Firmen vergeben werden - die wenigen verfügbaren Gelder lassen keinen vernünftigen Bauabschnitt zu. Das trifft leider nicht nur auf die Kirche von Küstrinchen zu. Doch hier gäbe es wenigstens einen Ausweg zur Rettung des Denkmals über das überregionale Ausbildungszentrum Wriezen und den Einsatz der Jugendbauhütte im Rahmen einer beruflichen Ausbildungsmaßnahme. Dieses wäre überhaupt die einzige derzeit erkennbare Möglichkeit der Weiterarbeit an der Dorfkirche und der Rettung der bereits verbrauchten mühsam eingeworbenen Mittel.

Sehr geehrter Herr Fink, um es kurz zu sagen. Hier findet keine Wettbewerbsverzerrung statt, weil diese Maßnahme ohne Jugendbauhütte und ohne UAZ nicht stattfinden wird. Die notwendigen Mittel für die Vergabe der Leistungen auf dem freien Markt stehen nicht zur Verfügung.

Ein zweiter Aspekt der anvisierten Maßnahme ist die gute Gelegenheit, vor Ort Jugendliche in einem Handwerk auszubilden bzw. ihnen "Appetit auf eine solche Lehre zu machen", die ansonsten wie viele ihrer Altersgenossen vielleicht ihre Heimat verlassen würden. Mit dem ÜAZ Wriezen und mit der Jugendbauhütte besteht aus meiner Sicht auch eine Gelegenheit, Fachkräfte für die Zukunft auszubilden, die ansonsten in unserer Region fehlen würden.

Ich möchte Sie hiermit bitten, dem Projekt eine Chance zu geben, in dem Sie dem ÜAZ auf sein Zustimmungsersuchen eine positive Antwort der Kreishandwerkerschaft Uckermark erteilen.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhold Klaus
Amtierender Landrat

 

Die Kreishandwerkerschaft des Landkreises Uckermark ist anderer Meinung. Sie verweigert ihre Zustimmung für den Einsatz von Auszubildenden unter Angabe von Gründen, die für uns nicht nachzuvollziehen sind!

Auf unsere Anfrage erhielten wir folgendes Antwortschreiben:

KREISHANDWERKERSCHAFT UCKERMARK
Prenzlau, 13. Oktober 2004

Kirche Küstrinchen
Weiterführung der Maßnahmen unter Beteiligung des ÜAZ Wriezen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bezug nehmend auf Ihr Schreiben vom 28.09.2004 und unser Telefonat, möchte ich Ihnen den Standpunkt der Kreishandwerkerschaft Uckermark zu Ihrem Anliegen noch einmal schriftlich verdeutlichen.

Zunächst darf ich allen Beteiligten meine Anerkennung aussprechen, die mit einem enormen ehrenamtlichen Engagement dazu beigetragen haben, dass die Einsturzgefahr der Kirche Küstrinchen nicht mehr akut gegeben ist und damit ein wichtiges Kulturerbe dieser Region erhalten bleibt.

Wir achten dieses Engagement sehr und wissen um die Sorgen und Probleme vieler Vereine, die unter desolatem Geldmangel, oft auch ohne die notwendige Unterstützung von Bund, Land und Kommunen, nach jedem sich bietenden Strohhalm greifen, um der Verwirklichung ihrer Ziele näher zu kommen.

Wir wissen tatsächlich um die vielen Probleme, da sich eine unzählige Liste derer aufstellen lassen würde, die in gleichen oder ähnlichen Situationen bei uns vorsprachen und aus Geldmangel bzw. bereits erwähnter mangelnder Unterstützung mit Hilfe von Bildungseinrichtungen und Lehrlingen versuchen wollten, diese Probleme zu umgehen bzw. sie zu beseitigen.

Nur kann das Handwerk nicht für diese Situation verantwortlich gemacht werden, in dem man uns die "Pistole auf die Brust setzt", dass, wenn wir unsere Zustimmung verweigern, ganze Projekte scheitern, Kirchen einstürzen, Friedhofsmauern und andere Objekte verfallen, Kindergärten, Schulen und Kirchen keinen neuen Anstrich erhalten usw. .

Genau wegen diesem Geldmangel, wegen einer seit Jahren andauernden falschen Wirtschaftspolitik fehlen dem Handwerk die notwendigen Aufträge, um Arbeitsplätze zu erhalten, um neue zu schaffen oder um unserer jungen Generation mit einem Ausbildungsplatz eine gesicherte Zukunft zu ebnen.

Täglich fallen Hunderte Arbeitsplätze im Handwerk weg, erhöht sich die Zahl derer, die sich ins Heer der Arbeitslosen einreihen müssen und andererseits werden Milliarden von Steuergeldern verschwendet, die genau diese Arbeitsplätze erhalten und Aufträge für die Wirtschaft sichern würden, auch für Kirchen, Denkmäler und viele andere Objekte.

Es geht auch gar nicht darum dass Lehrlinge aus Bildungseinrichtungen nicht sinnvolle und gesellschaftlich wertvolle Arbeit leisten sollen, sondern darum, dass wir damit keine Probleme lösen, sondern diese weiter verschärfen, auch wenn dem einzelnen vielleicht bei seiner Projektverwirklichung geholfen wird.

Wo setzen wir das Maß der Dinge an? Bei wem oder wann stimmen wir solchen Anliegen zu und wann lehnen wir ab?

Es kann auch kein Argument sein, dass bei einer Verweigerungshaltung des Handwerks diese Objekte und Maßnahmen ein für alle Mal gestorben sind und nicht mehr realisiert werden können. Auch hier gäbe es genügend Beispiele, die das Gegenteil beweisen würden, auch wenn diese Maßnahmen dann auf einen längeren Zeitrahmen gestrickt werden mussten, fand man dennoch andere Lösungen.

Deshalb haben wir von Anfang an solche Vorhaben abgelehnt und stehen auch heute noch dazu. Schon bei einer gegebenen Zustimmung, auch wenn diese als Ausnahmeregelung deklariert wäre, könnten wir uns vor einer weiteren Antragsfülle kaum mehr retten und jeder dieser Antragsteller würde Hunderte Begründungen finden, warum seine Maßnahme von besonderer Bedeutung wäre und zu Recht jeder auf einer weiteren Ausnahme bestehen.

Wo fangen wir also an und wo hören wir auf?

Bei allem Verständnis für die Situation des Vereins, für die Notwendigkeit, die Kirche nicht nur vor der akuten Einsturzgefahr gerettet zu haben, sondern sie auch für die nächsten Jahre zu erhalten, kann unsere Entscheidung nicht anders lauten, als diesen Antrag abzulehnen.

Das sind wir nicht nur unseren Unternehmen gegenüber schuldig, sondern auch den vielen Antragstellern zuvor und denen die noch kommen werden.

Auch wenn das für Sie keine zufriedenstellende Entscheidung ist so wünschen wir Ihnen, dem Förderverein und allen anderen Beteiligten für die Verwirklichung Ihres Vorhabens trotzdem weiterhin viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
R. Fink
Geschäftsführer

 

Die Haltung der Kreishandwerkerschaft ist für den Förderkreis Alte Kirchen, der die oben beschriebene Maßnahme koordiniert hatte, und für alle anderen am Projekt beteiligten nicht nachvollziehbar. Auch die Einwohner von Küstrinchen, die durch Eigenleistung vieles zum bisherigen Baugeschehen beigetragen haben und die Kirche für vielfältige kirchliche und kulturelle Nutzungen zurückgewonnen haben, fühlen sich missachtet.

Man kann nicht der Politik Versagen vorwerfen und gleichzeitig jegliche Flexibilität in eigenen Entscheidungen vermissen lassen.

In einer Region, aus der auf Grund mangelnder Perspektiven massenhaft Jugendliche abwandern, sollte man froh sein, wenn Möglichkeiten gefunden werden, junge Menschen praxisnah und an identitätsstiftenden Bauwerken in der eigenen Heimat auszubilden.

 

Natürlich hat auch die Presse das Thema aufgegriffen:


 
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