Die Dorfkirche von Kolpien (Landkreis Teltow-Fläming)

Dorfkirche von Kolpien  
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Derzeit ist die Kirche in Kolpien eine große Baustelle. Das Kirchenschiff ist von außen komplett eingerüstet und anstelle einer Dachdeckung flattern riesige Kunststoffplanen im Wind.

Der einfache Feldsteinbau unter teilweiser Verwendung des für die Region typischen Raseneinsensteins stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Nach 1870 entstand der hohe, schlanke Westturm mit einem kupfergedeckten Spitzhelm.

Aus der Gründungszeit des Kirchenbaus blieb eine mittelalterliche Glocke in typischer Zuckerhutform erhalten. Seit kurzem mit einer elektrischen Läuteanlage versehen, ruft sie seit siebenhundert Jahren die Kolpiener zum sonntäglichen Gottesdienst.

Unter einer schlichten hölzernen Kassettendecke präsentiert sich der Innenraum der Kirche: Der Altaraufsatz stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert; zwischen zwei Säulen sind Tafelgemälde des Abendmahls, der Kreuzigung und der Himmelfahrt zu sehen, die Bekrönung bildet ein kleines gotisches Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert. Die barocke Kanzel an der Südwand zeigt in den Feldern des Kanzelkorbes Porträts der vier Evangelisten. Ein Renaissance-Taufbecken aus Sandstein stammt inschriftlich aus dem Jahr 1619 und ist mit Wappenschilden der damaligen Patronatsherren von Löser sowie verwandter Adelsfamilien geschmückt. Zur Zeit jedoch sind sämtliche Ausstattungsgegenstände sorgfältig verpackt, um sie während der Sanierungsarbeiten vor Beschädigung und Staub zu schützen.

 Mauer

Bereits seit einigen Jahren waren die Kolpiener Kirche und mit ihr das wertvolle Inventar akut gefährdet. Armdicke Risse zogen sich durch das Feldsteinmauerwerk, und sie wurden zusehends breiter. Über die Ursachen dafür streiten sich die Fachleute. Hatten dicht beim Dorf gezogene Meliorationsgräben eine Senkung des Grundwasserspiegels bewirkt oder sind die Setzungen vielleicht sogar Auswirkungen des Jahrzehnte langen exzessiven Braunkohleabbaus in der nahen Niederlausitz? Zudem wurden zu DDR-Zeiten Betonsteine auf das Dach gebracht, die für den Dachstuhl viel zu schwer waren und eine ungünstige Lastenverteilung auf die Außenmauern verursachten. Dringende Notsicherungsarbeiten waren jedenfalls dringend geboten. Doch das erwies sich als nicht so einfach.

Kolpien hatte nie einen eigenen Pfarrer, der saß schon seit dem Mittelalter im benachbarten Schöna und hatte lediglich die Aufgabe, "an jedem dritten Sonntag in Kolpien das Evangelium zu predigen und zu lehren". Nebenbei sei vermerkt, dass es unter den Schönaer und damit auch Kolpiener Pastoren eine spätere Berühmtheit gab: von 1527 bis 1538 wirkte hier als erster evangelischer Geistlicher der Gemeinde ein gewisser Georg Buchholzer. Von Joachim II. später als Propst an St. Nikolai in Berlin-Cölln berufen, war es Buchholzer, der dem Kurfürsten erstmalig das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichte und damit die Reformation in der Mark Brandenburg offiziell einführte.

Doch zurück in die heutige Zeit: Da auch im benachbarten Schöna eine umfassende Kirchensanierung nötig war, schien es für die Gemeinde illusionär, auch noch die finanziellen Mittel für eine Sicherung des Gotteshauses in Kolpien aufzubringen. Und doch wurde durch Mittel aus dem Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in diesem Jahr überraschend ein größerer Bauabschnitt möglich. Ein gewaltiger Ringanker aus Stahl, der durch die gesamte Länge und Breite der massiven Feldsteinwände getrieben wurde, gibt dem Kirchenschiff wieder Stabilität. Auch eine Sanierung des Dachstuhls und der Dachdeckung können durchgeführt werden.

Die gravierendsten Bauschäden werden damit erst einmal beseitigt sein. Reparaturarbeiten sind jedoch noch am Backsteinmauerwerk des Turms nötig. Auch der Innenraum bedarf einer grundlegenden Restaurierung. In Kolpien gibt es noch viel zu tun.

Weitere Informationen über: Ev. Kirchspiel Schöna Kolpien; Frau Elvira Müller (Vorsitzende des Gemeindekirchenrates); Tel.: (03 53 64) 41 34


Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 19. Mai 2012: Kolpiens Kirche ist wieder sicher
Lausitzer Rundschau vom 22. Januar 2016: Kreuz und Kugel glänzen wieder

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